02.09.2014

Stehender Vorhang und großformatige Objekte aus Beton von Anne Lina Billinger

Welche Spuren hinterlässt Papier oder Stoff als Abdruck auf einer fertigen Betonfläche, wie dünn kann man Beton verarbeiten, um möglichst feine aber dennoch stabile Betonplatten herzustellen und welche Beschaffenheit muss Beton haben, um als Oberfläche für einen Vorhang zu dienen?

Die junge Frankfurter Künstlerin Anne Lina Billinger arbeitet in ihrer Werkstatt im Stadtteil Nordend mit dem vielfältigen Material nach eigenen Rezepturen und experimentiert in viele Richtungen mit dem modernen Baustoff. Während ihres Studiums an der Städelschule arbeitet sie an Collagen und experimentiert mit Polyesterharz, bis sie Beton als Werkstoff für sich entdeckt.

Anne Lina Billinger hat sich dem Beton seit Jahren verschrieben, bevorzugt das Material allerdings im Hinblick auf mögliche Texturen in Kombination mit anderen Produkten wie Glas, Stoff, Pappe oder Epoxydharzen. Bei der Verarbeitung von Beton gibt es für sie kein „Falsch“ oder „Richtig“, vielmehr gibt sie als Künstlerin viel Kontrolle ab und ist mehr an der spielerischen Entwicklung und Entstehung interessiert, als an der exakten Planung und Umsetzung.

Im Februar/ März 2014 stellte die Künstlerin unter dem Titel „Salon Beton“ im 1822 – Forum Sparkasse Frankfurt drei interessante großformatige Objekte als raumbezogene Installation aus - einen Vorhang aus Beton - Faltenwurf III - und zwei verwitterte Sprossenfenster mit Betonfüllung.

In der beeindruckenden Größe von 2,56 Meter x 1,17 Meter Breite und 1,34 Meter Tiefe steht der Betonvorhang frei im Raum, der untere Teil des „Stoffes“ über einen eigens für diese Installation geschweißten Tisch aus Stahlprofilen gelegt. Entgegen seiner Erscheinung eines wallenden Faltenwurfs ist der Vorhang nirgends befestigt oder aufgehängt. Bei der Herstellung wurde der Stoff zunächst in das Epoxydharz getaucht und in Form gebracht. Danach wurde die ausgehärtete Oberfläche mit Beton bedeckt. Schöne Effekte entstehen durch das Licht, das durch den Vorhang fällt, an den Stellen, wo der Beton nicht aufgetragen wurde.

Die zwei großformatigen Fenster bestehen aus Holz und Beton, dabei handelt es sich um alte Sprossenfenster, denen die Künstlerin die Glasscheiben entnahm, um diese mit Beton zu füllen. „Die alten Sprossen sind in diesem Fall eine glückliche Fügung“, erklärt Anne Lina Billinger, „die Holzrahmen stellen bereits die Schalung dar, die aber nachher nicht entnommen wird, sondern die einzelnen, eingegossenen Betonplatten zusammenhält. Holz und Beton tauschen in diesem Moment die Rollen. Das schon morsche, modrige Sprossenholz stabilisiert und verbindet den harten und stabilen Beton, der hier zur zarten Füllung wird“.


Vertreten wird Anne Lina Billinger von der Kölner Galerie Schmidt & Handrup, wo unter Anderem ein Teil ihrer Produktionen gelagert ist. „Gefühlt habe ich mit der Arbeit mit Beton erst begonnen“ sagt sie. Auf ihre Arbeiten darf man nicht nur im Hinblick auf den Beton sehr gespannt sein darf.

www.annelinabillinger.de

www.schmidthandrup.com
Bildnachweis: Anne Lina Billinger

Text: Antje M. Abel

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