06.07.2017

Patent für Mauerscheiben

Platziert per Fingerzeig

Große Mauerscheiben von Lithonplus lassen sich durch ein neues patentiertes Herstellungsverfahren rundum schalungsglatt herstellen und deutlich leichter transportieren, abheben und aufstellen. Die L-Tec-Systemwinkel aus Sichtbeton gelten als echtes Novum in der Branche.

Die L-förmigen Mauerscheiben sind rundum in Sichtbetonqualität gegossen. Sie werden mit stets gleichbleibenden, umlaufenden Fasen mit gleichem Fugenabstand von oben nach unten aufgestellt.

Wer über 100 Jahre in der Betonproduktion erfolgreich sein möchte, muss sein Know-how immer wieder durch innovative Produkte mit Zusatznutzen für Planer, Verarbeiter und Kunden unter Beweis stellen. Mit der neuen Mauerscheibe von Lithonplus ist dies gelungen. Federleicht wie an einem Faden schwebt das große, helle Betonelement durch die Luft. Ohne Anstrengung wird das Teilstück von der Palette gehievt und mit einem Fingerzeig an seinem vorgesehenen Standort, etwa als Teil einer Grundstücksbegrenzung, platziert. Was so simpel aussieht, ist eine echte Revolution in Bezug auf Fertigung und Aufstellung großer Mauerscheiben und das Ergebnis einer langen Entwicklungsarbeit der Lithonplus Steinmanufaktur.

„Fünf Jahre hat es gedauert, um die innovative Anlage für die optimierte Fertigung von hochwertigen Betonelementen zu entwickeln“, weiß Gregory Trautmann, neben Roman Lentz und Wilfried Polle einer der drei Geschäftsführer der Lithonplus Steinmanufaktur. Am Anfang stand die Idee einer automatisierten Herstellung von Mauerscheiben. Sie wurde geboren aus der Überlegung, dass es eine sinnvollere Lösung und damit Alternative für die händische Fertigung der großen Betonteile geben müsse. Anspruch war auch, dass die universell einsetzbaren Winkelstützelemente bis auf ihre Standseite rundum Sichtbetonqualität zeigen und keinerlei Konizität mehr aufweisen sollten.

Im Zuge der Entwicklung der Produktionsanlage war das Know-how, aber auch die visionäre Vorstellungskraft verschiedener Akteure gefragt. Vor allem integrierten die Entwickler die Wünsche und Anliegen von Planern und Verarbeitern in Bezug auf Einsatzmöglichkeiten, Gestaltung und optimierte Baustellenabwicklung. In Zusammenarbeit mit dem Betonlabor passten die Betonfachleute im Werk die hochwertige Rezeptur den Erfordernissen unterschiedlicher Einsatzorte ebenso wie den Produktionsabläufen an. Daher bietet der selbstverdichtende Beton hohen Widerstand gegen Frost und Frosttausalz und ist auch im unmittelbaren Straßenbereich, wo im Winter gestreut wird, einsetzbar.

Zunächst wurde unter strengster Geheimhaltung mit verschiedenen Maschinenbauunternehmen so lange an einer vollautomatischen Umlaufanlage mit Wärmekammer getüftelt, bis ein Prototyp es ermöglichte, in einer Station reibungslos mehrere Teile gleichzeitig zu fertigen. Nach Inbetriebnahme können nun im Zweischichtbetrieb, später auch im Mehrschichtbetrieb, in zwölf nebeneinanderliegende Schalungen die Bewehrungen eingelegt werden, um sie dann mit fließfähigem, selbstverdichtendem Beton auszugießen. In einer angegliederten Wärmekammer wird der Abbindeprozess beschleunigt. So können die L-förmigen Betonfertigteile bereits nach wenigen Stunden aus der Form ausgeschalt werden.

Größte Herausforderung für die Maschinenbauer war, ein inzwischen patentiertes Produktionsverfahren zu konstruieren, das ein Ausschalen ohne jegliche Konizität ermöglicht und keinerlei Abdrücke oder Spuren an den Sichtbetonoberflächen hinterlässt. Im Verlauf des gesamten Innovationsprozesses wurden so Überlegungen zur gestalterischen Verbesserung der einzelnen Betonelemente sowie zur Optimierung des Handlings auf der Baustelle konkretisiert. Als Clou stellte sich eine simple, aber durchschlagende Idee heraus. Schwankten bislang die schweren Teile kopf- oder fußlastig heran, so bringen nun die Ermittlung eines Schwerpunkts und die Verankerung während des Transports und Aufbaus ein deutlich komfortableres Handling, das dem Arbeitsschutz, gleichzeitig auch der Geschwindigkeit und Präzision des Einbaus zugutekommt.

