29.11.2019

Klimawandel und Bauindustrie

13. Holcim Bau-Forum in Bremerhaven

Das 13. Holcim Bau-Forum hat mit prominenten Rednern und der Überschrift „Klimafreundliches Bauen – Bauindustrie im Wandel?“ rund 250 Teilnehmern Antworten und Erklärungen zu dieser Fragestellung gegeben. Passend zum Thema fand das Holcim Bau-Forum am 4. November 2019 in Bremerhaven statt - als Hafenstadt unmittelbar von den Folgen des Klimawandels bedroht und mit dem Klimahaus Heimat einer der populärsten Adressen zum Thema. Thorsten Hahn, Vorsitzender der Geschäftsführung der Holcim (Deutschland) GmbH, hieß die Gäste und Referenten willkommen - allen voran Professor Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der als Keynote-Speaker mit dem „Faktencheck Klimawandel“ das Programm eröffnete.

Von gesellschaftlichen Erwartungen zu konkreten Lösungen

Schon Moderator Peter von Sassen machte in seinen Gedanken zu Beginn der Veranstaltung deutlich, dass die gesellschaftlichen Anforderungen an die Baubranche gestiegen sind. Er lobte den Gastgeber Holcim für die Themensetzung des Bau-Forums und die Positionierung als Vorreiter bei dem Thema. Aber nicht ohne daran klare Erwartungen zu knüpfen: “Wenn Sie klimafreundliches Bauen versprechen, dann müssen Sie auch liefern!”. Holcim CEO Thorsten Hahn erklärte, dass das Unternehmen sich dieser Verantwortung sehr
bewusst sei: “Eine lebenswerte Umwelt ist ebenso wie gute Gebäude und Infrastruktur ein Grundbedürfnis der Menschen. Deshalb ist es unser Bemühen, unsere Produkte so nachhaltig wie möglich herzustellen und unseren CO2-Fußabdruck wesentlich zu verringern.” Hahn verwies auf konkrete Schritte, beginnend mit der Reduzierung von Betonmengen bei Fertigteilen über den Einsatz klinkerreduzierter Zemente bei den Hauptbetonsorten bis zur Abscheidung von CO2 im Zementproduktionsprozess zur anschließenden Nutzung als Rohstoff. Der Erfolg der Maßnahmen hänge nicht zuletzt von der Bereitschaft der Kunden ab, die Produkte und Lösungen auch nachzufragen. Daher sollen vor allem Planer, Architekten, Bauherren und Investoren von nachhaltigen Baustofflösungen und Innovationen begeistert werden.

Faktencheck in “post-faktischen Zeiten”

Wie wichtig der Kampf gegen den Klimawandel ist, unterstrich Professor Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. In seinem “Faktencheck Klimawandel” widerlegte er die verbreitete These vom Expertenstreit um den Klimawandel. Kein seriöser Wissenschaftler stelle diesen in Frage, die heutige Medienöffentlichkeit stürze sich aber auf abweichende Parolen und Populisten machten sich diese in “post-faktischen Zeiten” zunutze. Auch hier wurde wieder die politische Dimension des Tagesthemas deutlich, zumal Latif die “schweigende Mehrheit” dazu aufrief, sich gegen diese laute Minderheit immer wieder zu Wort zu melden.

Professor Latif nahm das Publikum mit auf eine Reise durch die Wissenschaftsgeschichte, die bereits im 19. Jahrhundert mit der Berechnung der Folgen steigender CO2-Konzentration in der Atmosphäre begann. Heute sieht auch Latif die Industrie in der Pflicht und betonte, dass nur ein globales Vorgehen Aussicht auf Erfolg bei der Bekämpfung der Erderwärmung verspricht. Die Zukunft sieht Latif dabei nicht im Speichern des CO2, vielmehr müsse man es “als Rohstoff begreifen”. Latif weiter: „Es wäre sicher anders, wenn sich der Himmel braun und hässlich einfärben würde – dann würde jeder sofort handeln!“

Weitere interessante Vorträge hielten Markus Brunner, Projektleiter Technik beim InformationsZentrum Beton zum Thema “Beton - Herausforderungen der Zukunft”, und Christian Grolig, Geschäftsführer Rohstoffe und Umwelt beim Verband der Roh- und Baustoffindustrie e.V., der mit dem prämierten Film “Ein Kilo Steine pro Stunde“ über die Ressourcenverfügbarkeit mineralischer Rohstoffe referierte. Professor Holger Schüttrumpf vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der RWTH Aachen hielt ein überzeugendes Referat zum Thema “Küstenschutz im Wandel: Alternative Baustoffe für wachsende Herausforderungen”. Dabei betonte er auch die Notwendigkeit der Digitalisierung im Küstenschutz, um drohende Schäden in Bauwerken frühzeitig zu erkennen.

