07.11.2016

Auf das Wesentliche bedacht

Pfarrheim Herz Jesu in Ingolstadt

Erkrath, November 2016. An Sakralbauten aus Beton scheiden sich die Geister: Was auf die einen zu nüchtern und zweckmäßig wirkt, ist für andere Ästhetik in Vollendung. Der Entwurf des neuen Pfarrheims Herz Jesu in Ingolstadt von Bodensteiner Fest Architekten vereint diese beiden Aspekte gekonnt: Der Materialmix aus Sichtbeton, Glas und Holz verleiht dem minimalistischem Gebäude Eleganz, Anmut und eine geerdete Bescheidenheit. Durch die breite Fensterfront im Erdgeschoss wirkt das Haus offen und einladend. Ausgetüftelte Details unterstreichen die großzügige Wirkung des Innenraums, dessen Ausmaße sich über die breiten Fensterfronten des Erdgeschoßes bereits von außen erahnen lässt.

Bei der ersten Führung durch den Rohbau und angesichts der blanken Sichtbetonwände stellten sich bei vielen Gemeindemitgliedern Verwunderung, Ratlosigkeit und sogar Vorbehalte ein. Die wenigsten begeisterten sich auf Anhieb für die reduzierte Optik und Ausstrahlung purer Flächen, Motto: Bleibt das etwa so...? Doch die anfängliche Skepsis schrumpfte proportional zum Baufortschritt. „Und spätestens bei der Einweihung waren gar keine kritischen Stimmen zu hören“, so der Architekt Christian Bodensteiner. Mehr noch: Auf der Eröffnungsfeier zeigte sich die Gemeinde ebenso angetan von ihrem neuen Pfarrheim wie Pfarrer Klaus Meyer und die Kirchenstiftung Herz Jesu, Ingolstadt. Diese ließ den Neubau mit der Unterstützung des Diözesanbauamtes Eichstätt errichten. Letzteres hatte 2012 einen Wettbewerb für ein neues Pfarrheim ausgeschrieben, bei dem Bodensteiner Fest Architekten Stadtplaner den ersten Platz erzielten. Der klare und geradlinige Entwurf der Münchener überzeugte die Jury konzeptionell sowie gestalterisch – und weil er dem Wesentlichen wie Andacht und Gemeinschaft Raum gibt.

Ort mit Atmosphäre
Die Architekten haben mit dem neuen Pfarrheim einen Ort mit besonderer Atmosphäre geschaffen. „Ein Gebäude, das – dem Kontext entsprechend – Weite, Geborgenheit und eine meditative Ruhe ausstrahlt“, erläutert Annette Fest. Es ersetzt den in der Nachkriegszeit als Notkirche errichteten und später als Pfarrheim genutzten Vorgängerbau. Das erforderte ein stimmiges Ensemble aus Alt und Neu: Der denkmalgeschützten Kirche von 1963 – ebenfalls ein Betonbau – steht nun ein klarer, moderner und minimalistischer Baukörper zur Seite. Dieser setzt sich mit seiner Materialität und dem Flachdach ganz bewusst von der Architektur der umgebenden Einfamilienhäuser ab, ohne sie jedoch zu dominieren.

Figur-Grund-Prinzip
Das entlang der Straßenseite gesetzte Gebäude zeigt sich offen und einladend: Auf der rechten Seite des Erdgeschosses gewährt die auffallend breite Fensterfront des Pfarrsaals Ein- und Ausblicke. Wandartige Träger sorgen für einen unverstellten Blick. Darüber ist der Kubus komplett geschlossen, doch auf der linken Seite der oberen Etage unterbrechen ebenfalls großzügige Fensterflächen die grauen Sichtbetonflächen. „Gestaltungsprinzip sind die an den Außenecken – zum Teil übereck – angeordneten Öffnungen, welche die Fassade nach dem Figur-Grund Prinzip gliedern. Im kleinen Saal im Obergeschoss wiederholt sich die Übereckverglasung vertikal in Form einer Überkopfverglasung“, erklärt Christian Bodensteiner. Beim Figur-Grund-Prinzip bemüht sich das Gehirn, den Vordergrund (Figur) aus seinem flächigen oder räumlichen Umfeld (Hintergrund) optisch herauszulösen und zu erkennen. Was als Figur und Grund wahrgenommen wird, variiert bei unterschiedlichen Betrachtern.

Flexibles Raumkonzept
Mobile Trennwände und andere Mehrfachnutzungen wie die wandintegrierten Garderobenklapphaken im Foyer reduzieren den Flächenund Raumbedarf. Auf einen gesonderten Garderobenraum konnte somit verzichtet werden. Und der Pfarrsaal lässt sich je nach Auslastung erweitern oder verkleinern. Die dem Saal vorgelagerte Terrasse erweitert den Raum nach außen, so dass bei schönem Wetter auch im Freien gefeiert werden kann. Das flexible Nutzungskonzept passt sich unterschiedlichen Veranstaltungssituationen und den heutzutage oftmals schwankenden Mitgliederzahlen an. Das Erdgeschoss beherbergt neben dem Foyer, Sanitär- und Nebenräumen, einen Saal mit Küche und Veranstaltungstechnik, das Obergeschoss einen kleinen Saal, zwei Gruppenräume und die Technikzentrale. Über den Seiteneingang, der an den überdachten Umgang angebunden ist, ist das Erdgeschoss barrierefrei erschlossen.

