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07.12.2011

Dyckerhoff Baustofftechniktag Nordwest

Experten informierten und diskutierten in Münster

Referenten und Gastgeber beim Dyckerhoff Baustofftechniktag Nordwest (vom links): Martin Möllmann, Prof. Carl-Alexander Graubner, Walter Ritter, Dr. Ditmar Hornung, Willi Stöber, Rüdiger Körner, Prof. Matthias Middel, Prof. Steffen Anders und Stefan Höller (nicht auf dem Bild Torsten Göpfert und Dr. Josef Strunge).

Von der grundsätzlichen Nachhaltigkeit zementärer Baustoffe bis hin zur Entwicklung moderner, klinkerreduzierter Zemente und Betone, von großen Infrastrukturprojekten wie Offshore-Windparks wie auch zum nachträglichen Einbau einer weißen Wanne in bestehende Wohngebäude reichte das Themenspektrum des Dyckerhoff Baustofftechniktages Nordwest, der im November diesen Jahres in Münster stattfand.

100 Teilnehmer konnte Willi Stöber von der Dyckerhoff Beton GmbH & Co. KG, Osnabrück, beim Dyckerhoff Baustofftechniktages Nordwest, einer Gemeinschaftsveran-staltung von Dyckerhoff Zement und Dyckerhoff Beton, in Münster begrüßen. Moderiert von Martin Möllmann, dem Leiter Marketing der Dyckerhoff AG, wurde ihnen in einer interessanten Mischung aus Theorie und Praxis ein breites Themenspektrum geboten, in dessen Mittelpunkt das Thema der Nachhaltigkeit stand.

100 Experten aus Industrie und Gewerbe, Planung und Wissenschaft trafen sich in Münster zum Dyckerhoff Baustofftechniktag Nordwest.

Betonbauweise ist nachhaltig

Auch wenn der Begriff der Nachhaltigkeit bisweilen inflationär und nicht immer zielgerichtet verwendet wird, eines ist sicher: Es wird die gesamte Baubranche auch in den nächsten Jahren „nachhaltig beeinflussen“. Die Betonbauweise spielt dabei eine ganz zentrale Rolle, speziell im Kontext des Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen - so Prof. Dr.-Ing. Carl-Alexander Graubner von der TU Darmstadt. Dass eine zielgerichtet eingesetzte Betonbauweise nachhaltig ist, dies liegt, so Prof. Graubner, vor allem an der hohen Dauerhaftigkeit von Betonbauteilen, die sich günstig auf die Lebenszykluskosten auswirkt. Hinzu kommen die aufgrund der industrialisierten Ferti-gung optimierten Planungs- und Herstellungskosten von Betonbauteilen sowie  eine hohe Variabilität und Flexibilität der Gestaltung und Formgebung – wichtige Faktoren, die ebenfalls „nachhaltig“ wirken.  

Neueste Produktentwicklungen im Fokus

Dass das Thema „Nachhaltigkeit“ keinesfalls nur ein moderner Trend, sondern schon seit längerer Zeit Pflichtteil der Unternehmensstrategie ist, dies machte Dr. Ditmar Hornung, bei der Dyckerhoff AG für Anwendungsberatung und Portfoliomanagement zuständig, deutlich. So sind die  CEM II- und CEM III- Zemente bei Dyckerhoff bereits Standardzement. Dagegen hat sich die Zahl der CEM I-Zemente von 2005 bis 2010 halbiert hat. Die maßgeschneiderten Dyckerhoff M-Zemente verbinden die positiven Eigenschaften von Klinker und Kompositbestandteilen wie Kalkstein, Flugasche, Hüttensand und Trass. Zentraler Bestandteil der Dyckerhoff Produktstrategie ist hierbei eine hohe Gleichmäßigkeit - beurteilt mit neuen Messmethoden zur Optimierung Verarbeitbarkeitseigenschaften - und ausgenutzt in den Dyckerhoff Premiumbetonen.  Wissenschaftlich Untermauert wurde dies durch die Ausführungen von Dr. Josef Strunge, dem Leiter des Wilhelm Dyckerhoff Instituts in Wiesbaden, der über „Aktuelles aus Anwendungstechnik und Forschung“ berichtete. Seiner Ansicht nach lassen sich durch konsequente Optimierung der Granulometrie Normzemente mit vielfältigen Eigenschaften rezeptieren. Der erste Schritt war die Dyckerhoff Mikrodur® Technologie, die sich mittlerweile als Problemlöser bei besonders schwierigen Betonan-forderungen erfolgreich am Markt etabliert hat. Mittlerweile ist es die Nanodurtechnologie und das in mehreren Mischvorgängen hochtourig aufbereitete Bindemittel Nanodur®, auf dessen Basis Normzemente zur praxisgerechten Herstellung von UHPC (Ultra High Performance Concrete) entwickelt wurden.

