12.09.2013

Kraftwerk Sohlstufe Lehen, Salzach

Architektur und Wasser

Die Salzburg AG baut ca. 170 m unterhalb der bestehenden Sohlstufe in Lehen ein Stützkraftwerk. Aufgrund der Besonderheit des Standorts mitten in der Stadt wurden die Anrainer bereits in der Planungsphase miteinbezogen und anhand von Newslettern und Infotreffs laufend informiert. Die Kraftwerksanlage an der Salzach soll eine Engpassleistung von 13,7 MW bei einer Fallhöhe von 6,6 m und einer Ausbauwassermenge von 250 m3/s (Jahresarbeitsvermögen von 81 Mio. kWh, entspricht etwa 23.000 Haushalten) bei einer Investitionssumme von 85 Mio. EUR erarbeiten.

Kraftwerk Sohlstufe Lehen an der Salzach

Die Kraftwerksanlage in unmittelbarer Nähe der Salzburger Altstadt steht in einem besonderen Kontext. Die Öffentlichkeit und zukünftig stark frequentierte Verbindung der Stadtteile Itzling und Lehen sowie Ufertreppelwege beidseits des Flusses heben die Anlage über eine bloß zurückhaltende, tarnende Gestaltung hinaus. Aufenthalts- und Treffpunktqualitäten sind latente Ansprüche der Öffentlichkeit. Ein neuer Ort sollte entstehen, eine Platzquerung am Wasser. Neben herkömmlichen Standards wie Fischaufstieg, Dotierung und Renaturierung einer durch einstige Regulierung abgeschnittenen Altau werden neue Freizeitmöglichkeiten und Biotopräume geschaffen: Auf dem Glanspitz-Areal entsteht ein neues Naherholungsgebiet. Das Areal bietet neue Spazier- und Radwege. Eine neue Wegeverbindung über die Kraftwerksbrücke und der anschließende Austeg ermöglichen eine verbesserte Anbindung der Wohngebiete im Umland.

In diesem Bereich ist die Salzach in einem technischen Flussbett kanalisiert und hatte unmittelbar oberhalb der errichteten Anlage eine sogenannte Sohlschwelle zur Flussbettstabilisierung. Diese Sohlstufe hätte mit einem zweistelligen Millionenbetrag saniert werden müssen, sodass sich aufgrund des Flussgefälles eine Wehranlage mit kurzem Stauraum als nachhaltigere Lösung anbot. Damit konnten gleichzeitig neue Hochwasser- und Grundwasserschutzmaßnahmen und Ufersanierungen erfolgen. Dank Sensibilität und Vorausschau des Auftraggebers und Energieversorgers Salzburg AG wie der engagierten Salzburger Stadtplanungspolitik wurde Architektur als integraler Anspruch anstatt einer bloßen infrastrukturellen Anlage gefordert.

Das Kraftwerk Sohlstufe Lehen an der Salzach wird in Zukunft eine Engpassleistung von 13,7 MW bei einer Fallhöhe von 6,6 m und einer Ausbauwassermenge von 250 m3/s erarbeiten. Das heißt, ca. 23.000 Haushalte in den Stadtteilen Lehen, Liefering und Itzling werden mit umweltfreundlichem Strom aus Wasserkraft versorgt. Die Fischaufstiegshilfe gewährleistet die von der EU bis 2015 geforderte ökologische Durchgängigkeit der Salzach für Fische bei der bestehenden Sohlstufe.

Baubeginn für das Kraftwerk war im September 2010, erste Vorbereitungen starteten im Juli. Um mit dem ersten Bauabschnitt beginnen zu können, war die Umleitung der Salzach notwendig. Bis Dezember 2011 wurden drei der vier Wehrfelder auf der rechten Salzachseite errichtet. Weiters wurden im Stauraum Dichtwände eingezogen, der Unterwasserbereich wurde ökologisch aufgewertet. Parallel dazu kontrollieren zahlreiche Messstellen permanent den Grundwasserspiegel.

Foto: Max Rieder

Danach folgten in der zweiten Bauphase der Bau des vierten Wehrfeldes und der Krafthausbau auf der linken Salzachseite. Bei Hochwasser fließt das Wasser durch die vier geöffneten Wehrfelder des neuen Kraftwerks. Bereits beim Öffnen von drei der vier Wehrfelder kann die Hochwassermenge des Jahrhunderthochwassers aus dem Jahr 2002 abgeführt werden. Am 7. März 2013 wurden zwei je 37 Tonnen schwere Generatoren, die Herzstücke des Kraftwerkes Sohlstufe Lehen, ins Krafthaus eingehoben. In den darauffolgenden Wochen wurden die Turbinen montiert. Weiters wurde das Hochwasserschutzkonzept im Stadtgebiet verbessert.

Die Architektenarge maxRIEDER und Erich Wagner hat sich für ein Prinzip „mit dem Fluss“ entschieden. Die tragenden Gestaltungselemente sind daher in Fließrichtung angeordnet. Die erforderlichen hydraulischen, konstruktiven und maschinentechnischen Elemente wie Wehrpfeiler, Wehrbrücke, Krafthaus, Rechenanlage usw. wurden als eine organische, im Wasser liegende und fließende Struktur verstanden. Beide Grundtendenzen der Energieumsetzung – Potenzial („ruhendes Oberwasser“) und Kinetik („fließendes Unterwasser“) - wurden in einer Balance der Kräfte versinnbildlicht.

Gekürzter Text mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "zement+beton".
Originaltext: Max Rieder, Cathérine Stuzka
Überarbeitung: Sandra Eberz
Bildrechte, sofern nicht anders angegeben: Salzburg AG

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