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25.03.2009

Leitbild Bau eint die Baubranche

Tiefensee: Schulterschluss der Bauwirtschaft stärkt Zukunftschancen

Die deutsche Baubranche hat sich erstmals in ihrer Geschichte auf ein gemeinsames Leitbild verständigt. Mit einem Grundsatzpapier will die Branche durch klare Qualitätsziele und Kooperationsvereinbarungen ihre Zukunftschancen stärken und ihr Image verbessern. Die großen Verbände der wichtigsten Akteure am Bau - von der Baustoffindustrie über die Baumaschinenindustrie, die planenden Berufe, die ausführenden Unternehmen bis zur IG BAU - haben heute das "Leitbild Bau" unterzeichnet und Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee in Berlin übergeben.

Tiefensee begrüßt die Initiative: "Die Bauwirtschaft ist eine Schlüsselbranche in Deutschland. Sie erwirtschaftet elf Prozent des Bruttoinlandproduktes und gibt 12 Prozent der Beschäftigten Arbeit. Gemeinsames strategisches Handeln ist das Markenzeichen einer wirtschaftspolitischen Zukunftsbranche. Der Schulterschluss der Bauwirtschaft setzt ein deutliches Zeichen beim Bewältigen der Konjunkturkrise."

Das Leitbild dokumentiert die in den vergangenen Jahren eingeleitete Wende in der Branche: Alle Akteure am Bau verpflichten sich auf die strategischen Ziele Nachhaltigkeit, Optimierung von Bauwerken über den Lebenszyklus, faire Kooperation und eine Stärkung des Qualitätswettbewerbs. Das schließt die konsequente Bekämpfung von illegaler Beschäftigung und Schwarzarbeit ein. Beim nachhaltigen Bauen hat die Branche den Anspruch, auch international eine Führungsrolle zu übernehmen.

Das Leitbild greift ebenfalls das Thema Qualifikation und Ausbildung auf. Dem bereits heute absehbaren Mangel an qualifizierten Facharbeitern und Bauingenieurinnen und -ingenieuren will die Branche mit attraktiven Arbeitsbedingungen als auch verstärkten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie einer Imagekampagne begegnen.

Seit Mitte der 90er-Jahre hat die Bauwirtschaft - verstärkt durch die über viele Jahre rückläufige Baukonjunktur - einen harten Preiswettbewerb verzeichnet, der oft zu Lasten der Qualität des Gesamtproduktes ging. "Naturgemäß sind am Bau viele Akteure beteiligt, die sich in der Vergangenheit zu oft ausschließlich auf ihre singulären Interessen konzentriert haben - zum Nachteil der Branche als Gesamtheit", begründen die Akteure den bislang einmaligen Schritt.

Herbert Bodner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, hob die Bedeutung des Leitbildes für das Image der Branche hervor.

"Nach wie vor ist zu wenig bekannt, was die Bauwirtschaft für unsere Gesellschaft leistet. Das Leitbild wird dazu beitragen, dass der Öffentlichkeit unsere Rolle als Schlüsselindustrie für die deutsche Volkswirtschaft angemessen deutlich gemacht wird", sagte Bodner.

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Dr. Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, wies auf die zentrale Bedeutung der Baubranche für die Bewältigung von demographischen und klimatischen Herausforderungen hin.

"Nachhaltiges Bauen in Zeiten des Klimawandels sowie die geänderten Anforderungen der Bewohner und Nutzer bieten unserer Baubranche die Chance, ihr Potenzial als innovativer Problemlöser auszuschöpfen. Auch mit neuen Technologien, wie der Geothermie, und neuen Bauprodukten, die z.B. auf Nanotechnologie setzen, wird die deutschen Bauwirtschaft im In- und Ausland weitere Märkte erschließen."

Darüber hinaus forderte Loewenstein, die Bauherrenseite stärker als bisher in die Verantwortung für eine höhere Bauqualität einzubinden.

Der Präsident der Baustoffindustrie, Dr.-Ing. Gernot Schaefer, erläuterte vertiefend zur Innovationskraft der Branche:

"Insbesondere bei Wärmedämmverbundsystemen und Mauerwerksbau gibt es erhebliche Fortschritte für Wärmeleitwerte, Schallschutz und Oberflächen. Durch neue Zuschläge können Schadstoffe wie Stickoxide aus der Luft gebunden werden. Potentiellen Kunden und Anwendern werden diese neuesten Entwicklungen u.a. über den BAUMA-Innovationspreis transparent gemacht. Diese Innovationen sowie neue Bauverfahren, neue Gebäude- und Infrastrukturkonzepte sind nur möglich, wenn auch die Maschinen- und Gebäudetechnik ihren Beitrag leistet", sagte Dr.-Ing. Gernot Schaefer.

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt, Klaus Wiesehügel, betonte, dass die Branche gemeinsame Lösungen zur Stärkung der Legalität umsetzt.

"Die Generalunternehmerhaftung ist ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung von illegaler Beschäftigung und Schwarzarbeit am Bau. Sich gemeinsam für ihren Erhalt einzusetzen, zeugt von einer funktionierenden Sozialpartnerschaft", sagte Wiesehügel.

Der Präsident der Bundesarchitektenkammer, Prof. Arno Sighart Schmid, erklärte zur Bedeutung der Ausbildung von Architekten und Bauingenieuren:

"Die Abkehr von den Diplomstudiengängen hat zu einer Absenkung des Ausbildungsniveaus und einer unübersichtlichen Anzahl von Studienabschlüssen geführt. Die Bundesingenieurkammer und die Bundesarchitektenkammer fordern eine Neuausrichtung des Bolognaprozesses mit dem Ziel, die Qualität der Ausbildung anzuheben. Für Architekten und Stadtplaner ist damit ein 5-jähriges Studium entsprechend UNESCO/UIA Charter for Architectural Education und für Bauingenieure mindestens sieben Semester unter Durchsetzung der fachlichen Standards des Akkreditierungsverbundes für Studiengänge des Bauwesens (ASBau) notwendig. Der bisher international gute Ruf der deutschen Architekten- und Ingenieurausbildung ist auf hohem Qualitätsniveau sicherzustellen."

Folgende Kammern und Verbände haben das Leitbild Bau unterzeichnet:

Bundesarchitektenkammer
Bundesingenieurkammer
Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden
Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen
GEFMA Deutscher Verband für Facility Management
Hauptverband der Deutschen Bauindustrie
Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt
Verband Beratende Ingenieure
Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Zentralverband Deutsches Baugewerbe
Zweckverbund Ostdeutsche Bauverbände

Quelle: externer Link in neuem Fenster folgtBundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung


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