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MAGAZIN / INTERVIEWS

13 Fragen an Franz Xaver Gernstl - Interview

Mit Gernstl unterwegs zu sein ist eine feine Sache. Die Fähigkeit Menschen zum plaudern zu bringen ohne auch nur eine Frage zu stellen, beherrscht Franz Xaver Gernstl bis zur Perfektion. Und weil die Menschen sich nicht genötigt fühlen eine spezielle Frage beantworten zu müssen, auf diese keine Antwort wissen, sprechen sie einfach von Dingen, mit denen sie sich auskennen, die ihnen wichtig sind. So kommt einiges zu Tage, aber auch nicht alles, weil das Team um Gernstl auch immer bemüht ist, die Würde des Menschen zu bewahren. Die Reihe "Gernstl unterwegs" ist somit auch eine zurecht Grimmepreis gewürdigte, auffallend angenehm und stilvoll in Szene gesetzte Veranstaltung im deutschen Fernsehen, von denen es leider viel zu wenige gibt.

 

 

 

13 FRAGEN AN FRANZ-XAVER GERNSTL

1.

In der großartigen Reihe "Gernstl unterwegs" zeigen Sie immer wieder eigenwillige, manchmal skurrile Persönlichkeiten aus dem Volk, die ihnen dann auch sehr offenherzig, ohne peinlich zu sein, verschiedene Schwänke aus dem Leben erzählen. Sind die meisten Menschen ihnen gegenüber so freudig bereit sich zu öffnen oder müssen sie viele Gesprächsversuche herausschneiden?

Ich wundere mich selbst oft, wie schnell die Menschen bereit sind, mir ganz intime Geschichten zu erzählen. Bei manchen – gerne bei verheirateten Männern - habe ich den Eindruck, sie warten schon lange darauf, dass endlich mal wieder einer zuhört.

2.

Es ist oft zu beobachten, dass sich viele Menschen vor einer Kamera plötzlich um Kopf und Kragen reden. Wie sind da Ihre Erfahrungen? Bändigen Sie die Leute manchmal?

Nein, schmuddeliger Beziehungskram interessiert mich nicht, das ist einfach kein Thema. Ansonsten darf jeder schwadronieren wie er möchte, Peinliches wird erst im Schneideraum gekillt.

3.

Deutschland (...) wirkt ja oft so verkniffen. Gab es in den letzten Jahren so etwas wie eine Lena Meyer-Landrutisierung der Gesellschaft, was Offenheit, Lockerheit und Freundlichkeit betrifft.

Oh je, jetzt musste ich erst mal googeln, was Sie meinen. Putzig, die Kleine. Ich glaube, die Nachkriegs-Blockwart-Mentalität mancher alter Krieger ist tatsächlich am Aussterben.

4.

Bewahrheiten sich durch vielfache Erfahrungen mit unterschiedlichen Menschen die Klischees oder sind die Menschen doch ganz anders?

Im Moment drehe ich eine siebenteilige Reihe über die bayerischen Regierungsbezirke und feiere jedes Klischee, das mir unterkommt.

Ich mag Vorurteile und freue mich, wenn sie stimmen, allerdings ist der Mensch dann meistens doch ein Besonderer und kein Franke oder Schwabe oder Bayer.


5.

War Ihnen der amerikanischen Journalist Louis „Studs“ Terkel – und dessen Reportagen über den einfachen Menschen – ein Vorbild?

Ich habe kürzliche erst von ihm gehört und sein Buch „Gespräche um Leben und Tod“ gekauft. Aber es liegt noch bei den anderen Büchern, die ich lesen sollte.

6.

Sie sind mit einer Seite auf Facebook vertreten. Nutzen Sie diese Kommunikationsmöglichkeit gerne oder ist das eher eine lästige Pflicht?

Ehrlich gesagt, das macht eine Kollegin für mich. Und ich schaue bloß ab und zu, ob sich da eine Fanin eingetragen hat, die mir gefällt.

7.

In wie weit nutzen Sie die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und Kommunikation im Bereich Social Media. Interaktionen mit dem Publikum via Chat oder Twitter, wäre das für Sie denkbar?

Gar nicht, das Geplauder macht mir keinen Spaß. Aber wenn jemand ernsthaft von mir was wissen will, dann kriegt er schon eine Antwort.

8.

Das Produzieren von Filmen ist ja zumeist ein mühsames Zusammenhalten und aufwändiges Organisieren, während die Gernstl-Folgen eher beschwingt rüberkommen. Täuscht der Eindruck? Welche Rolle bereitet Ihnen mehr Spaß, die des Produzenten oder die des Reporters?

Kann ich nicht sagen. Filme als Reporter gestalten macht Spaß, aber schöne Filme von anderen zu ermöglichen auch.

9.

"Mia san mia" – Wahrheit oder Mythos?

Na ja, nach zwei Wochen Dreh in Norddeutschland, kommen beim ersten Weißbier im Biergarten doch so heimische Gefühle auf.

10.

Welche Mannschaften schaffen es bei der kommenden Fußball-WM in Südafrika bis ins Halbfinale? Wir gewähren auch Wunschdenken.

Da fragen Sie jetzt leider den ganz Falschen. Ich weiß gar nicht, wer mitspielt.

11.

Sie kommen viel rum. Wo würden Sie sich alternativ zu ihrem jetzigen Wohnort am liebsten ein Häuschen bauen?

Ich bin kürzlich in eine Mietwohnung in Altschwabing gezogen. Ein Stadtteil, der fast eingeschlafen ist und gerade wieder am Aufwachen ist. Die Wohnung ist 100 Meter vom Englischen Garten entfernt, ich blicke vom Balkon auf die Veranda vom Bischof und gegenüber betreiben zwei Herren den besten Bäckerladen von München, und bei der Seerose gibt es für 9,70 Euro ein feines italienisches Mittagsmenü – da fällt mir keine Alternative ein.

12.

Was müsste Ihr Traumhaus dringend haben, damit es ein Traumhaus ist?

Die richtigen Bewohner. Ein Haus mit lauter coolen Typen.

14.

Beatles oder Rolling Stones?

Zappa.