Man muss sich bewusst sein, dass die Durchführung eines Innovationsprojekts von der Vision bis zur konkreten Umsetzung in Unternehmen Manpower bindet. Bei Lithonplus konnte sich einer der drei Geschäftsführer, Wilfried Polle, intensiv auf das Projekt konzentrieren. Zusammen mit Jürgen Rust, der CAD-Zeichnungen für den Prototyp der Fertigungsstraße lieferte und später die Bauleitung übernahm, mussten verschiedenste Schritte durchdacht und mit externen Ingenieuren und Maschinenbauern bis zur Realisierung geführt werden. Die Optimierung des Betons erfolgte im eigenen Haus. Für die Mitarbeiter bringt die Umstellung auf die automatische Produktion spürbare Vorteile. Nicht zuletzt aufgrund der höheren Produktivität können sie alle übernommen und für die neuen Aufgaben im Produktionsprozess geschult werden.

Bautafel

Projekt: Entwicklung bis zur Marktreife: L-Tec Systemwinkel
Produzent: Lithonplus GmbH & Co. KG, Lingenfeld
Produkt: Mauerscheiben aus fließfähigem, selbstverdichtendem Spezialbeton, Sichtbetonklasse SB4, mit höchster Expositionsklasse XF4 für Frost- und Frost-Tausalz-Widerstandsfähigkeit
Maße: Höhen 55, 80, 130, 155 und bis 305 cm, Baulänge 99 cm
Entwicklungszeitraum: 2011 bis 2016

Weiterführende Details

Sichtbetonqualität SB4

Die Mauerscheiben zeigen nach allen sichtbaren Seiten höchste Sichtbetonqualität und entsprechen damit der Sichtbetonklasse 4. L-Tec-Systemwinkel dienen nicht nur als Stützwände, sondern auch als optisches Highlight und werden dadurch für den Planer in erweiterten Anwendungsbereichen, etwa als beidseitig sichtbare Mauerabtrennung, interessant.

L-Tec-Systemwinkel

Die neuen Mauerscheiben, sogenannte L-Tec-Systemwinkel von Lithonplus, definieren den Maßstab für Mauerscheibenqualität und -funktionalität neu. Ihre Eigenschaften sind das Ergebnis einer langen Entwicklungsarbeit, in der zielgerichtet die Anforderungen und Wünsche von Planern und Verarbeitern umgesetzt worden sind. L-Tec-Systemwinkel sind universell einsetzbare Winkelstützelemente, die ein rationelles Versetzen mit einem kraftschonenden Handling vereinen und zudem höchste Anforderungen an Optik und Funktion erfüllen.

Einwandfreie Formgebung

L-Tec-Systemwinkel weisen über ihre gesamte Höhe eine konstante Breite auf. Durch das innovative Fertigungsverfahren ist die früher schalungsbedingte Konizität Geschichte. Nebeneinander stehende Mauerscheiben haben durchgehend den gleichen Fugenabstand. Die umlaufenden Fasen sind reduziert und größengleich. Auf die Ausbildung einer Scheinfuge bei den 99 Zentimeter breiten Elementen wurde bewusst verzichtet.

Rationelles Verarbeiten und kraftschonendes Handling

Der Clou liegt in der Aufhängung der Mauerscheibe, die im Schwerpunkt platziert ist. Hierdurch balanciert sich die Mauerscheibe beim Handling automatisch aus und lässt sich deutlich leichter als gewöhnlich abheben und transportieren. Das Absetzen ins Fundament erfolgt schneller und einfacher, da kraftraubendes Ausrichten und Aussteuern weitestgehend vermieden wird.

Maße

L-Tec-Systemwinkel sind in den Höhen 55, 80, 130, 155 und bis 305 Zentimeter in der Baulänge von 99 Zentimetern erhältlich. In jeder Höhe bietet Lithonplus passende Eckelemente. Zukünftig ist eine Erweiterung der Produktion auf die 49er Baulänge und Passelemente geplant.

Lithonplus Steinmanufaktur

Die Lithonplus Steinmanufaktur ist ein Tochterunternehmen der HeidelbergCement AG und der Schwenk KG. Das Unternehmen bündelt seit dem Jahr 2004 deren traditionsreiche Aktivitäten im Bereich der Betonprodukte und blickt auf eine mehr als 100-jährige Erfahrung zurück. Im Fokus stehen die Entwicklung,  die Fertigung und der Vertrieb qualitätsvoller Betonprodukte. Das Sortiment ist auf die Belange der ganzheitlichen Freiraum- und Verkehrsflächenplanung ausgerichtet. Ein Team von mehr als 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwirtschaftet an bundesweit 18 Standorten einen Jahresumsatz von über 120 Millionen Euro.

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