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18.05.2006

Passivhäuser liegen im Trend

10. Internationale Passivhaustagung mit geballtem Know-how für Fachleute, Bauinteressenten und Mieter

Wie machen wir uns unabhängiger von Öl oder Gas? Die 10. Internationale Passivhaustagung in Hannover gibt Antworten und demonstriert, wie sich knapper werdende Ressourcen effizient nutzen lassen. „Deutschland ist der weltweit führende Forschungs- und Entwicklungsstandort für die Energieeffizienz bei Häusern“, sagt Dr. Wolfgang Feist vom Passivhaus Institut in Darmstadt. Erneuter Ausdruck dieser Vorreiterrolle sei die Passivhaustagung, die am 19. und 20. Mai im Hannover Congress Centrum unter dem Leitmotiv „Zukunft aktiv gestalten“ stattfindet. Die Veranstalter, das Passivhaus Institut, der enercity-Fonds proKlima in Hannover und das Energieinstitut Vorarlberg aus Österreich, verzeichnen mehr als 600 Teilnehmer – über die Hälfte davon aus den europäischen Nachbarländern sowie aus Nordamerika und Asien. „Auf globaler Ebene kann keine andere Veranstaltung zum Thema Passivhaus mit einer höheren internationalen Beteiligung aufwarten“, so Feist. Auf der Tagung tauschen sich Fachleute aus 28 Nationen zwei Tage lang über den neuesten Stand der Technik aus. In 16 Arbeitsgruppen und mehr als 80 Vorträgen geht es sowohl um die Planung und Realisierung von Neubauten als auch um die Modernisierung von Altbauten mit Passivhauskomponenten. Auf der begleitenden Passivhaus-Ausstellung zeigen rund 90 Aussteller auf einer Fläche von mehr als 2.500 Quadratmetern unter anderem hocheffiziente Wärmedämmungen, Komfortlüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Solaranlagen und innovative Heiztechnologien. Die Ausstellung richtet sich ausdrücklich auch an Bauinteressenten und Mieter, die sich hier umfassend informieren können. Mitveranstalter der Ausstellung ist auch die Klimaschutzagentur Region Hannover.

Das weltweite Interesse am Passivhauskonzept ist begründet: Ein Passivhaus benötigt, bei höherem Wohnkomfort, 90 Prozent weniger Heizenergie als ein Altbau. Eine optimale Einsparrate, die in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungsreihen empirisch bestätigt wurde und von nationaler Bedeutung ist. Denn sogar im umweltbewussten Deutschland macht allein die Heizung immer noch zirka ein Drittel des gesamten einheimischen Energieverbrauchs aus – und damit mehr als der Verkehr. In weniger umweltbewussten oder kälteren Ländern liegt der Anteil daran noch höher.

Zahlreiche Anschauungsbeispiele in der Region Hannover
Laut einer Schätzung des Passivhaus Institutes stehen in Deutschland bereits über 6.000 Passivhäuser. „Der Passivhausmarkt wächst von Jahr zu Jahr, da sich immer mehr Menschen mit dem Thema Energieverbrauch auseinandersetzen und Konsequenzen ziehen“, sagt Feist. Auch Manfred Görg, Leiter der Geschäftsstelle des Klimaschutzfonds proKlima, sieht einen verstärkten Trend zum Passivhaus: „Der Passivhausstandard hat sich sowohl beim Neubau von Gebäuden als auch bei der Modernisierung bewährt.“ Görg verweist dabei auf zahlreiche Anschauungsbeispiele, die in den vergangenen Jahren in der Region Hannover realisiert wurden. „53 bereits realisierte und bewohnte Passivhäuser mit 111 Wohneinheiten können wir verzeichnen. Hinzu kommt die im Jahr 2005 in Laatzen errichtete weltweit größte Sporthalle im Passivhausstandard.“ Ein ausschlaggebender Grund für diese positive Bilanz sei die proKlima-Förderpolitik und die gemeinsam mit der Klimaschutzagentur Region Hannover vorangetriebene Beratung von Bauinteressenten und Hausbesitzern. „Wir erwarten, dass die Passivhaustagung gerade in der Region Hannover einen zusätzlichen Schub zum Bau von Passivhäusern auslösen wird“, so der proKlima-Chef. Und die Aussichten hierfür stehen gut: Laut Görg ist in der Region Hannover der Bau von mehr als 400 Wohngebäuden im Passivhausstandard geplant. Aber auch bei Geschäftsgebäuden, Schulen und Kindertagesstätten ist derzeit ein verstärktes Interesse der Investoren erkennbar. „Wir begleiten derzeit die Planungen für rund 60.000 Quadratmeter Nutzfläche. Dazu gehören sowohl Neubauten als auch Bestandsmodernisierungen“, sagt Görg.

Weitere Informationen zu Tagung und Ausstellung stehen im Internet bereit unter www.passivhaustagung.de und www.klimaschutz-hannover.de.

Über das Passivhaus
Ein Passivhaus verbraucht 90 Prozent weniger Heizwärme als ein Haus im Baubestand und 75 Prozent weniger als ein durchschnittlicher Neubau – der Heizwärmebedarf eines Passivhauses liegt mit 15 Kilowattstunden je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr um ein Vielfaches unter dem eines Niedrigenergiehauses. Gleichzeitig ist der Wohnkomfort in einem Passivhaus wesentlich höher. Anders als Standardgebäude, die viel Wärme verschwenden und deshalb aktiv beheizt werden müssen, nutzt das Passivhaus die in seinem Inneren vorhandenen Energiequellen wie zum Beispiel die Körperwärme von Personen oder einfallende Sonnenwärme – die Heizung wird dadurch grundlegend vereinfacht. Besondere Fenster und eine Hülle aus hochwirksamen Dämmpaketen in Außenwänden, Dach und Bodenplatte schließen die Wärme schützend ein. Für ständig frische Luft ohne Zugerscheinungen sorgt gleichzeitig eine Lüftungsanlage, in der ein hocheffizienter Wärmetauscher Wärmeverluste weitgehend verhindert.

Informationen zu den Veranstaltern
Passivhaus Institut (Darmstadt): www.passiv.de
proKlima - Der enercity-Fonds (Hannover): www.proklima-hannover.de
Energieinstitut Vorarlberg (Österreich): www.energieinstitut.at
Klimaschutzagentur Region Hannover: www.klimaschutzagentur.de

Quelle: Passivhaus Institut (Darmstadt)


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