Energiekonzept
Das Gebäude wird über einen Gas-Brennwertkessel mit Wärmerückgewinnung beheizt und ist mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Die Zuluft wird im Saal über Weitwurfdüsen, in den Gruppenräumen über Bodenkanäle eingeblasen. Die Absaugung im Saal erfolgt über eine Fuge an der Wand-Holzverkleidung beziehungsweise wird in den Gruppenräumen über Deckenauslässe abgeführt. Das Flachdach ist für die Installation von Photovoltaikelementen vorgerüstet „Unser Ziel war es, die Technik so einfach und selbsterklärend wie möglich zu gestalten, um die Nutzung auch für sporadische Besucher – ob jung und alt – zu erleichtern“, so Annette Fest.

Betonarbeiten
Das Gebäude ist als Stahlbeton-Massivbau ohne Unterkellerung konzipiert. Für die Sichtbetonwände wurde Transportbeton der Festigkeitsklasse C25/30 verbaut. Als Trägerschalung kam eine schwach saugende Schalhaut zum Einsatz. Die Oberflächenqualität wurde als SB3 ausgeschrieben. Die Rezeptur mit Kalksteinmehl für den hellgrauen Sichtbeton haben die Architekten vorgegeben und in mehreren Schritten bemustert. Bei dem Projekt profitierten Bodensteiner Fest von ihrer jahrelangen Erfahrung mit Beton als Baustoff. „Die Realisierung von Sichtbetongebäuden erfordert eine frühzeitige und umsichtige Planung in Abstimmung insbesondere mit der Haustechnik. Die größte Herausforderung waren hier die in die Decke eingelegten Lüftungsleitungen in Kombination mit den Leuchteneinbautöpfen. Beide waren auf Grund konventioneller Bauteilstärken eng auf die Deckenbewehrung abzustimmen“, erläutert Christian Bodensteiner.

Baustoff mit Patina
So umfangreich die Vorarbeiten bei einem Projekt sein mögen, für die Architekten überwiegen Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit von Beton auch im Hinblick auf Farbe, Struktur, Fügung und Form. „Ob feine, raue, völlig glatte Oberflächen oder in Kombination – Beton ist unglaublich vielseitig, sinnlich, ästhetisch und robust. Während Gebrauchsspuren auf homogenen Flächen vor allem störend wirken, werden sie auf Betonwänden Teil der Patina. Auch die statischen Möglichkeiten und Dauerhaftigkeit sprechen für den Baustoff“, sind sich die Architekten einig. Auf die Feinabstimmung der eingesetzten Materialien und Farben legen sie großen Wert. Ihnen gehe es bei der Ausführung ihrer Entwürfe weniger darum, dass grün grün bleibt, sondern dass der Zusammenklang stimmt. „Bei diesem  Projekt war es die Kombination des Betons mit dem Eichenparkett, dem silbergrauen Eichenfurnier und dem Schwarzstahl der Einbauten, die zusammen eine besondere Ausstrahlung entwickeln“, betont Annette Fest. Das nächste Projekt, bei dem die Architekten wieder mit Beton gestalten, ist fast fertiggestellt. Eine Grundschulmensa in München haben Bodensteiner Fest in Mischbauweise realisiert: Die Betonwände werden mit Holzelementdecken und oberflächenfertigen Akustiklamellen kombiniert und die Fassade ziert eine geschosshohe, dünne Betonverkleidung.

Alle Fotos: Florian Holzherr

Bautafel

ProjektNeubau Pfarrheim Herz Jesu
Zeppelinstraße 88, 85051 Ingolstadt
1. Platz im konkurrierenden Gutachterverfahren
BauherrKirchenstiftung Herz Jesu
Ingolstadt mit Diözesanbauamt Eichstätt
Architekturbodensteiner · fest architekten stadtplaner bda
Elvirastraße 25 RGB, 80636 München
www.bodensteiner-fest.de
Leistungsphasen HOAI 1-8
Fachplanungmeac München
Ramersdorfer Str. 1, 81669 München
meac-gmbh.com

Ingenieure Bamberger GmbH & Co. KG
Elektrotechnik – Lichtplanung
Schwemmfeld 18, 85137 Pfünz
www.ibamberger.de
TragwerksplanungHaushofer Ingenieure GmbH
Marzell 6, 85570 Markt Schwaben
www.haushofer.com
RohbauSchiebel Bauunternehmung
Ohmstraße 4, 85080 Gaimersheim
www.schiebel-bau.de
BetonC 25/30
BGF 500 m²
BRI2.250 m³
Bauzeit2014/15
Gesamtkosten1,9 Mio. Euro

Pressearbeit

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an

InformationsZentrum
Beton GmbH

Holger Kotzan
Telefon: 0211 28048-306

Presseverteiler & Newsfeeds

Mit unserem RSS Newsfeed bleiben Sie immer auf dem Laufenden. www.beton.org/rss

Presseverteiler & Newsfeeds

Mit unserem RSS Newsfeed bleiben Sie immer auf dem Laufenden. www.beton.org/rss

Logo - Beton.org

Diese Internetseiten sind ein Service
der deutschen Zement- und Betonindustrie

  • E-Mail
  • Facebook
  • RSS
  • Twitter
  • YouTube