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27.09.2010
Beton und Umwelt - Gegen alle Vorurteile
Foto: BetonBild, Fotograf: Jörg Eicker
Im Kundenmagazin context von HeidelbergCement erschien jetzt ein Interview mit BetonMarketing Deutschland Geschäftsführer Thomas Kaczmarek.
Die in context veröffentlichte leicht gekürzte Fassung finden Sie in diesem PDF
Das vollständige Interview finden Sie nachstehend
context: Herr Kaczmarek, ein Haus kostengünstig bauen und gleichzeitig die Umwelt nachhaltig schonen. Viele Menschen halten das für ein Gerücht. Erst recht mit Beton. Stimmt das?
Thomas Kaczmarek: Um die Antwort auf diese Frage richtig einzuordnen, sollte zunächst ein Wertegerüst definiert werden: Jede Form des Bauens ist eine Belastung für die Umwelt. Sei es ein Weg, eine Schutzhütte oder eine Brücke. Allerdings hat der Mensch frühzeitig gelernt, mit und von der Natur zu leben, aber auch seine eigenen Bedürfnisse zu entwickeln. Neben den Grundbedürfnissen wie Nahrung und Kleidung gilt dies auch für die Entfaltung/Mobilität - also der Weg von A nach B – sowie für das Wohnen und den Schutz vor Umwelt. Heute müssen diese Bedürfnisse so umweltschonend, kostengünstig und sozialverträglich wie möglich realisiert werden. Diese drei Aspekte sind elementare Bestandteile des nachhaltigen Wirtschaftens.
Die gleichen Faktoren gelten auch beim nachhaltigen Bauen. Es ist mit wenig Aufwand und einer Plastikplane möglich, sich und seine Familie vor Wind und Regen zu schützen. Doch entspricht dies nicht unserer Vorstellung vom heutigen und künftigen Wohnen. Zeitgemäße Objekte bieten mehr als nur die Schutzfunktion. Für die Sicherung des Hab und Guts sind in vielen klimatischen Zonen - und zunehmend auch in Deutschland - massive Baustoffe die erste Wahl. Sie sind standfest und sorgen mit ihren bauphysikalischen Eigenschaften dafür, dass eine energiefressende Haustechnik für Klimageräte nur in seltenen Fällen erforderlich wird.
context: Was bedeutet das für Beton?
Thomas Kaczmarek: Die Rohstoffe für die Herstellung von Beton liegen unbegrenzt vor. Zudem eignet sich der Baustoff für Recycling und Wiederverwendung. Weitere Aspekte sind seine Langlebigkeit und Witterungsbeständigkeit ohne aufwendige Erhaltungsmaßnahmen, wie z. B. beim Baustoff Holz. Apropos Holz: dieser tritt beim Bauen in seiner Reinform - dem Baumstamm - kaum in Erscheinung. Holz ist bei den Wandkonstruktionen der Rahmenbauweise von Fertighäusern nur noch in geringem Maße enthalten. Eingebaute Dämmstoffe und Plastikfolien werden lediglich mit Holzwerkstoffen verkleidet.
Mit elementierten Bauweisen und Fertigteilen werden viele Gebäudetypen schnell und ökonomisch errichtet. Kurze Bauphasen und Preissicherheit sind ein wesentliches Kriterium für Bauherren. Hinzu kommt, dass der Wiederverkauf einer Immobilie in unserer heutigen Zeit der Mobilität und Anpassungsfähigkeit an Arbeitssituationen immer wichtiger wird. Jüngere Forschungsergebnisse belegen, dass der Substanzerhalt bei massiven Gebäuden weit über denen der Leichtbauweise steht (Anm. d. Red.: Initiative „Massiv mein Haus“).
context: Kommen wir noch kurz zum Umweltschutz?
Thomas Kaczmarek: Dies ist eine Steilvorlage für den Baustoff Beton. Neben der Langlebigkeit und Standsicherheit reduzieren wir durch die massive Wandkonstruktion das Aufheizen der Gebäude im Sommer (das sog. „Barackenklima“). Schwere massive Wände und Decken gleichen Schwankungen der Außentemperaturen deutlich besser aus.
Durch die individuell skalierbare Wärmedämmung kann jeder Bauherr entscheiden, welchen Energiebedarf sein Gebäude in der Heizperiode benötigt. Die Entwicklung von Niedrigenergiehäusern über Passivhäuser bis hin zu Plusenergiehäusern lässt einen großen Spielraum offen. Eine schlanke, tragende Konstruktion in der Gebäudehülle hilft dabei, bei vergleichbaren Verbrauchswerten zusätzliche Wohnfläche zu gewinnen. Gerade bei der zu beobachtenden Wanderungstendenz in die Ballungszentren wird das verdichtete Bauen mit wenig Grundfläche immer wichtiger.
