18.08.2016

Gespitzte Sichtbetonmauer

Natürlich Beton

Dekorativer Sichtbeton kann sehr glatt, elegant grau oder durchgefärbt sein. Mittels Matrizen können die Wandflächen unzählige ornamentale Strukturen zeigen. Bei einem Neubauprojekt in Holnstein wurden Mauerabschnitte aus einem grob bearbeiteten Sichtbeton gefertigt, der durch geschicktes Spitzen eine natürliche Anmutung hat. 

Eine am Hang gelegene Tageseinrichtung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben (TENE), die auf einen Entwurf der Münchner Architekten Haindl + Kollegen GmbH zurückgeht, wird durch gestaltete Sichtbetonmauern flankiert. Die neue Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Holnstein in der Oberpfalz wird von einer der acht Regens- Wagner- Stiftungen betrieben. Um die statisch notwendigen Mauern im Bereich der  ehemaligen Schlossanlage des Ortes möglichst natürlich erscheinen zu lassen, ließen die Landschaftsarchitekten Welsch + Egger aus Freising die Stützmauern mit einem besonderen Beton ausführen. Mit einer groben Körnung und durch entsprechende Bearbeitung der Betonoberflächen konnte eine sehr natürliche Anmutung erzielt werden, die die Mauern als modernes Pendant zu den historischen Schlossmauern in Erscheinung treten lässt.  

In dem landschaftlich und baukulturell geprägten Umfeld dieses kleinen Ortes ist es naheliegend, dass sich auch Neu- und Erweiterungsbauten behutsam einfügen müssen. Die Tagesstätte ist in unmittelbarer Nähe zum historischen Haupthaus entstanden, um eine barrierefreie und leicht zu bewältigende fußläufige Anbindung zu gewährleisten. Von den Landschaftsarchitekten wurden auch die Außenanlagen, also die Mauern rund um die neue Tageseinrichtung nicht nur funktional, sondern auch optisch entsprechend gestaltet. 

Die planerische Herausforderung bestand darin, die Regeln der Barrierefreiheit im abschüssigen Außenbereich umzusetzen. Das gestalterische Ziel der Landschaftsarchitekten war, den künstlich hergestellten Stützmauern durch die gezielte Zugabe von natürlichen Zuschlägen sowie einer geeigneten Nachbearbeitung einen natürlicheren Charakter mit regionalem Bezug zu geben.  Auf Erdgeschossniveau plante das Büro großzügige Aufenthaltsflächen vor dem Speisesaal ein. Dem Untergeschoss, das aufgrund der Hanglage auch direkten Zugang zum Garten hat, lagerten sie eine Außenfläche mit Terrassen vor. Östlich des Gebäudes ordneten die Planer abgewinkelte Mauern so zueinander verschoben an,  dass auch hier ein barrierefreier Gartenbereich geschaffen wurde. Auf diese Weise geht das  Gelände gleichzeitig ineinander über und lässt spannende Landschaftsbeziehungen entstehen.

Bauherrenvertreter Dipl. Sozialpädagoge Richard Theil, Gesamtleiter von Regens Wagner Holnstein, hatte sich gewünscht, dass die sichtbaren Teile der Abstützungen in ihrem Charakter zu den vorhandenen historischen Mauern passen. Naturstein kam aus statischen Gründen nicht in Frage; den entsprechenden Regionalbezug schaffte ein Beton, der mit großen Natursteinzuschlag, einem gebrochenen, gelblichen Kalkstein und einer speziellen Oberflächenbearbeitung ausgeführt wurde. Die Oberfläche wurde grob gespitzt, wodurch die optische Anlehnung an die ortstypischen Felsen der Hanglagen des Altmühl- und Labertals sowie an die in unmittelbarer Nähe befindlichen Reste der ehemaligen Schlossmauer geschaffen wurde. Um das längliche Gebäude und die rund 1.550 Quadratmeter große Außenanlage auf dem Baugrund unterzubringen, musste jedoch zunächst das Gelände baulich abgefangen werden. Zur Sicherung der Baugrube war daher eine Bohrpfahlwand erforderlich, die das Erdreich auf zwei Geschosshöhen abstützte. Eine oberflächenbearbeitete Vorsatzmauer dient nun zu ihrer Verblendung.

Den Normalbeton für die Fundamente sowie den Spezialbeton für die gespitzten Mauern lieferte die TBG Transportbeton Werner, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH. Rund 400 Quadratmeter Sichtfläche wurden durch grobes Abspitzen nachbearbeitet. So ließen sich die unterschiedlichen funktionalen und räumlichen Anforderungen bei gleichbleibender Optik erfüllen. Der Sichtbeton enthält Kalksteinschotterzuschläge in großer Körnung bis 56 Millimeter von regionalen Lieferanten. Die Bewehrungsüberdeckung lag bei mindestens 80 Millimetern, um nach der Oberflächenbearbeitung eine ausreichende Restüberdeckung gewährleisten zu können. Eine besondere Herausforderung bestand darin, Mischwerke zu finden, die Zuschläge in dieser Größe beigeben konnten. Auch die Verfüllung und Verdichtung des grobkörnigen Betons war mit großer Sorgfalt auszuführen. Das Know-how für das Abspitzen hatte sich das Bauunternehmen Englmann aus Berching durch die Erstellung von Musterstücken erst wieder angeeignet und verfeinert. Die gewählte Ausführungsmethode ermöglichte sowohl die Verblendung der Bohrpfahlwand als auch die Verwendung für eigenständige Stütz- oder freistehende Mauern zur Absturzsicherung. Mit einem horizontalen Schlitz in einem Mauerabschnitt an der Terrasse und diversen Mauerversprüngen schafften es die Landschaftsplaner, auch Rollstuhlfahrern – je nach Aufenthaltsort – einen Blick auf die umgebende Landschaft zu gewähren. 

Quelle Text: HeidelbergCement in Deutschland
Quelle Bilder: HeidelbergCement AG/Steffen Fuchs

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