19.06.2017

Betonwerkstein-Tagung 2017

Dyckerhoff Weiss lädt zur Tagung mit „Live-Sprengung“

Abgerundet wurde der Tag im Steinbruch der Röhrig Granit GmbH.

Die traditionelle Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung fand in diesem Jahr nicht wie üblich in Wiesbaden, sondern im rund 70 km entfernten Bensheim an der Bergstraße statt. Damit war man bereits ganz in der Nähe des Steinbruchs der Fa. Röhrig Granit im benachbarten Heppenheim, bei dessen Besuch die Tagungsteilnehmer nicht nur alles über den dortigen Granitabbau erfuhren, sondern auch live eine Sprengung erleben konnten.

Gastgeber und Referenten der Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung 2017 in Bensheim (von rechts): Martin Möllmann, Dr. Dennys Dressel, Dr. Andreas Roye, Dr. Stephan Hauser, Dr. Dirk Lowke, Andrea Kreuzburg, Sven Marasek, Marco Röhrig und Christian Bechtoldt.

Trotz verändertem Tagungsort – unverändert war die Zielsetzung der traditionellen Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung. Wie schon in der Vergangenheit wollte man auch diesmal wieder einmal darüber nachdenken „Wie bleiben wir in der Betonwerksteinbranche Up-to-Date?“ und „Was können wir künftig noch besser machen?“ Ganz nach dem Motto „Zukunft hat man nicht – Zukunft schafft man sich“!

Innovative Produkte dank modernster Betontechnologie

So zogen sich auch Begriffe wie „Innovation“ und „Zukunft“  wie ein roter Faden durch die insgesamt sechs spannenden „Impulsvorträge“, die Martin Möllmann, Direktor der Dyckerhoff GmbH und verantwortlich für Produktmarketing und Weisszement Vertrieb, bei seiner Begrüßung den über 130 Gästen im Tobbaccon Hotel in Bensheim ankündigen konnte. Gleich zu Beginn der Tagung beschäftigte sich Dr.-Ing. Dennys Dressel, Leiter der  Dyckerhoff Anwendungstechnik, mit „Betonwerkstein und Sichtbeton mit modernen Zusatzmitteln“. Er blickt dabei insbesondere auf die „Probleme und Lösungen in der Anwendung“ und zeigte an verschiedenen Anwendungsbeispielen, wie sich die drei wichtigen Einflussgrößen auf die Produktqualität, nämlich Verarbeitbarkeit, Erhärtungsverlauf und Nachbereitung, mit modernen Zusatzmitteln ganz gezielt steuern lassen. So lässt sich beispielsweise die Qualität der Oberflächen nachhaltig verbessern oder der Arbeitsprozess spürbar beschleunigen.

Um modernste Betontechnologie ging es auch bei den Ausführungen von Dr.-Ing. Stephan Hauser, Inhaber der Ducon Europe GmbH & Co. KG in Mörfelden. Er stellte nicht nur den „Mikrobewehrten Hochleistungsbeton“ mit all seinen technischen Eigenschaften vor, sondern präsentierte gleichzeitig auch zahlreiche „Anwendungsbeispiele für Betonwerkstein“. So ist die Ducon-Technologie, also ein hochfester Beton mit einer Mikroarmierung, dank ihrer extrem hohen Energieabsorption für alle Anwendungen prädestiniert, bei denen es um einen sicherheitsrelevanten baulichen Schutz geht. Dazu zählen beispielsweise Schutzmauern, die vor Explosionen schützen, aber auch Stützenverstärkungen in Bestand und Neubau oder der Erdbebenschutz. Dass man daraus auch attraktiven Architekturbeton herstellen kann, konnte Dr. Hauser nicht nur mit einem prämierten Weinberghaus oder innovativen Faltwerktreppen zeigen. Seit kurzem wird auch der Liberty Park am New Yorker World Trade Center von weißem Architekturbeton in Form attraktiver Pflanzkübel und Sitzbänke aus 6 cm dünnen Ducon-Weißbetonelementen geprägt. Dazu schmücken passgenaue, dünne Ducon-Wandplatten die Aufgänge zum Park.

Moderne Betone und Licht

Fortgesetzt wurde der Blick in die Zukunft durch Dipl.-Ing. Andrea Kreuzburg vom Wilhelm Dyckerhoff Institut (WDI) in Wiesbaden mit ihrem Vortrag über „Photokatalytisch aktive Betonoberflächen“ und den daraus abgeleiteten „Erkenntnissen aus Forschung und Entwicklung“. Sie konnte dabei zeigen, dass durch den photokatalytischen Effekt – hervorgerufen durch den zielgerichteten Einsatz von Titandioxid – an Baustoffoberflächen Schadgase reduziert, organische Oberflächenverschmutzungen abgebaut und ggf. auch organischer Bewuchs verhindert werden kann. Bei  Betonen mit Photokatalysator in der Betonmischung ist die Wirksamkeit abhängig von einer homogenen Verteilung des Photokatalysators. Eine Trockendispergierung des Photokatalysators mit Zement in Hochleistungsmischern zeigt dabei deutlich bessere Effizienz beim Schadstoffabbau. Eine hohe Dichtigkeit des Betons und eine geeignete Nachbehandlung verhindern Stofftransporte und Ausblühungen auf der Betonoberfläche, die sich nachteilig auf die Photokatalyse auswirken können. Werden ausschließlich die Oberflächen von Betonen photokatalytisch modifiziert, sollten Hochleistungsbetone aufgrund der höheren Dauerhaftigkeit favorisiert werden. Um zuverlässige Aussagen hinsichtlich der Dauerhaftigkeit modifizierter Betonoberflächen zu treffen, sind jedoch noch weitere Untersuchungen notwendig – so Andrea Kreuzburg bei ihrem Fazit.