Und es ist gut, dass wir diese Funktionen in der Betonkonstruktion optimal kombinieren können. Wir müssen uns im Wettbewerb nicht verstecken.
context: Im Gegensatz zu Holz hat Beton in Sachen „Wohlfühlklima“ oft immer noch einen schlechten Ruf. Was tun Sie, damit sich dass ändert?
Thomas Kaczmarek: Aufklären! Die Faktenlage ist klar: massive Baustoffe haben deutliche bauphysikalische Vorteile im Gegensatz zur Leichtbauweise. Schlanke Wandkonstruktionen aus Beton bieten alle Vorteile, die sich ein Bauherr auch langfristig wünscht. Dies ist bei Fachleuten bekannt.
Aber machen wir uns nichts vor – ich kenne noch die alte Waschküche meiner Großmutter, wo an bestimmten Tagen das Wasser von den Wänden lief. Jeder hat seine Meinung über die Städtebaupolitik und Gebäudeformen in Innenstädten aus den 70er und 80er Jahren oder kennt die Waschbetonplatten im Schrebergarten. All diese Bereiche haben sich umfassend verändert. Beton hat sich zum Hightech-Baustoff entwickelt, der in seiner Anwendungsvielfalt noch breiter aufgestellt ist, in seiner Form- und Farbenvielfalt zugelegt hat und nahezu alle geometrischen Formen in der architektonischen Gebäudeplanung mit allerfeinsten Oberflächen zulässt. Beton ist auch emotionaler geworden.
Dies versuchen wir über verschiedene Netzwerke und Medienpartner (Zeitschriften „Häuser“ und „Schöner Wohnen“) sowie eine intensive Pressearbeit in regionalen und lokalen Tageszeitungen in die breite Öffentlichkeit zu transportieren, um das Image von Beton kontinuierlich zu verbessern. Wir erreichen so über 450.000 Leser – täglich. Dies ist eine stetige Aufgabe, der wir unverändert nachkommen werden.
Der Kern unserer Kommunikation liegt allerdings im technischen Marketing. Hier gilt es, die Baustoffentscheider von den Vorteilen zu überzeugen und die richtigen Informationen und Arbeitsmittel vorzuhalten. Der neue Planungsatlas für den Hochbau ist ein gutes Beispiel für diese Erfolgsgeschichte. Er wurde im letzten Jahr auch mit Hilfe Ihres Hauses (Anmerkung der Redaktion: 2.000 DVDs wurden von HeidelbergZement verteilt) im Markt präsentiert. Zusätzlich arbeiten rund 6.000 Architekturbüros mit der regelmäßig aktualisierten Online-Datenbank auf unserer Internetseite. Auch im nächsten Jahr wird dies wieder ein Thema für regionale Vortragsveranstaltungen sein.
context: Was bedeutet nachhaltiges Bauen und wie fördert man es?
Thomas Kaczmarek: Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir heute unsere Bedürfnisse befriedigen können, ohne die Grundlagen für künftige Generationen zu reduzieren, später eigene Bedürfnisse zu befriedigen. Nach unserer heutigen Definition muss ein ausgewogenes Verhältnis im Dreiklang zwischen Kostenbewusstsein - Umweltschutz - Sozialverträglichkeit gelingen. Hinzu kommen technische und funktionale Qualitäten des Gebäudes. Und das alles ist keine Momentaufnahme, sondern muss über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes geplant und bewertet werden. Wir unterstützen alle Anstrengungen zum nachhaltigen Bauen und haben für Zement und Beton bereits Daten als Berechnungsgrundlage zur Verfügung gestellt (www.nachhaltigesbauen.de).
Und wir tragen aktiv zum Umweltschutz bei, die einzelnen Parameter beim Baustoff Beton stetig zu verbessern. So hat der geringere Klinkereinsatzes beim Zement schon für einen deutlichen Rückgang beim Energieverbrauch in der Vorstufe gesorgt und die CO2 Emissionen wurden im gesamten Produktionsprozess reduziert. Dies ist nach heutigem Stand des Wissens das „technisch Machbare“. Deutschland ist damit weltweit führend.
Allerdings hat dies in der Gesamtbetrachtung „Nachhaltigkeit“ nur einen geringen Einfluss.
