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MAGAZIN / INTERVIEWS

13 Fragen an Margot Hellwig - Interview

 

Margot, die Tochter vom Maria Hellwig, ist wie Ihre Mutter bereits eine lebende Legende. Jedoch lebt sie bescheiden und ohne großen Popanz in ihrer Heimat am Fuße der Alpen.

Wir haben versucht investigativ auf sie einzuwirken, jedoch dürfen hier wir im Vorfeld schon vermelden: Margot Hellwig war niemals Mitglied einer Hippie Gang. Übrigens wie so gut wie auch sonst niemand den wir kennen.

 

 

 

1. Als Sie Ihre Musikerinnenkariere zusammen mit Ihrer Mutter Maria im Jahre 1963 starteten, da rockten gerade die Beatles die Welt, Elvis Presley spielte in seichten Filmchen mit, kurz darauf nahmen die Hippies Ihre Arbeit auf. Hat man da nicht das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn man nicht an diesen Bewegungen teilnimmt? Hatten diese zum Teil recht zweifelhaften Begebenheiten für Sie nicht auch ihren Reiz?

Anfang der sechziger Jahre war ich frisch verheiratet und im Begriff eine Familie zu gründen. Da war mir die Welt der Hippies völlig fremd und unwichtig.

 

 

2. Für mich als Flachländer ist es jedesmal ein erhebender Moment, wenn ich am Fuße der Berge stehe und diese monumentale Wucht und das durchaus romantische Bild erlebe, bin ich jedesmal ergriffen. Wie geht es Ihnen, die Sie das Erlebnis ja nun seit Kindesbeinen an sehr oft haben. Sind diese Bilder ewig?

Die Berge gehören zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen. Sie vermitteln mir auch heute noch ein Gefühl der Vertrautheit  und Geborgenheit.

 

 

3. Es gibt ja einen Unterschied zwischen Volksmusik und volkstümlicher Musik, so wie wir das bisher wahrnehmen konnten. Volksmusik scheint aus dem Volk zu stammen, dabei handelt es sich oft um Weisen und Lieder, die eine lange Tradition haben, während die volkstümliche Musik sich in den Gesten, dem Rhythmus und den folkloristischen Elementen eher an die Tradition der Volksmusik anbiedert. Haben solche Herangehensweisen die Volksmusik an sich nicht in Verruf gebracht?

Die echte Volkmusik ist ein Kulturgut, das besonders in unserer bayrischen Heimat tief verwurzelt ist. Die volkstümliche Musik dient der Unterhaltung und erhebt keinen Anspruch auf kulturelle Werte. Der Unterschied zwischen beiden Musikrichtungen wurde erst durch den Volksmusiksammler Pauli Kiem ins Bewußtsein der Leute gebracht. Beide Musikrichtungen haben heutzutage ein völlig verschiedenes Publikum.

 

 

4. Bei Ihnen und Ihrer Mutter hat man das Gefühl, dass die Musik eher aus einer langen regionalen Musiktradition entspringt. Wie wichtig ist es Ihnen da die Grenze zu ziehen, zwischen wahrhaftiger und kitschiger Musik, ist das ein berechnender Moment oder können Sie nicht anders, als das zu machen, was sie seit nunmehr 47 Jahren machen?

Meine Mutter und ich singen seit frühester Kindheit. Da der unselige Krieg die Lebensplanung meiner Mutter zerstört hat, sie wollte Opernsängerin werden, war es für uns beide eine Chance, in der volkstümlichen Unterhaltungsmusik einen Beruf zu ergreifen, der uns Freude machte und die stimmlichen Begabungen zur Entfaltung brachte.

 

 

5. Heimat und die Verbundenheit mit ihr, sind wieder vielerorts auch in Kreisen, die sich nur widerwillig oder gar nicht damit befasst haben, ein Thema. Das Vorurteil, dass Heimat vor allen Dingen ein chauvinistischer Begriff aus einer düsteren Zeit ist, scheint langsam abgebaut zu werden. Merken Sie das an Ihrem Publikum, etwa, dass es jünger wird?

Heimatverbundenheit ist unserer Meinung nach eine wertvolle Eigenschaft. Nur was man liebt, schützt man. Unser Publikum ist bunt gemischt. Es gibt keine Altersgrenzen und keine sozialen Besonderheiten.

