Bahnhöfe - Aushängeschilder einer Stadt

Der Bahnhof vermittelt dem Bahnreisenden den ersten Eindruck von einer Stadt, dem Durchreisenden oft den einzigen. Neben die funktionalen Anforderungen treten daher auch hohe Ansprüche an die Gestaltung. Meist haben sich die neuen Zentren der Städte um die Bahnhöfe herum entwickelt. Die Bahnhöfe sind heute die pulsierenden Herzen einer Stadt, die nicht nur Verkehrsknotenpunkt sind, sondern auch Mall mit Einzelhandelsgeschäften, Büros, Gaststätten und Hotels.

Hauptbahnhof Leipzig: Verkehrsknotenpunkt und Einkaufsmeile

Investitionen in Gebäude werden von einer Reihe von Entscheidungskriterien bestimmt: Wirtschaftlichkeit, Dauerhaftigkeit, Langlebigkeit unter dem Gesichtspunkt des Lebenszyklus, geringe Unterhalts- und Pflegemaßnahmen, geringer Energieverbrauch, nachhaltiger Umgang mit Ressourcen. Das Gebäude wird zur Visitenkarte des Schienenverkehrsunternehmens und der Stadt. Mit der Betonbauweise sind alle Anforderungen an Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Gestaltung zu erfüllen. Betonkonstruktionen sind tragfähig, erschütterungsdämpfend, widerstandsfähig gegen Feuer und Feuchtigkeit, bieten vorteilhafte bauphysikalische Eigenschaften und sind dazu preiswert und dauerhaft.

Brandschutz inklusive

Wenn Brände in Räumen mit großen Menschenansammlungen auftreten, ist es besonders wichtig, dass die Konstruktion allen Menschen im Gebäude genügend Zeit zur Flucht verschafft. Hier bietet die Betonbauweise besondere Vorteile bei den definierten Schutzzielen im Brandschutz:

  • Schutz von Leben und Gesundheit
  • Sachschutz für Maschinen, Geräte, Möbel und Waren
  • Umweltschutz zur Minimierung von Umweltbeeinträchtigung (Rauch und toxische Gase sowie kontaminiertes Löschwasser)

In der Regel werden in brandschutztechnisch richtig dimensionierten Betonbauteilen bei einem Brand wegen der relativ schlechten Wärmeleitung des Betons Temperaturen von 500 °C im Innern des Querschnitts nicht überschritten. Die Tragfähigkeit der Decken, Wände und Treppen aus Beton bleibt daher weitgehend erhalten. Bauteile aus Beton lassen sich nach einem Brand auch relativ einfach wieder instandsetzen.

Beton ist als nicht brennbarer Stoff in die Baustoffklasse A1 eingestuft und der einzige Baustoff, der zur Entfaltung seiner Brandschutzwirkung nicht auf Kühlmaßnahmen oder Bekleidungen bzw. Überdimensionierungen angewiesen ist. Tragkonstruktionen aus Beton sind so ausgelegt, dass sie die Forderung nach der Gesamtstandsicherheit im Brandfall in vielen Fällen sogar übertreffen. Zwar müssen alle Bauteile, die im Nichtwohnungsbau eingesetzt werden, den Mindestanforderungen an die Feuerwiderstandsdauer entsprechen. Ein darüber hinausgehender möglichst langer Erhalt der Standsicherheit einer Konstruktion ist aber wichtig für die Rettung von Menschenleben und für die Löscharbeiten, besonders bei größeren und mehrstöckigen Gebäuden. Aufgrund der durch einen typischen Gebäudebrand nicht wesentlich beeinträchtigten Festigkeit von Beton müssen Löschmannschaften bei ihren Rettungsmaßnahmen nicht befürchten, dass die Tragkonstruktion aus Beton plötzlich versagt.

