18.05.2017

Glasfaserbeton für Kreisel

Heidelberger Beton für Kreisverkehr in Gärtringen

Ein Kreisverkehr ist in punkto Verkehrsfluss, Sicherheit und Nachhaltigkeit im besten Wortsinn eine runde Sache – vorausgesetzt, die Fahrbahn ist solide und stabil gebaut. Das geht am besten mit Beton. Bereits im Jahr 2010 nahm Werneck in Unterfranken als erste Gemeinde in Bayern eine Kreisverkehrsanlage aus Beton in Betrieb. Inzwischen gibt es bundesweit mehr als 60 Betonkreisel, allein 14 im Landkreis Böblingen. Dort legen die Verantwortlichen besonderen Wert auf nachhaltiges Bauen. Jüngstes Projekt ist der Bau eines Kreisverkehrs an der Kreisstraße K1067 in Gärtringen.

„Wir haben uns aus Nachhaltigkeitsgründen für Beton als Baustoff entschieden“, erklärt Andreas Klein vom Straßenbauamt des Landratsamts Böblingen. „Zwar sind die Baukosten bei der Betonbauweise im Schnitt um fünf bis 15 Prozent höher als bei Asphalt. Allerdings ist dafür die Nutzungsdauer mit 40 bis 50 Jahren viel länger und der Unterhaltungsaufwand deutlich geringer“, betont Klein. Das sei ein schlagendes Argument. „Beton verformt sich selbst bei hohen Lasten und Temperaturen nicht“, erläutert Klein. Er widersteht den starken Schub-, Radial- und Bremskräften, die entstehen, wenn Fahrzeuge in den Kreisel ein- und ausfahren.

Der Bau des Kreisels in Gärtringen war komplex und umfasste den Kreisring sowie die Zu- und Ausfahrten.
In Böblingen gelang mit Glasfaserbeton eine geschlossene Betonoberfläche ohne Lunker und Poren für einen griffigen Besenstrich.

Der Bau des Kreisels war komplex und umfasste den Kreisring sowie die Zu- und Ausfahrten. Planung und Ausführung stellten an das Team und die Baustoffe besondere Anforderungen – zumal mit Glasfaserbeton ein spezieller Baustoff zum Einsatz kam.

Nach Abschluss der Erdarbeiten erfolgte im Juli 2016 der Einbau einer rund acht Zentimeter dicken Asphalttragschicht, die auch als Unterlage für die Betonarbeiten diente. Auf dieser verlegten die Arbeiter auf Stützkörben die Dübel und Anker und stellten im Handeinbau mit der Rüttelbohle die 28 Zentimeter dicke Betondecke her. Dabei waren Geometrie und Abmessungen der Kreissegmente, Fugenart und -anzahl, Bewehrung und Baustoffe optimal aufeinander abzustimmen. Zu- und Ausfahrten sowie Kreisfahrbahnen wurden unterschiedlich bewehrt: die Platten mit ungünstiger Geometrie mit einer Kombi-Bewehrung aus Stahl und Glasfasern. Beim Kreisring entschieden sich die Verantwortlichen ausschließlich für Glasfaserbeton als Baustoff, hergestellt und geliefert von der Heidelberger Beton GmbH & Co. Stuttgart KG. „Mit diesem Spezialbeton können Risse im jungen Beton weitgehend vermieden werden“, erklärte Siegfried Riffel, Projektmanager Infrastruktur von HeidelbergCement. Allerdings sei bei großen Platten nach wie vor die eher aufwändig zu verbauende Stahlbewehrung einzulegen.

Glasfasern haben eine vergleichbare Zugfestigkeit wie Stahl und können somit Spannungen, bedingt durch Temperatur, Schwinden und Zwang sicher aufnehmen. Sie haben gegenüber Baustahlmatten Vorteile: Beispielsweise sind die Fasern über den gesamten Bauteilquerschnitt in der statisch erforderlichen Menge verteilt und können somit die auftretenden Spannungen schon zu einem frühen Zeitpunkt aufnehmen und so die Reißneigung des Betons enorm reduzieren. „Aufgrund der relativ hohen Glasfasermenge von 12 kg/m3 im Beton, musste für die händische Verarbeitung die Rezeptur angepasst und der Sandanteil auf 38 Prozent erhöht werden“, räumte Riffel ein. Nur so ließ sich eine geschlossene Betonoberfläche ohne Lunker und Poren für einen griffigen Besenstrich erreichen. Gleichwohl sieht die TL Beton-StB, nach der die Baumaßnahme ausgeschrieben war, nur einen Sandanteil von maximal 30 Prozent vor. Insofern war der Bau ein Novum und der Auftraggeber musste dafür seine Einwilligung geben. „Er ließ sich letztlich durch die positiven Erfahrungen von HeidelbergCement mit Glasfaserbeton sowie durch den Einbau in einem Probefeld überzeugen“, sagte Riffel.

Das Straßenbauamt Böblingen ist mit dem Ergebnis rundum zufrieden. „Natürlich haben wir noch keine Langzeiterfahrungen, aber Glasfaserbeton könnte der Baustoff der Zukunft sein“, meint Klein. In der Tat gewinnt mit solch intelligenten Baustoffen das Bauen von Kreisverkehren mit Beton an Attraktivität. Weitere Projekte, etwa bei Herrenberg-Gültstein und Schönaich im Landkreis Böblingen sowie in Ulm, Schwäbisch Hall, Marktoberdorf, Leutkirch und Biberach sind bereits in Planung.

Objektsteckbrief

Bauprojekt: Kreisverkehrsplatz K1067, Gärtringen
Abmessungen: Außen- und Innendurchmesser 38 und 23 m, Fahrbahnbreite Kreisring 7,50 m
Bauherr: Gemeinde Gärtringen / LBBW KE Immobilien GmbH
Planung: Ingenieurbüro Graf, Gärtringen
Baufirma: Berger Bau GmbH, Passau (Betoneinbau) / Otto Morof Tief- und Straßenbau GmbH, Althengstett
Beton: 441 Kubikmeter Glasfaserbeton, Heidelberger Beton GmbH & Co. Stuttgart KG
Erstprüfung/Betonüberwachung: Krieger Beton-Technologiezentrum GmbH, Remseck

Zement: HeidelbergCement AG, Werk Schelklingen: CEM I 42,5 N-SR3
Glasfasern: Owens Corning, Chambery Cedex (France), Anti-Crak HP 67/36

Quelle: HeidelbergCement in Deutschland, Fotos: Steffen Fuchs

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