09.08.2013

Auf dem Weg zur Solar-Betonfassade

Das Herner Unternehmen Reckli entwickelt neue Solaranwendungen für Sichtbeton

Für die anspruchsvolle Oberflächengestaltung und Formgebung von Sichtbeton werden Strukturmatrizen eingesetzt. Den Gestaltungswünschen von Architekten und Bauherren sind durch die Verwendung dieser elastischen Matrizen keine Grenzen gesetzt: Jegliche erdenkliche Form und vielfältigste Oberflächen können sowohl bei Ortbetonlösungen auf der Baustelle wie auch bei im Werk produzierten Betonfertigteilen durch diese besondere Form der Schalung realisiert werden. 

Das Herner Unternehmen Reckli, einer der weltweit führenden Anbieter elastischer Matrizen für Betonfertigteile und Ortbeton, verfolgt derzeit ein Forschungsvorhaben, das eine neue Epoche der Einsatz- und Gestaltungsmöglichkeiten mit Beton einleiten könnte: die Solar-Betonfassade.

Solaranlagen werden heute in der Regel auf Dächern installiert, obwohl die Außenwände von Gebäuden sehr viel größere Oberflächen bieten. Grund für diese bislang eingeschränkte Nutzung sind die Schwachstellen bisheriger Solarmodule: die eingeschränkte Leistung bei schwächerer Sonneneinstrahlung, nicht zuletzt aber auch das hohe Gewicht und die begrenzten Designmöglichkeiten der Kollektoren.

Mit dem Solarmodulhersteller Heliatek aus Dresden hat Reckli einen Partner gefunden, mit dem der direkte Einbau von ultraleichten und ultradünnen Solarmodulen in Betonfassaden möglich wird. Heliatek ist Technologieführer im Bereich der organischen Photovoltaik. Diese neu entwickelte Solartechnologie kann bei nahezu jeder Einstrahlungsbedingung zum Einsatz kommen. Selbst Fassaden, die nach Norden zeigen und über eine vergleichsweise geringe direkte Sonneneinstrahlung verfügen, können für die Gewinnung von grünem Solarstrom genutzt werden.

Architektonisch wird die neue Solar-Betonfassade von Heliatek und Reckli zahlreiche Vorteile bieten. Die Solarzellen werden auf eine dünne, flexible und sehr leichte Kunststofffolie aufgebracht. Im Vergleich zu Glasmodulen, die schwer und nicht gänzlich bruchfest sind, müssen keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen für die Installation der Module getroffen werden. Mit einem Gewicht von lediglich 0,5 kg pro Quadratmeter sind die statischen Anforderungen auf ein Minimum reduziert – konventionelle Solarmodule wiegen im Durchschnitt zwischen 10 und 15 kg pro Quadratmeter. Darüber hinaus werden die Module in verschiedenen Farben und Abmaßen erhältlich sein, wodurch sie sich unaufdringlich in das Gesamtdesign integrieren lassen. Architekten und Bauherren wird damit ein maximaler Spielraum bei der Gestaltung von Sichtbetonfassaden geboten.

Die neue Solartechnologie ist – wie der Baustoff Beton auch – durch und durch grün: Die Solarmodule enthalten keine toxischen Inhaltsstoffe, die Produktion ist ungiftig und es wird nur wenig Energie und Material für die Herstellung benötigt. Darüber hinaus können die organischen Solarmodule bedenkenlos entsorgt werden, da sie zu 99 % aus PET Kunststoff (aus dem auch Getränkeflaschen hergestellt werden) und zu 1 % aus eben so ungefährlichen Materialien bestehen. Die Module sind – auch das gilt für Beton – recycelbar.

Das Unternehmen Reckli erprobt derzeit verschiedenste Möglichkeiten der Integration dieser besonderen Solarmodule für Sichtbetonanwendungen. „Wir testen derzeit die verschiedensten Möglichketen der Integration der nur ein Millimeter dicken Solarmodule in die Sichtbetonoberfläche. Dabei werden sowohl mechanische wie geklebte Lösungen untersucht.“, so Lutz Hammer, Marketingleiter von Reckli.

Bis 2020 muss aus Gründen des Umweltschutzes eine EU-Richtlinie umgesetzt werden, die vorschreibt, dass alle Neubauten die festgelegten Standards für Niedrigstenergiegebäude erfüllen. Um einen erheblichen Teil zur Einhaltung dieser Standards beizutragen, können Außenwände aus Sichtbeton künftig aktiv für die grüne Energiegewinnung genutzt werden. Die neue Solar-Betonfassade wird die Gestaltung von umweltfreundlichen Niedrigstenergiegebäuden zur Erfüllung dieser Richtlinie weiter erleichtern. 

Bildnachweis: RECKLI GmbH, Herne

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