03.08.2015

Beton mit eingebauter Bewehrung

Stahlfaserbeton für Industrieboden im Consolidation Center

Stahlfaserbewehrte Industrieböden halten hohen Verkehrs- und Punktlasten sowie Nutzungsfrequenzen stand. Im neuen Logistikzentrum von Daimler in Speyer wurden 32.500 Kubikmeter Steelcrete von HeidelbergCement in acht ineinander übergehenden Hallen eingebaut.

Mitte Juli weihte die Daimler AG in Speyer ein neues Consolidation Center ein. Das Logistikzentrum wird die neue Drehscheibe im Südwesten zur Versorgung der Pkw-Werke in China, Südafrika und den USA. Es trägt mit einem Investitionsvolumen von 90 Millionen Euro dazu bei, die Arbeitsabläufe des Unternehmens zu optimieren. „Das neue Consolidation Center in Speyer ist ein wichtiger Baustein unserer Wachstumsstrategie bei Mercedes-Benz Cars. Mit diesem Standort können wir die stetig wachsenden Materialströme und die steigende Komplexität in unserem weltweiten Produktionsnetzwerk zukünftig noch effizienter und flexibler organisieren“, verlautete das Unternehmen in einer Pressemeldung.

Bereits der Bau setzte Maßstäbe. Allein 41.000 Kubikmeter Beton, davon 32.500 Kubikmeter Steelcrete, hat Heidelberger Beton GmbH, Gebiet Rhein-Haardt, für das gigantische Consolidation Center in der Pfalz geliefert. Rund 1.000 Tonnen Stahlfasern wurden eingemischt. Das Betonwerk wickelte das logistisch anspruchsvolle Bauvorhaben durch Schichtbetrieb von ein Uhr nachts bis zum Morgen ab, um eine reibungslose Anfahrt zu sichern. Während der Bauzeit von Juli bis Dezember 2014 wurden täglich rund 650 Kubikmeter Stahlfaserbeton transportiert, das entspricht etwa 80 Fahrten am Tag.

Starker Auftritt

Stahlfaserbeton, ein Beton mit eingebauter Bewehrung, hat sich in der Praxis als effizienter Baustoff für viele Anwendungen etabliert. Je nach Belastung des Betons können Stahlfasern teilweise oder ganz die Funktion der traditionellen Bewehrung übernehmen. Für Industriefußböden ohne bauordnungs- und wasserrechtliche Anforderungen wie beim Consolidation Center in Speyer kann das DBV Merkblatt „Industrieböden aus Stahlfaserbeton“ angewendet werden, das auf Leistungsklassen aufbaut. „Wie Büroklammern sehen die siebeneinhalb Zentimeter langen und ein Millimeter dicken Fasern aus, von denen im Lieferwerk Speyer rund 30 Kilo pro Kubikmeter Beton beigemischt wurden“, meint Prokurist Ralph Störzer. Menge und Art der Fasern hingen von den Belastungen ab, die der Boden auszuhalten hat. Geplant, koordiniert und überwacht hat das Daimler-Projekt mit 79.000 Quadratmetern Hallenfläche die Bauunternehmung Markgraf aus Bayreuth, die das gesamte Center nach Vorgaben des Bauherrn schlüsselfertig errichtet hat. „Der gesamte Industrieboden in den acht ineinander übergehenden Hallen ist stahlfaserbewehrt. Nur um die Stahlstützen herum haben wir mit Zulageeisen ergänzt“, schildert Projektleiter Gerald Etterer den Ablauf. Sein Unternehmen hat den Stahlfaserbeton nach Leistungsklassen berechnet und bei Heidelberger Beton bestellt. Der 18 Zentimeter dicke Boden liegt direkt auf einer Schotterschicht. Die Felder in den Hallen sind 27 mal 29 Meter groß und werden von Stahlprofilen eingefasst. Innerhalb dieser Bereiche ist der Boden fugenfrei. B & T Betonbodenbau aus Frankenthal hat den Industrieboden maschinell geschwabbelt und mit Flügelglättern geebnet. Ein frisch in frisch aufgestreuter Hartstoff sorgt für die geforderte Abriebfestigkeit. Folien verhinderten, dass der Beton nach dem Einbau zu schnell ausdunstete. Im Außenbereich wurden die Feldgrößen auf acht mal acht Meter beschränkt, um den Witterungsbedingungen gerecht zu werden. Hier kam Luftporenbildner in den Stahlfaserbeton, der den Frost-Tausalz-Widerstand erhöht. Den Beton für innen und außen hat im Südwesten Michael Schuck von der Betotech aus Eppelheim konzipiert.

Zunächst sind mit verschiedenen Stahlfasern Erst- und Einstufungsprüfungen für die geforderten Leistungsklassen gefahren worden. Dabei ging es konkret darum, festzulegen, wie viele und welche Fasern für den passgenauen Stahlfaserbeton zum Einsatz kommen sollten. Die Stahlfasern für den Beton des Industriebodens in Speyer hat der Hersteller Bekaert geliefert. Bei den meisten großen Bauvorhaben setzen Statiker inzwischen auf die Berechnung mit Stahlfaserbeton. „Häufig“, so Arthur Haug von Bekaert, Spezialist in Sachen Stahlfasern, „machen aber auch wir die Umbemessung oder die gesamte statische Berechnung für derartige Böden.“ Inzwischen ist die Faserarmierung bei Industrieböden Stand der Technik. Knapp 70 Prozent der großen Bauvorhaben, meint Haug, würden dank der entsprechenden Leistungsklassen von Beton, auf diese Weise ausgeführt.

Quelle:HeidelbergCement in Deutschland

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