Schallschutz für eine friedliche Koexistenz

Die unterschiedlichen Nutzungen als Bahnhof, Büro oder Hotel stellen hohe Anforderungen an den Schallschutz. Wände und Decken übernehmen hier eine wichtige Funktion bei der Luftschalldämmung. Die Luftschalldämmung einschaliger Bauteile hängt von ihrer flächenbezogenen Masse (Flächengewicht) und der Ausbildung des Anschlusses an die flankierenden Bauteile ab. Leichte Konstruktionen sind im Allgemeinen schalltechnisch ungünstiger. Bauteile aus Beton bieten die Voraussetzungen für schalltechnisch gute Werte.
Einschalige Wände kommen in der Regel als Innenwände zum Einsatz. Wände zwischen Räumen mit üblicher Bürotätigkeit müssen mindestens der Anforderung R’w = 37 dB gemäß DIN 4109 genügen. Die Empfehlung des Beiblatts 2 zu DIN 4109 für einen erhöhten Schallschutz fordert in Büro- und Verwaltungsgebäuden für Wände zwischen Räumen für konzentrierte geistige Tätigkeit R’w ≥ 52 dB.

Bauteilaktivierung gegen den Treibhauseffekt

Die beliebten großen Glasflächen in hallenartigen Gebäuden bringen nicht nur den Vorteil tageslichtdurchfluteter Räume mit sich, an heißen Sommertagen können sich die Räume wie im Treibhaus extrem aufheizen. Die hohe Masse von Beton kann sinnvoll zur Temperaturregulierung (Heizen/Kühlen) der Räume genutzt werden, indem Heiz- bzw. Kühlrohre in den Wänden integriert werden.

Weitere Informationen sind im Bereich „Wirtschaftshochbau“ zu finden. An dieser Stelle werden nur die Besonderheiten als Infrastrukturmaßnahme behandelt.

Planungsparameter im schienengebundenen öffentlichen Personenverkehr

Bahnhöfe müssen grundsätzlich so konzipiert sein, dass sie die betrieblichen Erfordernisse erfüllen. Treppen, Wege und Aufenthaltsräume müssen so groß dimensioniert sein, dass die in Stoßzeiten üblichen Menschenmengen bewältigt werden können. Im Brandfall oder anderen Notsituationen müssen ausreichend sichere Fluchtwege vorhanden sein. Diese Anforderungen müssen auch für Geh- und Sehbehinderte erfüllt werden (barrierefreier Zugang).

Bahnsteige und Laderampen

Bahnhof Montabaur an der Trasse Köln/Rhein-Main

Niveaugleiche Bahnsteigkanten waren in den Anfangszeiten der Eisenbahn zunächst nur bei Laderampen für die Güterverladung üblich, um den Übergang schwerer Lasten vom Güterwaggon zur Lagerhalle und umgekehrt zu ermöglichen, zunächst mit Handkarren, dann mit Elektrokarren und Gabelstaplern.

Bahnhof Montabaur an der Trasse Köln/Rhein-Main

Im Personenverkehr war gerade auf Nebenbahnhöfen lange Zeit das Hinaufklettern vom normalen Geländeniveau in die Waggons üblich. Die zunehmende Konkurrenz des Individualverkehrs und durch Omnibusbetriebe zwang auch die Eisenbahnunternehmen, ihren Fahrgästen mehr Komfort zu bieten. Gesetzliche Vorgaben sorgen heute dafür, dass niveaugleiche Bahnsteigkanten Rollstuhlfahrern die Benutzung von Bahnen und Straßenbahnen, Eltern die Mitnahme von Kinderwagen, älteren Menschen das Einsteigen mit schwerem Gepäck ermöglichen.

Gemäß EBO soll bei Neubauten von Bahnsteigen die Höhe der Bahnsteigkante 76 cm über der Schienenoberkante liegen. Dementsprechend werden die Abmessungen der hierbei meist eingesetzten Betonfertigteile festgelegt. Die Baulänge ist im Allgemeinen 100 cm. Die Sichtflächen bleiben meist unbearbeitet, die Oberkanten sind oft profiliert, um auch Sehbehinderten diese Gefahrenstelle ertastbar zu machen. Die Beton-Bauteile für Bahnsteigkanten werden aus dichtem Beton mit hohem Frost-Tausalz-Widerstand gefertigt. Neben den Winkelsteinen (L-Profile) werden auch spezielle Bahnsteigkanten mit Sicherheitsraum (C-Profile) angeboten. Der Sicherheitsraum bietet den Menschen Schutz, die auf die Gleise fallen und nicht schnell genug wieder auf den Bahnsteig klettern können.