War schon im Vortrag zu den photokatalytisch aktiven Betonoberflächen viel vom (UV)Licht die Rede, so wurde dies vom nächsten Referenten nochmals getoppt. Dr.-Ing. Andreas Roye, Geschäftsführer der Lucem GmbH in Stolberg, ging dabei der Frage nach: „Wie kommt das Licht in den Beton“ und präsentierte dabei „Technologie und Praxisbeispiele für Lichtbeton“. Nach einem Blick auf die Historie von Lucem und dem Produkt konnte er feststellen, dass der schon 1935 erstmals in einem kanadischen Patent erwähnte „Lichtbeton“ – heute eine Kombination optischen Fasern und Feinbeton – nach nunmehr 80 Jahren „in der Praxis angekommen ist“. Das zeigte eindrücklich auch sein Blick auf die verschiedenen Produktvarianten und Einsatzmöglichkeiten von transluzentem, lichtleitendem Beton. Sie reichen von Trennwänden und Empfangstheken über Böden und Möbel bis hin zu spektakulären Lichtbeton-Fassaden wie zum Beispiel bei der Al Azis Moschee in Abu Dhabi.

Ein Blick in die Zukunft

Wurden in den ersten vier Vorträgen bereits für die Zukunft wichtige Themen angesprochen, so gilt dies ganz besonders für die Ausführungen von Sven Marasek von der OGS Gesellschaft für Datenverarbeitung und Systemberatung mbH in Koblenz. Schnell wurde klar, dass sich bei der „Industrie 4.0 und dem Einsatz von Apps im Betonwerk“ und der damit verbundenen Vernetzung der Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik um etwas handelt, mit dem sich nicht nur die Welt der Softwarehersteller, sondern auch die der Anwender, also der Unternehmen, dramatisch ändert. Wie diese zunehmende Digitalisierung früherer analoger Techniken und die Integration neuer Technologien aussehen kann, zeigte er ganz konkret an einer App, die nicht nur den aktuellen Lieferstatus anzeigt, sondern auch Materialabrufe just in time auslöst. Zudem hat man mit dieser App Zugriff auf alle wichtigen Informationen überall und jederzeit und kann aktuelle Angebote auf der News-Seite präsentieren. All dies erleichtert die Zusammenarbeit und Kommunikation und bietet Wettbewerbsvorteil durch Kundenbindung – so der Referent.

Ganz „futuristisch“ wurde es dann am Ende des Vortragsteils, als Dr.-Ing. Dirk Lowke von der Technischen Universität München den „Architekturbeton aus dem 3D-Drucker“ präsentierte. Nach der Skizzierung verschiedener Drucktechniken wie der „Extrusion-Deposition Technique“ und „Particle-bed 3D-Printing Technique“  zeigte er anhand von Videos eindrucksvoll wie eine „additive Fertigung von multifunktionalen, monolithischen Wandelementen durch Extrusion von Leichtbeton“ vor sich gehen kann und wie „strukturell und bauphysikalisch optimierte, multifunktionale Außenwandelemente ohne zusätzliche Wärmedämmung“ mittels modernster Drucktechnologien herstellt werden. Dass es dabei auch bestimmte Anforderungen an den zum Druck eingesetzten Beton gibt, versteht sich von selbst. So sollte er unter anderem schnell Struktur aufbauen und erhärten. Nach all den zukunftsweisenden Forschungsprojekten, die der Referent in München begleitet hat, darf man gespannt sein, was Dr. Dirk Lowke als künftiger Professor für Baustoffkunde an der TU Braunschweig in seinem dortigen „Digital Building Fabrication Laboratory“ an weiteren Fortschritten auf diesem Gebiet erzielen wird.

Perfekter Abschluss mit „Live-Sprengung“ im Granitsteinbruch

Perfekt abgerundet wurde der Tag im nahegelegenen Heppenheim. Dipl.-Ing. (FH) Marco Röhrig, der bereits zuvor in Bensheim die Röhrig Granit GmbH vorgestellt hatte, nahm die Teilnehmer mit auf einen informativen und spannenden Rundgang. Röhrig Granit ist ein Familienunternehmen in der 5. Generation und beschäftigt 85 Mitarbeiter aus 11 Nationen. Der Steinbruch in Heppenheim ist einer von drei Steinbrüchen in denen Granodiorit und Gneis abgebaut wird. Dazu kommt ein Mineralstoffwerk in Lampertheim. Die in den Steinbrüchen gewonnenen Materialen werden vorwiegend als Zuschläge in den Bereichen GaLaBau, Transportbeton, Straßenbau und Vorsatz (Sichtbeton) eingesetzt. Die in Lampertheim hergestellten Industriemineralien dienen u.a. als Hochleistungsfüllstoffe für Bauchemie, Farben und Lacke, Putze, Mörtel und Keramik. Ganz besonders im Fokus von Röhrig steht auch eine nachhaltige Unternehmensführung. In einer im Steinbruch eigens für die Veranstaltung aufgebauten Ausstellung präsentierte das Unternehmen sowohl seine umfangreiche Palette an aktuellen und innovativen Gesteinskörnungen für moderne Betonwerksteinoberflächen, als auch seine Premiumsande. All diese Produkte tragen dem Trend nach sehr feinen, dichten und geschlossenen Oberflächen bzw. der schnellen und anwendungssicheren Einstellung feinster Betonrezepturen Rechnung. Spektakulärer Höhepunkt der Tour durch den Steinbruch war aber zweifellos die perfekt vorbereitete und exakt durchgeführte „Live-Sprengung“. Ein wahrlich „donnerndes“ und zugleich beeindruckendes Ende der diesjährigen Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung.

Quelle und Fotos: Dyckerhoff GmbH

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