Betonschutzwände - ein Stück mehr Sicherheit

.... Von Schutzeinrichtungen an Straßen erwartet man, dass sie „unterhaltungsfreundlich“ sind. Auf den stark belasteten Autobahnen dürfen Unfälle im Mittelstreifen nur in Ausnahmefällen Reparaturen an den Schutzeinrichtungen und die damit verbundenen Verkehrsbehinderungen auslösen. Durchbrüche von Lastzügen auf die Gegenfahrbahn … sind eine ernste, allzu häufig tödliche Gefahr für unbeteiligte Autofahrer. Dass in solchen Fällen auf den Straßen eines Ballungsraums über Stunden fast der gesamte Verkehr zum Erliegen kommt, ist dabei dann das kleinere Problem. Betonschutzwände, ob als Fertigteile oder in Ortbeton, haben in diesem Zusammenhang Fakten geschaffen. Sie haben im Alltag auf den Autobahnen bewiesen, welch hoher Nutzen mit ihrem Einsatz verbunden ist und dass eine Zunahme der Unfallschwere, wie von manchen Fachleuten befürchtet, in der Praxis nicht zu belegen ist. ...Michael Antenbrink, Netzmanager, Amt für Straßen- und Verkehrswesen Frankfurt: Die normative Kraft des Faktischen. in beton 11-2004, S.521

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert schaffen Betonschutzwände ein bisschen mehr Sicherheit auf Deutschlands Straßen [1]. Verkehrsunfälle haben meist besonders schwere Folgen, wenn Fahrzeuge – insbesondere LKW – in den Gegenverkehr geraten, auf frontal auf stehende Hindernisse wie haltende Fahrzeuge oder Bäume prallen oder von Brücken oder Böschungen abstürzen. Die hohe Durchbruchsicherheit der Betonschutzwände am äußeren Fahrbahnrand oder im Mittelstreifen lässt ihre Bedeutung in Zukunft weiter steigen, rechnen doch die neuesten Verkehrsprognosen mit einer Steigerung der Güterverkehrsmengen auf Straßen bis 2025 um 84 % [2].

Moderne Betonschutzwände bieten hier ein dauerhaft hohes Schutzniveau und zeichnen sich auch durch einen geringen Aufwand bei der baulichen Unterhaltung aus. Die am häufigsten auftretenden leichten Anprallereignisse durch PKW-Anfahrten verlaufen meist ohne größere Schäden am Fahrzeug und in der Regel ohne Schäden am Schutzsystem. Dies führt zu einem geringen Reparaturaufwand am Rückhaltesystem, weniger Verkehrsstörungen sowie zu einem verringerten Unfallrisiko durch Tagesbaustellen.
Weitere Vorteile für die Verkehrssicherheit sind:

  • Geringes Verletzungsrisiko bei Motorradunfällen, da nicht unterfahrbar
  • Wirksamer Blendschutz
  • Gute Leitfunktion, hohe Lichtreflexion

Betonschutzwände können auf Brückenkappen als hochwirksame Absturzsicherung eingesetzt werden. In den Richtzeichnungen für den Brückenbau ist eine Musterlösung für die bauliche Anordnung dargestellt.

Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr in Baden-Württemberg hat in seiner Ergänzung zu II. im Allgemeinen Rundschreiben ARS Nr. 28/2010 des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vom 20.12.2010 festgelegt (Auszug):
Unfallauswertungen zeigen, dass im Jahr 2009 fast 60 Prozent aller Getöteten auf Landstraßen verunglückten. Die aktuell häufigste Einzelursache von tödlichen Verkehrsunfällen mit knapp 30 Prozent ist hierbei der Aufprall auf einen Baum.....
...Bei Neu-, Aus-, und Umbaumaßnahmen und bei der Erneuerung der passiven Schutzeinrichtung im Mittelstreifen im Zuge von Erhaltungsmaßnahmen an Bundesfernstraßen, die vier oder mehr Fahrstreifen und eine prognostizierte Verkehrsbelastung von mehr als 30.000 Kraftfahrzeugen pro Tag aufweisen, sind im Mittelstreifen grundsätzlich Betonschutzwände mit grober Hinterfüllung und möglichst ohne Schlitzrinnen vorzusehen.

Die RPS 2009 [4] regeln das Schutzniveau für Fahrzeug-Rückhaltesysteme zur Absicherung von Gefahrenstellen bei Neu-, Um- oder Ausbauten auf deutschen Bundesfernstraßen. Es werden Leistungsklassen der Schutzeinrichtungen für unterschiedliche Situationen definiert. Für Schutzeinrichtungen in Wasserschutzgebieten (hier werden bevorzugt Fahrzeug-Rückhaltesysteme aus Beton verwendet) gelten zusätzlich die Richtlinien für bautechnische Maßnahmen an Straßen in Wasserschutzgebieten (RiStWag).

Die Grundlage für den Einsatz von Fahrzeug-Rückhaltesystemen in Deutschland bildet seit Januar 2011 eine sogenannte Einsatzfreigabeliste. Bevor künftig ein Fahrzeug-Rückhaltesystem ausgeschrieben oder eingebaut werden kann, muss es von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) für die jeweilige Einbausituation in einem Einsatzfreigabeverfahren zugelassen werden. Die Einsatzfreigabe wird nur erteilt, wenn das Fahrzeug-Rückhaltesystem modular Lösungen für unterschiedliche Anwendungen (Mittelstreifen, Mittelstreifenüberfahrt, Brücken u.a.) bietet. Die BASt veröffentlicht ihre Einsatzfreigabeliste im Internet.

Die einfache Konstruktion der verschiedenen Fahrzeug-Rückhaltesysteme aus Beton ermöglichen eine günstige Herstellung bei hoher Einbauleistung.

Herstellung einer eingespannten Betonschutzwand aus Ortbeton

Betonschutzwände aus Ortbeton werden mit Gleitschalungsfertigern hergestellt, der vor der Schutzwand einen Arbeitsraum von 3 m Breite benötigt. Hinter der Schutzwand ist ein Freiraum von ca. 20 cm für die rückseitige Schalung vorzusehen. Die Einbauleistungen liegen bei rund 500 m pro Tag.

Betonschutzwand-Fertigteile eignen sich sowohl für den dauerhaften Einsatz als auch für den temporären Einsatz zur Absicherung von Arbeitsstellen. Sie werden in der Regel direkt mit dem LKW-Kran versetzt und mit speziellen Verbindungssystemen zugfest miteinander verbunden. Verlegeleistungen von 1 000 m/Schicht sind keine Seltenheit. Die Schutzwand ist dann sofort einsatzbereit.

Weiterführende Literatur

[1]    Thomas Richter: Über 25 Jahre Betonschutzwände auf deutschen Autobahnen. beton 11-2009, S. 506

[2]    Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Prognose der deutschlandweiten Verkehrsverflechtungen 2025 FE-Nr. 96.0857/2005 - Kurzfassung -

[4]    Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV): Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme

[5]    Michael Antenbrink: Planung und Ausführung von Betonschutzwänden in Gleitschalungsbauweise. beton 11-2004, S. 546

[5]    Zement-Merkblatt S22 Betonschutzwände, 09-2004

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