Anforderungen werden auch an den verbleibenden Spalt zwischen Bahnsteigkante und Einstieg gestellt: Er sollte nicht größer als 3 cm sein.

DIN 18030 gibt für die Bewegungsflächen entlang von Bahnsteigkanten im Geltungsbereich der EBO eine Mindestbreite von 2,75 m und im Geltungsbereich der BOStrab und der StVO von 2,50 m vor. Zur Gewährleistung einer ausreichenden Bewegungsfreiheit und des problemlosen Ein- und Aussteigen empfiehlt die EAÖ eine Wartefläche von 1,50 m²/Fahrgast. Die BOStrab gibt eine nutzbare Mindestbreite von 2,00 m vor. Die DB-Richtlinie 81302 verlangt bei Zuggeschwindigkeiten bis 160 km/h für Außenbahnsteige und einseitig nutzbare Mittelbahnsteige eine Mindestbreite von 2,50 m und für Mittelbahnsteige eine Mindestbreite von 3,40 m.

Für Rollstuhlfahrer sind auf allen Bahnsteigen und Haltestellenwarteflächen Bewegungsräume vorzusehen. Zum Rangieren sollte gemäß DIN 18030 mindestens eine 1,50 m x 1,50 m große Fläche zur Verfügung stehen. Im Begegnungsverkehr sind 1,80 m x 1,80 m erforderlich.

Mit Betonbauteilen befestigter Bahnsteig (Flughafen Düsseldorf)

Mit Betonbauteilen befestigter Bahnsteig (Flughafen Düsseldorf)

Die Bahnsteigflächen selbst werden meist mit Betonpflastersteinen oder Betonplatten befestigt. Mit Betonpflasterflächen hat der Planer nicht nur die Möglichkeit, die Flächen dauerhaft zu befestigen, sondern auch attraktiv zu gestalten.

Betonpflasterflächen weisen zusammengefasst folgende Vorteile auf:

  • Wirtschaftlich durch eine lange Lebensdauer bei niedrigen Unterhaltskosten
  • Hoher Widerstand gegen Verschleiß sowie Frost- und Taumittel
  • Unempfindlich gegen die Einwirkung der verschiedenen vorkommenden aggressiven Stoffe wie Treibstoffe, Öle und Fette
  • Maßhaltig und griffig, dadurch gute Begehbarkeit und Befahrbarkeit
  • Problemlos aufnehmbar, z. B. bei nachträglichem Einbau von Bodenleitungen
  • Reparaturstellen weitgehend unsichtbar
  • Wiederverwendbarkeit
  • Vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten durch eine große Auswahl an verschiedenen Farben und Formaten

Speziell profilierte Betonpflastersteine ermöglichen auch hier Sehbehinderten, die 1 m-Linie für den Sicherheitsabstand zu durchfahrenden Zügen – als taktilen Leitstreifen – zu ertasten.

Werden Bahnsteige im Notfall auch von Rettungsfahrzeugen befahren, muss der Aufbau dementsprechend bemessen werden.

Literatur

  • DIN 18024-1: Barrierefreies Bauen – Teil 1: Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen sowie Spielplätze; Planungsgrundlagen
  • DIN 18024-2: Barrierefreies Bauen – Teil 2: Öffentlich zugängige Gebäude und Arbeitsstätten; Planungsgrundlagen
  • DIN 18030: Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen und -anforderungen
  • Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV): EAÖ Empfehlungen für Anlagen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)
  • Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV): Merkblatt über den Rutschwiderstand von Pflaster und Plattenbelegen für den Fußgängerverkehr
  • Deutsche Bahn AG: DB-Richtlinien, Modulfamilie 813 „Personenbahnhöfe planen“ (Ril 813); Modulgruppe 81302 „Bahnsteige und ihre Zugänge planen“ (Ril 81302)
  • Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO)
  • Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab)

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