26.11.2019

Wohnhaus aus Leichtbeton

Perfekte Hanglage, hohe Energieeffizienz

Mit zwei dominanten Wandscheiben schiebt sich das Haus in den Hang. Der speziell konzipierte Leichtbeton ermöglicht bei hoher Energieeffizienz den Verzicht auf zusätzliche Dämmung und zeigt homogene Wandflächen in hoher Sichtbetonqualität.

Das steile Hanggrundstück hielt für den Eigentümer und seinen Bauunternehmer gleich mehrere Herausforderungen bereit. Das L-förmige Areal ließ nur ein schmales, begrenztes Baufenster zwischen den beiden Nachbargrundstücken zu. Freie Aussicht war langfristig nur in zwei Richtungen, über das Tal und zum rückwärtigen Garten gegeben. Daher begeisterte Thomas Schweigert, Geschäftsführer der bauwerk bauunternehmung, ein Fachmann mit Faible für Leichtbeton, den Auftraggeber für ein ungewöhnliches Projekt: ein in den Hang eingeschobenes, modernes Gebäude mit Flachdach, das sich mit zwei parallelen Betonscheiben zu den Nachbargrundstücken abgrenzt. Vorne und hinten über die komplette Front verglast, gewährt das Wohnhaus aus den oberen Stockwerken herrliche Durch- und Ausblicke. Im Innern bieten die weiten, fast stützenfreien Grundrisse ein großzügiges Wohngefühl. An den Außenfassaden lassen sich mit diesem Leichtbeton homogene Flächen in hoher Sichtbetonqualität ausführen.

Know-how in Sachen Leichtbeton

„Bei unseren Projekten wollen wir immer auch zeigen, wie mit Leichtbeton gebaut werden kann“, erzählt Thomas Schweigert, der die Architektenpläne für die jeweiligen Bauvorhaben vor Abstimmung mit den Bauherren auf Machbarkeit und Effizienz prüft. Sein ausführendes Unternehmen hat inzwischen schon mehrere Leichtbetonbauten verwirklicht. „Wir konnten bei diesem Projekt unsere Erfahrung erneut unter Beweis stellen. Tatsächlich haben wir unser Know-how für diese Bauweise bei verschiedenen Bauprojekten in Zusammenarbeit mit der Heidelberger Beton Kurpfalz GmbH und Co. KG und der Betotech GmbH immer weiterentwickelt.“ Die selbstgesteckten Ziele für diesen Ort im prosperierenden Mittelzentrum der Region Rhein-Neckar, dessen unmittelbare Umgebung jedoch noch dörflichen Charakter zeigt, waren Nachhaltigkeit gepaart mit großzügiger Offenheit, authentische Architektur verbunden mit Akkuratesse und unaufgeregter Eleganz.

Durchdachter Rohbau

Zunächst musste der Baugrund der komplizierten Hanglage mit einer aufwändigen Pfahlgründung gesichert und mit einer Sichtbetonwand abgestützt werden. Dann folgte die Gebäudekonstruktion, einfach aber durchdacht. Zwischen zwei, dem Hangverlauf folgenden gekanteten Wandscheiben wurden jeweils Halbfertigteile als Decken eingehängt, die ausbetoniert als Stahlbetondecken das gesamte Gefüge aussteifen. Außen wurde jeweils bis Oberkante Decke, im Innern bis Unterkante Decke betoniert, so dass die Wandscheiben jeweils ein Auflager bilden. An den seitlichen Fassaden ist der Leichtbeton hydrophobiert, die präzise Fuge zeigt die Geschosshöhen an. Ankerkonen aus Betonstopfen verweisen in regelmäßigem Abstand auf die Peri-Schalung, die hier befestigt war. Innerhalb der massiven Wände verlaufen die Rohre für Heizung und Regenwasser.

