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23.09.2008

Mehr Mobilität durch weniger Verkehr

7. Heidelberger Bauforum diskutierte Probleme und Chancen der Zukunft

Über 250 Interessierte aus allen Bereichen der Bauwirtschaft kamen zum 7. Heidelberger Bauforum nach Leimen. Foto: HeidelbergCement/Fuchs


Die Zukunftsperspektiven im Bereich „Mobilität und Verkehr“ werden derzeit sehr unterschiedlich wahrgenommen: Während manche von weiterhin steigenden Verkehrsmengen und einem baldigen Verkehrsinfarkt ausgehen, sehen andere eher einen fundamentalen Paradigmenwechsel voraus, begründet durch knappe Energie- und Finanzressourcen. Vor diesem Hintergrund stellte das 7. Heidelberger Bauforum am 18. September 2008 Fragen nach den Grenzen der Mobilität, der Verfügbarkeit von Energie und ganz allgemein nach Menge und Art der bereitzustellenden Verkehrswege. „Transit, Transport, Mobilität – Vorausdenken, um voranzukommen“ lautete das Motto der Veranstaltung, zu der mehr als 250 Entscheider aus den unterschiedlichsten Bereichen des Bauens ins Portland Forum nach Leimen kamen. 14 hochkarätige Experten betrachteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln, indem sie Denkanstöße gaben, neue Trends präsentierten und politische Konzepte vorstellten.

„Ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft. Mobilität ist nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor - sie hat in all ihren Facetten auch etwas Faszinierendes“, erklärte Andreas Kern, Vorstand HeidelbergCement, in seiner Eröffnungsrede. Schließlich ist HeidelbergCement als ein weltweit agierendes Unternehmen stark auf Mobilität angewiesen – sei es bei der Herstellung von Produkten oder bei der von den Kunden geforderten Just-in-Time-Belieferung. Nicht zuletzt stellt HeidelbergCement ein Produkt her, das für den Bau von Infrastruktur ganz besonders gefragt ist: Beton.

Wie Infrastruktur und Gebäude der Zukunft aussehen könnten, skizzierte Professor Michael Braungart, Geschäftsführer der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH, Hamburg, in seinem Vortrag „Verkehrsbauwerke innovativ: Materialien, Techniken, Konzepte“. Es ginge nicht darum, zu sparen, zu verzichten oder gar zu vermeiden, so Braungart. Vielmehr seien heute einfach andere Konzepte des Bauens gefragt: Die Menschen sollten Gebäude entwickeln, die nicht weniger schädlich, sondern stattdessen nützlich sind.

„Keiner weiß, wann welche Änderungen in Sachen Mobilität kommen, aber sie kommen“, prophezeite Professor Dr. Jürgen Becker, Dozent für Verkehrsökologie an der Technischen Universität Dresden in seiner Rede „Mobil in die Zukunft? Verkehrsökologische Aspekte“. Becker fordert aus diesem Grunde mehr Mobilität mit weniger Verkehr. „Wir müssen nicht am Verkehr oder dem Streben nach Erreichbarkeit ansetzen, sondern am Mobilitätsbedürfnis der Menschen“, sagte der Wissenschaftler. „Dabei zeigt sich weltweit ein anderes Bild als in Deutschland. Während in vielen Ländern noch Verkehrsinfrastrukturen mit großem gesellschaftlichem Nutzen gewünscht sind, gibt es in Deutschland eher eine gewisse Sättigung oder gar ein Überangebot. „Gesucht sind hier deshalb Lösungen mit Priorität für Nähe, Rad-, Fuß- und öffentlichen Verkehr und für Infrastrukturen mit längerer Lebensdauer und geringeren Unterhaltungskosten“, so Becker.

Mobilität könne man heute nicht mehr alleine als zurückgelegte Kilometer definieren“, plädierte Professor Hartmut Topp vom Institut für Mobilität und Verkehr der Technischen Universität Kaiserslautern. „Wir müssen umdenken und zwischen Mobilität und Verkehr unterscheiden“, forderte Topp in seinem Beitrag „Beweglich bleiben: Verkehr an der Schwelle zum post-fossilen Zeitalter“. Auch er ist der Meinung, mehr Mobilität mit weniger Verkehr erreichen zu können. Jedoch sei der Übergang vom Ölzeitalter zum postfossilen Zeitalter nur zu meistern, wenn man den Verkehr langfristig von fossiler Energie abkoppelt.

Zündstoff lieferte die Podiumsdiskussion zum Thema „Effizientes Verkehrdesign: Eine Sache der Perspektive“. Vier Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Branche nahmen Stellung zur aktuellen Verkehrsituation und schilderten ihre Überlegungen für mögliche Lösungsansätze. So forderte Ulrich Nolting, Geschäftsführer der Betonmarketing Süd GmbH, sich mehr damit zu beschäftigen, wie dauerhafte Infrastruktur für mehrere Generationen gestaltet werden könne. Dafür liefere besonders Beton zahlreiche Vorteile. Zudem seien viele Potenziale, wie die Energiespeicherfähigkeit von Straßen, noch nicht ausgeschöpft. Während Michael Cramer, Sprecher der Grünen im Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr in Berlin und Mitglied des Europäischen Parlaments, die ungleiche Besteuerung bei Bahn- und Flugverkehr kritisierte, plädierte Professor Werner Rothengatter, Institutsleiter der Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung von der Universität Karlsruhe, für eine Maut ab dem ersten gefahrenen Kilometer nach dem Vorbild der Schweiz und beanstandete dabei die Tatsache, dass noch immer zu viel Entscheidungsgewalt im Staatsbereich liege.

Trotz rasantem und scheinbar immerwährendem Wachstum der Luftfahrtbranche sind Ausbauprojekte für Flughäfen ein zeitintensiver und aufwändiger Prozess. Sebastian Schulze, Leiter der Projektentwicklung Fraport AG, zeigte am Beispiel des für den Ausbau des Frankfurter Flughafens geplanten Terminals 3 die notwendigen Schritte zur Konzeptfindung und die Verknüpfung mit nachhaltigen Entwicklungszielen. So will Fraport das geplante Terminal 3 zu einem "Öko-Terminal" zu machen. Durch energieeffiziente, innovative Gebäudetechnik solle ein "low emission terminal" entstehen, das die sich aus Geothermie und Photovoltaik ergebenden Chancen nutze.

Nach dem Kongress waren sich alle Beteiligten einig: Künftig lautet die Frage nicht, ob mehr, sondern welche Mobilität. Dabei brachte es Ralf Jahncke, CEO der Transcare AG in Wiesbaden und Teilnehmer der Expertenrunde auf dem Heidelberger Bauform 2008 auf den Punkt: „Wir müssen Verkehr als etwas Positives sehen und dafür sorgen, dass das bei den Menschen auch so ankommt.“

Quelle: HeidelbergCement AG


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