Ein Dyckerhoff Betonfahrmischer mit dem „Fluidur-Aktionslogo“ diente als „Hinwei-ser“ zur Münsteraner Veranstaltung.

Umfangreicher Praxisteil

Am Beginn des Praxisteils standen gleich zwei Fachvorträge zu einem nach der Energiewende besonders aktuellen Thema: Dem Bau von Windkraftanlagen-Onshore und Offshore, also an Land und auf See. Prof. Dr.-Ing. Steffen Anders von der Bergischen Universität Wuppertal beschäftigte sich dabei mit „Hochleistungs-Vergusssystemen“ für Windkraftanlagen. Er machte deutlich, dass der derzeitige Ausbau der Onshore-Windenergie durch das sog. „Repowering“  Vergusssysteme erfordert, die anwendungs- oder projektbezogen „maßgeschneidert“ sein müssen. Ein ebenso maßgeschneidertes Betonkonzept gilt es derzeit auch für die Schwerlastfundamente von Offshore-Anlagen zu entwickeln, wie beispielsweise für Albatros 1, den Windpark, der ca. 100 km vor der ostfriesischen Nordseeküste entstehen soll. Welche betontechnologischen Parameter hier eine zentrale Rolle spielen und was sonst noch im Rahmen des Genehmigungsprozesses für ein zertifiziertes Betonkonzepts zu berücksichtigen ist - dies erfuhren die Zuhörer von Torsten Göpfert von der TPA Gesellschaft für Qualitätssicherung und Innovation GmbH, Stuttgart.

Von der Hochsee zurück an Land, sprich die Straße, ging es mit Dipl.-Ing. Stefan Höller von der Bundesanstalt für Straßenbauwesen in Bergisch Gladbach und seinem Bericht über die neuesten Entwicklungen im Bereich der Betonfahrbahndecken. Seine Ausführungen zu der „Durchgehend bewehrte Fahrbahndecke mit Asphaltdeck-schicht“ basierten dabei auf den praktischen Erfahrungen und den Erkenntnissen aus den bisherigen Versuchsstrecken. Zu den in Kompositbauweise gebauten Strecken  zählen u.a. die A11 bei Berlin, die B 56 bei Düren oder die A5 bei Darmstadt. Die ak-tuellste Erprobungsstrecke befindet sich auf der A 94 bei München. Da die Komposit-bauweise künftig auch in das Regelwerk aufgenommen werden soll, soll wird der neue FGSV- Arbeitskreis 8.3.4 „Durchgehend Bewehrte Betonfahrbahndecke“  ein „Wissensdokument“ entwickeln und dabei die Anforderungen formulieren, die sowohl an die Bewehrte Betonfahrbahndecke, als auch die Asphaltdeckschicht, aber auch an die die Haftung zwischen Beton und Asphalt, die Ausbildung der Endbereiche sowie die Einbaubedingungen gestellt werden.

Nicht immer sind es nur die großen Infrastrukturprojekte, die innovative Problemlö-sungen erfordern. So gibt es nach den Ausführungen von Prof. Dr.-Ing. Matthias Middel, dem Leiter der BetonMarketing West GmbH,  heute auch im Wohnungsbau immer mehr Bestandsgebäude, die erhebliche Wasserschäden aufweisen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von einer Beeinträchtigung der Bebauung durch hohe Grundwasserstände über intensive Starkregenereignisse bis hin zu  aufgegebenen Wasserhaltungen. Ist eine entsprechende Schädigung vorhanden, schafft  hier oftmals nur der Einbau einer Weißen Wanne nachhaltig Abhilfe. Wie der Referent anhand eindrucksvoller Beispiele zeigte, stellt eine derartige Sanierung hohe Ansprüche an Planer und Verarbeiter, da die Arbeiten in der in der Regel in bewohnten Bauen erfolgen und die Weiße Wanne oftmals auf engstem Raum, aber dennoch besonders exakt und fachgerecht  betoniert werden muss.

Dass all die genannten, teilweise komplett unterschiedlichen Einsatzbereiche auch einen Zementhersteller wie Dyckerhoff vor immer komplexere Aufgaben stellen, darauf wies Dipl.-Kfm. Rüdiger Körner, Mitglied der Geschäftsleitung der Dyckerhoff AG, in seinem Schlusswort hin. Allerdings, so Körner, lassen sich neue Produktkonzepte dabei „nur gemeinsam mit den Kunden entwickeln“.

Fotos: Dyckerhoff

Quelle: Dyckerhoff AG 


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