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MAGAZIN / INTERVIEWS

13 Fragen an Christiane Olivier

Was ist eine alleinerziehende Mutter mit pubertierendem Sohn, Hund und belgischen Wurzeln? Eine Waffe! Christiane Olivier kennt keine Kompromisse, keine Tabus. Bei ihr sind Gags unter der Gürtellinie kein Versehen, sondern gezielt und mit purer Absicht gesetzt. Was gesagt werden muss, wird gesagt. Unverblümt konfrontiert sie die Zuschauer mit ihren Erkenntnissen über Männer, Frauen, Sex und das Leben. Scharf beobachtet bringt sie die Dinge auf den Punkt.

 

1. Wie wohnen Sie und warum?

In der Kölner Südstadt, Schmelztiegel zwischen richtigen Urkölnern und nervigen „Bionade-Eltern“. Ich liebe die Rheinnähe.

 

2. Wie wohnt man in Belgien, wie wohnt man in Deutschland? Gibt es da kulturelle Unterschiede? Welcher Unterschied ist am auffälligsten?

Wegen der schlechten Infrastruktur wohnen die meisten Belgier noch in Zelten. Spaß. Da wir drei verschiedene Sprachen und Regionen haben, kann man das nicht so leicht beantworten. Wallonen, Flamen und Ostbelgier sind völlig verschieden. In Deutschland ist alles schön strukturiert. Bei uns hingegen in der Wallonie ist es eher chaotisch, aber auf eine liebenswürdige Weise. Der auffälligste Unterschied ist wohl der, dass bei uns alle Autobahnen beleuchtet sind.

 

3. Unserer Vorstellung nach ernährt sich der Belgier von Kirschbier und Pommes Frites, bitte sagen Sie, dass das kein Klischee ist.

Kirschbier ist bei uns eher was für Mädchen. Wir Belgier haben männliche Vorbilder wie Jean-Claude van Damme, ein richtiger Typ trinkt daher eher sein Stella oder Jupiler. Es gibt aber auch sehr viele Starkbiere, die interessante Namen haben wie: Judas, Lucifer oder Delirium. Seine Fritten liebt der Belgier jedoch. Am liebsten mit Saucen Andalouse, Américaine oder Samurai. „Les moules et les frites“ (Muscheln mit Fritten) ist sozusagen unser Nationalgericht.

 

4. Sie kommen viel rum. Wo gibt es in Deutschland die besten Pommes Frites?

Bei mir auf der Severinstraße bei Kerschkamps. Die Fritten kommen schon nah an unsere belgischen ran, schön dick und mit natürlichem Geschmack.

 

5. Welche Schallplatte von Jaques Brel war Ihre erste und wenn Sie überhaupt keine Schallplatte von Jaques Brel besitzen, welche Schallplatte war denn Ihre erste?

Mein Opa hatte viele Platten von Brel. Meine absoluten Lieblingslieder waren immer „Une valse à mille temps“ und „Jef“.

 

6. Ihr 13-jähriger Sohn ist ein Teil Ihres Bühnenprogrammes. Gibt es diesen Jungen wirklich und ist alles wahr, was Sie auf der Bühne über ihn erzählen?

Haha, ja es gibt ihn wirklich und ja er inspiriert mich für mein Programm. Manchmal sind die Sachen nicht von ihm, sondern seinen Kumpels oder Jungen, die ich vom Fußballplatz oder seinem Umfeld kenne. Dann lege ich sie ihm in den Mund und das findet er natürlich total peinlich.

 

7. Sie sind offenbar Expertin für Jugendsprache. Wie muss man einem Jugendlichen sprachlich begegnen, wenn er es z. B. im Bus nicht für nötig erachtet, seinen Sitzplatz für einen älteren Menschen freizumachen?

Ich denke ja, dass die Jugendlichen heutzutage einer älteren Frau eher den Platz überlassen würden, als noch vor ein paar Jahren. Aber eher in ihrer eigenen Logik à la: „Bruder, steh mal auf, die Frau ist voll alt, hast du denn gar kein Stolz?“ Man muss ihnen sprachlich jedenfalls nicht von oben herab begegnen, falls sie mal komisch gucken bei Worten wie „impulsiv“ oder „wortkarg“, sollte man es ihnen ganz locker und natürlich erklären.

 

8. Sprachlich scheint die Jugend in der Talsohle angekommen zu sein. Gibt es dennoch Hoffnung für die Zukunft? Anders gefragt: Sind unsere Renten noch sicher?

Ja, sprachlich ist es mit der Jugend teilweise schon heftig. Manchmal rutscht meinem Sohn auch „Ey, Junge“ anstatt „ Mama“ heraus, weil solche Worte den ganzen Tag benutzt werden. Das Fehlen jeglicher Präpositionen ist bei vielen auch ein Problem. Ich habe mal ein Mädchen kennengelernt, die wusste gar nicht, dass es drei Artikel gibt. Sie meinte alles wäre doch nur „das“…Daher meine bescheidene Meinung zu der Frage mit der gesicherten Rente: Leider nein.

 

9. Mann kennt Sie unter anderem TV-Auftritten in Comedy-Sendungen "Nichtwash" und "StandUpMigranten". Sind Auftritte vor der Kamera anders als ohne? Und was war der bislang schönste Auftritt? Und vor allem warum?

Ja, das Publikum ist anders, wenn eine Kamera in der Nähe ist. Bei normalen Auftritten ist es natürlicher und die Leute lachen spontaner. Klar, man selber ist bei TV auch immer etwas aufgeregter als sonst. Der schönste Auftritt…da gab es einige. In letzter Zeit mochte ich meinen Auftritt bei Nightwash im Kölner Waschsalon am meisten, da waren ich und das Publikum definitiv eins.

 

10. Wie klein war der kleinste Kreis, vor dem Sie aufgetreten sind, und wie viele Zuschauer zählte Ihr bislang größter Auftritt?

Es gab mal einen Abend bei einer Mixed Show da waren nur 5 Leute da. Das ist natürlich schwierig, da kommt keine große Stimmung auf. Mein größter vor 1500 Leuten, da habe ich eine Show moderiert in einem Riesenzelt. Viel Alkohol und Partystimmung, da kommen die Leute in Fahrt.

 

11. Mit welchem Ereignis ist in der Comedy-Szene der Zenith erreicht?

Wenn man sich nachts schlafenlegt und sich sagt: „Geil, ich bin glücklich, liebe meinen Job und freue mich morgen meinen Porsche kaufen zu können."

 

12. Sind Sie privat auch so unlustig wie leider viele andere Comedians?

Da ich viel Temperament habe, bringe ich auch privat die Leute zum Lachen, aber eher ungewollt. Doch Leuten Witze zu erzählen, nur weil man Comedian ist, darauf steh ich überhaupt nicht.

 

13. Mal angenommen, man würde Sie zwingen, etwas Lustiges und zugleich Zugetanes über Beton zu sagen, was würde das wohl sein?

Beton erinnert mich immer an Krimiserien, denn wann man absolut sicher gehen will davon zu kommen, betoniert man die Opfer ein. Und eines meiner Lieblingslieder ist „Concrete Jungle“ von Above The Law.