News


Bestellen Sie den
Beton-Newsletter hier, um automatisch und regelmäßig über aktuelle Beton-News informiert zu werden.
20.04.2009
Kommentar zur Wirtschaftskrise: Krise Ja. Resignation Nein.
In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift DER BAUUNTERNEHMER erschien folgender Kommentar von Thomas Kaczmarek, (Geschäftsführer InformationsZentrum Beton und BetonMarketing Deutschland GmbH)
Seit Monaten vergeht kein Tag, ohne neue Horrormeldung: Von Verlusten oder Stützungsbürgschaften in Milliardenhöhe ist dabei stets die Rede. Die Geldeinheit „Millionen“ scheint aus der Mode gekommen zu sein. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns fest im Griff. Aber sieht die Zukunft schwarz aus?
Wir alle wissen, dass es bei Investition und Konsum Einschnitte geben wird. Vielerorts wird auf die Nachfragerückgänge bereits mit Kurzarbeit oder gar Frei-setzungen reagiert. Sicher, die mittelfristige Perspektive sieht nicht rosig aus, aber gerade die Baubranche ist gut aufgestellt. In den vergangenen zehn Jahren wurden die Hausaufgaben gemacht, Überkapazitäten in vielen Bereichen abgebaut und die Mitarbeiterzahlen bei den Herstellern oder Verarbeitern auf die niedrigen Volumina eingestellt. Nun muss die Bauwirtschaft insgesamt mutig vorangehen, anpacken und die Krise aktiv meistern. Für die Firmenmanager ist die Zeit gekommen, etwas zu „unternehmen“.
Mit den Förderprogrammen der Regierung – allen voran den Konjunkturpaketen I und II – stehen rund 17 Milliarden Euro für Infrastrukturinvestitionen bereit. Nun müs-sen wir sicher stellen, dass dieses Geld auch zeitnah abgerufen werden kann und konkrete Aufträge für die Bauwirtschaft daraus abgeleitet werden. Leider sind die Planfeststellungsverfahren für viele wichtige Bauprojekte in Ländern, Städten und Kommunen noch nicht abgeschlossen. An einigen Stellen sind die Planungsabtei-lungen in den letzten Jahren der Finanzknappheit stark verkleinert worden. Nun geht es darum, im engen Zeitfenster der nächsten drei Jahre die kommunalen Bauprojekte zügig voranzutreiben und die Investitionsmittel für sinnvolle Projekte abzurufen.
Großes Potential für die deutsche Bauwirtschaft bieten auch die angestrebten staatlichen Investitionen im Bereich der energetischen Gebäudesanierung. Kurzfristig betrachtet ist dies eine Steilvorlage für die Dämmstoffindustrie und den Anlagenbau rund um die Haustechnik. Hier werden schnelle Einspareffekte erzielt und subven-tioniert. Bei einer mittel- bis langfristigen Betrachtung muss allerdings darauf geachtet werden, nur die Immobilien zu sanieren, bei denen es nur wirtschaftlich und ökologisch Sinn macht und es auch langfristig und mit einem gesellschaftlich-städtebaulichen Konzept vereinbar ist. Denn bei vielen Wohnungen aus den 50er, 60er und 70er Jahren ist Neubau wirtschaftlicher als Modernisierung.
Diese Betrachtung der Nachhaltigkeit darf nicht zu kurz kommen und bedeutet im Einzelfall mehr Mut zur Neuerstellung von Wohnraum an Stelle von maroder Bau-substanz, deren bedarfsangepasste Modernisierung und energetische Sanierung höhere Kosten verursacht als Abriss und Neubau. Denn es hilft nicht immer, nur eine Dämmstoffhülle um ein marodes Gebäude zu kleben, zumal die hohe Wärmespeicherfähigkeit massiver Baustoffe in Sachen Effizienz vorbildliche Eigenschaften bei der Energiebilanz von zeitgemäßen Gebäuden aufweist.
Wir sind uns bewusst, dass die staatlichen Investitionen im öffentlichen Bereich der Auftragslage im Bausektor neue Impulse verleihen werden. Dringend erforderlich ist allerdings die zusätzliche Mobilisierung privater Investoren. Hier sind vor allem steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für Wohnimmobilien auf dem Prüfstand. Diese sind auch für die Wohnungsbaugesellschaften ein ganz entscheidender Faktor für deren Engagement in neue Bauprojekte. Für die Stärkung des Neubaus bei den erforderlichen Mietwohnungen in Ballungszentren muss der Abschreibungssatz für Wohngebäude von derzeit linear zwei auf mindestens vier Prozent angehoben wer-den.
Auch für die Stärkung der Wohneigentumsbildung privater „Häuslebauer“ ist der Zeitpunkt günstig: Der Wertverlust bei toxischen Papieren, wie Aktien oder Derivaten oder eine in Aussicht stehende Inflation sind Gründe genug, wieder intensiver über die eigenen vier Wände nachzudenken. Durch ein familienfreundliches Steuermodell kann hier der letzte Impuls gegeben werden, die längst überfällige Verbesserung der Eigentumsquote in Deutschland wieder anzuheben.
Also: Wir stehen vor einer großen Aufgabe. Alle am Bauprozess Beteiligten sind gut vernetzt. Vieles können wir zwar noch besser machen. Aber lassen Sie uns die Chancen nicht zerreden sondern anfangen, die vor uns liegenden Projekte abzuar-beiten. Wir werden alle Hände voll zu tun haben - mit den Bauprojekten und einer Vielzahl von hoffentlich erfolgreichen Gesprächen in Politik und Verwaltung während des Wahljahres 2009.
Quelle: BetonMarketing