20.01.2014

Baudenkmal auf Reisen

Deutschlands älteste Spannbetonbrücke demontiert und versetzt

Bis vor kurzem war der Rastplatz Vellern bei Beckum einer von vielen an der Autobahn A2 auf dem Weg vom Ruhrgebiet nach Berlin. Seit kurzem beherbergt der Parkplatz jedoch eine einmalige Sehenswürdigkeit: Die weltweit erste in Spannbeton-Bauweise ausgeführte Straßenbrücke hat hier – nach einer komplizierten Versetzungsmaßnahme – eine angemessene „Ruhestätte“ gefunden.

Seit 1938 überspannte die 33 Meter lange und 6,40 Meter hohe Überführung „Weg Hesseler“ die Autobahn A2 bei Beckum/Oelde. Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden bereits verschiedene Instandsetzungsarbeiten am Brückenbauwerk durchgeführt. Nach dem 6-streifigen Ausbau der Autobahn von 2003-2005 waren der Mittel- und der Randstreifen im Bereich der Brücke bereits deutlich eingeengt worden – was für den fließenden Verkehr keine optimale Situation bedeutete. Ein Abriss des Überbaus kam jedoch wegen des Denkmalschutzes nicht in Frage. Als bei einer Sonderprüfung im Jahr 2010 erneut größere Schäden an der Brückenkonstruktion festgestellt wurden, installierte man zur Abwendung einer Gefahr für den Verkehr zunächst kurzfristig hochfeste Fangnetze, reduzierte die erlaubte Belastung auf 9 Tonnen und sperrte das Bauwerk für den mehrspurigen Verkehr.

Angesichts der heutigen Dimensionen landwirtschaftlicher Fahrzeuge – diese benutzen die Brücke regelmäßig – ergab sich jedoch die dringende Notwendigkeit, zeitnah einen leistungsfähigen Ersatz zu realisieren. So kamen die Verantwortlichen von Straßenbau NRW und die zuständige Denkmalbehörde bei der Suche nach einer Lösung auf die ungewöhnliche Idee der „Translozierung“ – was die Versetzung des Baudenkmals an einen anderen Standort bedeutete. Dazu bot sich die 1,6 km westlich des alten Brückenstandortes gelegene Rastanlage Vellern an. Franz Fischer, Projektleiter bei Straßenbau NRW, erläutert: „Mit der Versetzung an die Rastanlage wollten wir sicher stellen, dass der Brückenüberbau in seiner Denkmaleigenschaft weiterhin dauerhaft erhalten bleibt und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich ist. Gleichzeitig besteht für die normalen Rastplatzbesucher die Möglichkeit, sich während des Aufenthaltes eine Brückenkonstruktion anzusehen und von oben oder unten zu nutzen. Diese Versetzung war wohl in seiner Art ein bisher einzigartiges Ereignis.“

Die Versetzung des Brücken-Überbaus

Zur Vorbereitung der Translozierung des Überbaus wurde zunächst der Brückenbelag entfernt und an beiden Widerlagern ausreichend große Arbeitsfugen geschaffen. Da das Ausheben des Überbaus mit Kränen wegen der aufwändigen Rüstzeiten und den damit verbundenen Verkehrsbeeinträchtigungen nicht in Frage kam, entschied man sich für den Einsatz selbstfahrender Plattform-Modultransporter (SPMT) einer belgischen Spezialfirma. Dabei wurde auf beiden Richtungsfahrbahnen der A2 je eine Plattform eingesetzt, die mit einem starren Stahlträgerrahmen miteinander verbunden waren. So konnte der Brückenüberbau auf voller Länge millimetergenau angehoben werden. Das Anheben erfolgte computergesteuert über Hydraulikzylinder an allen 48 Räderpaaren, die zudem einzeln angetrieben und mit einem Wenderadius von 360° gesteuert werden konnten. Nachdem der ca. 280 Tonnen schwere Überbau angehoben und mittels der Module seitlich aus den vorbereiteten Widerlagerbereichen heraus manövriert worden war, konnte der Transport zur Rastanlage erfolgen. Dort wurde der Überbau auf Hilfsstützen abgelegt und dann auf seine endgültige Lage abgesenkt. 

Sanierung des Baudenkmals

Auf dem Rastplatz angekommen, wurde an der Brücke im Zuge der Sanierung ein Treppenturm installiert, mit dem die Zugänglichkeit des Überbaus für die Öffentlichkeit erreicht wird. Nachdem Abdichtungen, Kappen und Fahrbahnbelag saniert wurden, setzte man anschließend den Beton an der Unteransicht des Brückenüberbaus instand. Franz Fischer erklärt: „Anschließend erfolgen noch die Installation von Beleuchtungstechnik und die Gestaltung des Umfelds. Zum Beispiel soll unter der Brücke der Autobahnquerschnitt von 1938 nachgebildet werden. Außerdem ist vorgesehen, auf dem Überbau Bänke und Tische aus Gabionen aufzustellen. Nicht zuletzt werden wir Infotafeln zur Geschichte des Denkmals aufstellen“.

Fotos: BetonBild

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