Ein Großteil der Umweltbelastung allerdings findet nicht durch die Baustoffe selbst oder die Gebäudeerrichtung statt sondern vielmehr durch die Nutzung - das Wohnen und Arbeiten (gut 90%).
Wenn also falsche Entscheidungen zu einer nicht optimalen Gebäudehülle mit aufwendiger Anlagentechnik geführt haben, entspricht dies nicht unseren Vorstellungen von nachhaltigem Bauen. Vorteile aus der Bausubstanz müssen die Grundlage jeder Planung sein. Erst dann lassen sich in der Lebensdauer von Gebäuden sinnvoll Einsparungen ableiten.
context: Wie kann Beton „grüner“ werden - wie kann Beton im nachhaltigen Bauen konkret eingesetzt werden?
Thomas Kaczmarek: Zunächst einmal müssen wir die Grundlagen für den Baustoff Beton kontinuierlich auf dem Stand der Technik weiter entwickeln. Dies geschieht, nach meinem Wissen, auf breiter Basis. Das nachhaltige Bauen beginnt schon bei der Planung. Für die Errichtung einer optimierten Gebäudehülle liefern wir die richtigen Tools für das Bauen mit Beton.
context: Was sind Ihrer Meinung nach die Zukunftstrends der Branche für nachhaltiges Bauen?
Thomas Kaczmarek: Um diese Frage zu beantworten, ist in der Zeitschrift zu wenig Raum. Viele Veranstaltungen der Unternehmen, regionalen Marketinggesellschaften und auch übergreifende Zukunftskongresse widmen sich diesem Thema.
Im Betonmarketing haben sich die Branchen Zement, Transportbeton und Betonbauteile zusammengeschlossen. Gemeinsam fördern wir den Dialog zur Baukultur und zeigen mit unseren Architekturwettbewerben hervorragende Beispiele, wie künftig nachhaltiges Bauen aussehen kann. Auch in den Hochschulen engagieren wir uns im europäischen, nationalen und regionalen Netzwerk, damit die neuen Erkenntnisse in der Betonentwicklung und -anwendung frühzeitig an die künftigen Fachleute gebracht werden.
Das flächensparende Bauen in den Städten wird die Reihenhaussiedlungen auf der Grünen Wiese ablösen. Die daraus resultierenden Anforderungen an Baustoffe erfüllen wir mit Beton ideal: schlanke, massive Wandkonstruktionen, die keine Wärmebrücken infolge von Mischbauweisen und damit Energieverluste zulassen. Diese dichte Gebäudehülle (Blowerdoor-Test) ist eine weitere Anforderung an das nachhaltige Bauen. Und übrigens ein weiteres Problem der Leichtbauweise, bei der wegen der Dichtungsfolie nicht in Außenwände gebohrt werden darf. Auch der zunehmende Bedarf an Lärm- und Brandschutz wird immer wichtiger und ist ein weiterer Vorteil für Beton. Hier macht uns keiner etwas vor.
Die Entwicklung der Passivhaustechnik wird weiter voranschreiten. Kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung sind für mich derzeit ein gutes Konzept in der langfristigen Dimension des nachhaltigen Bauens. Gepaart mit der „natürlichen Klimaanlage“ von Betonwänden und –decken oder der Nutzung der Betonkernaktivierung, die übrigens in vielen Bürogebäuden zunehmend Einzug erhält.
Beton ist ein extrem belastbarer und langlebiger Baustoff, der seine Stärken nicht nur im Hochbau hat. Ultrahochfeste Betone haben bereits im Brückenbau für die entsprechende Aufmerksamkeit gesorgt und gezeigt, dass hohe Festigkeit nur wenig mit Bauteildicke zu tun hat. Aber auch in der Infrastruktur haben wir den richtigen Baustoff, wenn es darum geht, langfristige Lösungen für z.B. hoch belastete Straßen zu liefern. Das menschliche Grundbedürfnis nach Mobilität, der Transport von Waren oder das Reisen machen es erforderlich, langlebige Verkehrswege zu schaffen, die nur geringen Wartungsaufwand nach sich ziehen. Seien es Autobahnen oder durch Schwerlast befahrende Wege wie Kreisverkehre oder Busspuren. Eine hervorragende Ökobilanz im Vergleich zu Klinker, Naturstein oder Asphalt hat das Betonpflaster im letzten Jahr präsentiert. Selbst Schadstoffe können mit den richtigen Betonprodukten aus der Umwelt herausgenommen werden. All diese Entwicklungen zeigen in eine Richtung: Beton ist d e r Baustoff für das nachhaltige Bauen.
Linktipps:
context
www.nachhaltigesbauen.de