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19.06.2006
Zank um Energiepass
Dauerstreit um Gestaltung des Gebäudeenergiepasses erneut aufgeflammt
Der Streit um die Gestaltung des Gebäudeenergiepasses geht in eine neue Runde. Nachdem Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos im April 2006 beschlossen hatten, mehrere Varianten des Gebäudeenergieausweises zuzulassen (siehe BauNetz-Meldung vom 7. April 2006 - "Der Energiepass kommt"), kommt nun Kritik vom Bundesumweltministerium.
Schon seit Monaten wird diskutiert, ob der Gebäudeenergieausweis künftig den Energiebedarf oder den Energieverbrauch eines Hauses dokumentieren soll. Mieter-, Verbraucher- und Bauverbände bevorzugen einen Bedarfspass. Der theoretische Energiebedarf eines Hauses wird dabei durch ein technisches Gutachten errechnet. Immobilienverbände sind dagegen für einen Verbrauchspass, der den tatsächlichen Energieverbrauch der Hausbewohner dokumentiert. Er wäre preiswerter, da Energiekostenabrechnungen als Basis dienen könnten.
Als Kompromiss hatten Tiefensee und Glos ein Optionsmodell vorgeschlagen. Es soll Hausbesitzern die Wahl zwischen dem verbrauchs- oder dem bedarfsorientierten Energiepass lassen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ist damit jedoch offenbar nicht einverstanden. Nur ein am Energiebedarf des Hauses orientierter Ausweis schaffe den gewünschten Anreiz zur energetischen Gebäudesanierung, heißt es im Bundesumweltministerium.
Unterstützung erhält der Minister vom Deutschen Mieterbund (DMB) und dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Eine Wahlfreiheit der Hausbesitzer, sei ein Kniefall vor der Immobilien-Lobby, die klare Angaben über den Energieverbrauch fürchte, kritisierten DMB und vzbv in Berlin.
Bei der Eigentümerorganisation Haus & Grund stößt der Widerstand aus dem Umweltministerium auf Unverständnis. Haus & Grund beziffert die Mehrkosten des Bedarfsausweises gegenüber dem Optionsmodell auf rund acht Milliarden Euro. Dieses Geld könne sinnvoller in energetische Sanierungen investiert werde, so Haus & Grund. Der Verband appellierte deshalb an die Bundesregierung, den Vorschlag von Wolfgang Tiefensee und Michael Glos umzusetzen.
Nach Auffassung von DMB und vzbv ist das Argument, Bedarfspässe seien unvertretbar teuer, jedoch falsch. Ein Bedarfspass lasse sich in einem vereinfachten Verfahren für einen Preis von 100 bis 150 Euro erstellen, betont der vzbv. Der Pass habe eine Gültigkeitsdauer von zehn Jahren. Ein solcher Geldeinsatz sei für Hausbesitzer zumutbar.
Quelle:
BauNetz