 

 

6. Jetzt mal Hand aufs Herz, ich kann mir Sie und Ihre Mutter kaum in einer anderen Kleidung als dem Dirndl vorstellen, aber sagen Sie uns doch bitte, dass auch Sie an freien Tagen zu Hause im lässigen Hausanzug und Wollsocken auf dem Sofa herumlümmeln und Fünfe gerade sein lassen?

Natürlich ziehen wir an unseren freien Tagen nicht nur Dirndlkleider an. Meine Mutter trägt zu Hause gerne Folkloreröcke mit weißen Blusen. Ich selbst ziehe für die Gartenarbeit und zum Wandern Hosen an. Das ist praktisch. Bei Familienfesten jedoch erscheinen wir beide immer in einem schönen Dirndlkleid. Das ist Tradition.

 

 

7. Das Internet verändert die Gesellschaft, irritiert diese bisweilen aber auch. Wie aufgeschlossen stehen Sie den Möglichkeiten des Internets gegenüber? Wie oft am Tag rufen Sie zum Beispiel Ihre E-Mails ab?

Das Internet ist auch für uns wichtig geworden. Meine Söhne und ein paar junge Freunde bemühen sich, uns die Grundbegriffe beizubringen  und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Die eMails rufe ich jeden Tag ab. Wichtiger ist mir jedoch das Gespräch am Telefon, weil ich die Stimme des Gegenübers hören möchte.

 

 

8. Man kann Ihre Musik auch via iTunes beziehen. Nun hat die CD das besondere Feeling ein Stück Musik in den Händen zu halten ja schon weitestgehend ausblenden lassen. Musik auf Schallplatten gilt heute immer noch als der erdigste, wahrhaftigste Tonträger. Wie halten Sie es? Haben Sie noch einen Plattenspieler und haben Sie sich schonmal Musik im Internet gekauft?

Die Schallplatten stehen im Archiv. Musik hören wir im Radio und auf CDs. Internet-Musik haben wir noch nicht gekauft.

 

 

9. Mal ganz platt gefragt: War früher alles besser?

Es ist eine unausrottbare Legende, dass früher alles besser war. In meiner Kindheit hatten wir noch Plumsklo, Ofenheizung in der Wohnküche und ein ungeheiztes Schlafzimmer. So möchte ich heute nicht mehr leben.

 

 

10. In wenigen Tagen fängt die Fußball-WM an. Werden Sie dann auch gebannt vor dem Fernseher sitzen und unseren Jungs die Daumen drücken und wer könnte die Position von Michael Ballack übernehmen?

Wir werden uns die Spiele unserer Deutschen Fußballer anschauen. Und natürlich die Daumen drücken. Für Vorschläge über Spielbesetzungen fehlt uns leider der Sachverstand.

 

 

11. Wir sind mal für dieses Magazin durch die Alpenregion gefahren und haben dabei moderne Bauwerke, Kirchen und einen Staudamm fotografiert um dabei festzustellen, dass sich modernste Architektur wunderbar in das Gesamtbild einbinden lassen. Könnten Sie sich vorstellen Auch in so einem modernen, vielleicht eher kühlen Haus zu wohnen oder ist es doch die tradiotionelle alpenländische Bauweise, die es ihrem Herzen angetan hat?

Alles ändert sich, so auch die Musik und der Geschmack an Architektur. Altes und Neues sollten sich harmonisch ergänzen, jede Zeit  hat ihre eigene Handschrift. Wir würden gerne auch in einem modernen Haus wohnen, es sollte sich aber optisch in die Umgebung einfügen.

 

 

12. Wie sieht Ihr Wohntraum? Wie würden Sie, vielleicht abseits aller Konventionen und realistischen Vorgaben gerne wohnen und leben?

Ich habe mir meinen Wohntraum bereits erfüllt. Das ist ein kleines Reihenhäuschen, das ich selbst bewirtschaften kann, mit einem Gärtchen, in dem Nistkästen und Tonschalen für Igel dafür sorgen, dass immer Leben um mich herum ist.

 

 

13. Und nun die duale Abschlussfrage: Beatles oder Rolling Stones?

Ich höre gerne Beatles Songs.