Paradigmenwechsel Carbonbeton?

Einen Einblick in die (nahe) Zukunft des Betonbaus gewährte Dr. Frank Schladitz vom Institut für Massivbau an der TU Dresden. Schladitz ist Forschungsgruppenleiter des Projekts CÑ – Carbon Concrete Composite, des derzeit weltgrößten Forschungsprojekts im Bauwesen. Das Ziel des Projekts lautet, Carbonbeton marktreif zu machen. Denn der Baustoff hat gegenüber Stahlbeton viele Vorteile. So ermöglicht er durch deutlich besseres Tragverhalten, geringes Eigengewicht und hohe Dauerhaftigkeit schlanke Betonbauteile. Und schlanke Bauteile bedeuten deutlich geringeren Baustoffbedarf und damit eine effektive Schonung natürlicher Ressourcen sowie geringe Emissionen bei der Herstellung. Zudem ist Carbonbeton gut recycelbar. Das Fachpublikum staunte angesichts der Möglichkeiten im Brückenbau oder spektakulärer “Origami-Dächer”. Die großen Forschungsfortschritte und damit verbundene sinkende Kosten machen Carbonbeton schon heute zu einer attraktiven Alternative zum Stahlbeton.

„Etwas, das nicht übertragbar ist, ist per se nicht nachhaltig.“

Den schwungvollen Schlussbeitrag eines intensiven Nachmittags steuerte mit Edward Schwarz der Geschäftsführer der weltweit agierenden LafargeHolcim Foundation for Sustainable Construction bei. Die Stiftung wurde 2003 gegründet, um das Bewusstsein für die wichtige Rolle zu schärfen, die Architektur, Ingenieurwesen, Stadtplanung und Bauwesen für die Gestaltung einer nachhaltigeren Zukunft spielen. Schwarz forderte Studenten, Planer und Verantwortliche auf, sich mit ihren nachhaltigen Projekten beim aktuell ausgeschriebenen Wettbewerb LafargeHolcimAwards zu beteiligen und nachahmbare Beispiele zu geben: „Etwas, das nicht übertragbar ist, ist per se nicht nachhaltig“, so Edward Schwarz. Mit Videoeinspielern von Architekturikonen wie Lord Norman Foster unterstrich Schwarz die Herausforderungen des nachhaltigen Bauens gemäß dessen Motto “weniger für mehr”. Einreichungen für die LafargeHolcimAwards sind noch bis zum 25. Februar 2020 möglich. Den Tag ließen die Teilnehmer im Restaurant des angrenzenden Klimahauses ausklingen. Hier waren sich alle einig: Das Thema Klimawandel wird das Bauwesen verändern und nicht mehr loslassen.

Mobiles Betonwerk Blickfang für das Fachpublikum

Neben den Vorträgen bot das Holcim Bau-Forum auch wieder Raum für Dialog. Vor dem Veranstaltungsort, dem Atlantic Hotel Sail City am Weserdeich, empfing die Besucher das auf einen zwölf Meter langen LKW-Auflieger gebaute mobile Betonwerk von Holcim (www.mobiler-beton.de). Das auf die Produktion von nachhaltigem Wärmedämm- bzw. Leichtbeton spezialisierte Fahrzeug sorgte für großes Interesse beim versammelten Fachpublikum. Auch in der begleitenden Ausstellung gab es interessante Informationen, etwa zu den Holcim Lösungen für Wasserbau und Küstenschutz. Blickfang war hier ein Basalton Quattroblock in Originalgröße und -gewicht.

Das 14. Holcim Bau-Forum findet am Montag, 2. November 2020, statt. Veranstaltungsort und Thema werden im Frühsommer 2020 bekannt gegeben. Weitere Informationen: http://perspektiven.holcim.de/bau-forum/

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