Individuelle Architektur

Das Raumprogramm des 210 Quadratmeter großen Wohnhauses ist exakt auf die Bedürfnisse der Bauherren zugeschnitten: Im untersten Geschoss, das zur Straße hin ebenerdig zugänglich ist, befindet sich ein Hobbyraum. Dieser Gebäudeteil steht wie ein Sockel im Erdreich und wurde ganzseitig aus Beton für wasserundurchlässige Bauwerke ausgeführt. Im hinteren Trakt sind die Gebäudetechnik für die Fußbodenheizung und die automatische Be- und Entlüftung sowie die Luftwärmepumpe angeordnet. Auf Straßenniveau liegt die teilüberdachte Stellfläche für den PKW. Eine interne Treppe führt den Hausherrn vom Erdgeschoss in die erste Etage. Besucher kommen jedoch über eine seitliche Treppe zum Eingang der ersten Etage, in der sich ein kleines Foyer, Bad und Gäste-WC sowie das Büro befinden. Nun erfolgt die Erschließung über innenliegende Treppen. Im zweiten Stock orientieren sich die Küche nach vorne und der Wohnbereich ebenerdig zur rückseitigen Gartenterrasse hin. Diese Wohnfläche hat keinerlei Stützen und wird nur von der einläufigen Stahlwangentreppe ins nächste Geschoss durchbrochen. Die Bereiche für Schlafen und Ankleiden unter dem Flachdach sind unterteilt.

Leichtbeton mit vielen Qualitäten

„Wir können diesen Leichtbeton fast so perfekt und homogen wie Sichtbeton ausführen“, beschreibt Thomas Schweigert den grauen Baustoff mit der samtenen, geschlossenen Oberfläche, die trotz der Zuschläge Blähton und Blähglas  und einem Größtkorn von 10 Millimetern nur äußerst geringe Porigkeit aufweist. Die spezielle Rezeptur und Mischung LC 12/13 hat das Labor der Betotech GmbH Eppelheim unter Federführung von Wolfgang Eißner, übernommen von Marek Zwolinski, und Mitwirkung von Manfred Baumgärtner entwickelt. Die 45 Zentimeter dicken und bewehrten Leichtbetonwände der beiden massiven Wandscheiben haben eine ausreichend niedrige Wärmeleitfähigkeit, so dass bei diesem Bauvorhaben die aktuelle EnEV ohne zusätzliche Dämmung erfüllt werden konnte. Bauunternehmer Schweigert kennt im Südwesten kein zweites Bauwerk aus Leichtbeton, das bislang mit einem so niedrigen Lambda-Wert ausgeführt worden ist. „Für mich und unsere Kunden ist diese massive Bauweise eine echte Alternative zum Wärmedämmverbundsystem“, betont er. Eine Zustimmung im Einzelfall war für den als Stahlbeton ausgeführten Bau trotz hoher Anforderungen an Erdbebensicherheit in Baden-Württemberg nicht erforderlich. Wenige vertikale und liegende Fenster sind eingerückt eingepasst und verdeutlichen den einschaligen Charakter der massiven Bauweise.

Die Fronten des Wohnhauses sind mit einer dreifach verglasten Pfosten-Riegel-Konstruktion geschlossen, deren größte Scheibe mit sechs Metern Breite und drei Metern Höhe die Handwerker beim Einbau herausgefordert hat. Seitliche Flügel der aluminiumeloxierten Fenster lassen sich geschoßhoch öffnen, sie sind mit einer zusätzlichen Verglasung gegen Absturz gesichert. Von der vorgelagerten Dachterrasse aus bietet sich ein herrlicher Blick über das weite Tal.

Objektsteckbrief

Projekt: Einfamilienhaus, Wiesloch
Bauherr: privat
Projektentwicklung, Bauleitung und Schlüsselfertigbau: bauwerk bauunternehmung gmbh, Reilingen
Architekten: Thomas Fabrinsky, Karlsruhe
Statik: Bruder & Van den Bergh, Hockenheim
Beton: 88 m³ Leichtbeton LC 12/13 XC4, XF1, WF, F4; Größtkorn 10 mm, Rohdichteklasse D 1,0 mit Zuschlägen aus Blähton und Blähglas
Betonlieferant: Heidelberger Beton Kurpfalz GmbH & Co. KG
Betonentwicklung: Betotech GmbH Baustofftechnisches Labor Eppelheim
Energiestandard: EnEV

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