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12.05.2009
Bauprognosen: Erholung 2010, doch nur noch moderates Wachstum bis 2018?
Die Baubranche hat von der Regierung einen Schutzhelm aus Konjunkturmaßnahmen bekommen: Dennoch trifft sie der Faustschlag der Rezession hart: Die Bauinvestition sollen um knapp 4 Prozent zurückgehen, bereits ist von Umsatzeinbußen über 2 Prozent im Baugewerbe die Rede. Die Bausektoren wackeln: Vom Wirtschaftsbau war man rapides Wachstum gewohnt - künftig wird er aber wohl noch weitaus stärker zurückgehen als der notorisch rückläufige Wohnungsbau. Der öffentliche Nichtwohnungsbausektor, bisher fast eine Randerscheinung, wird dagegen nun zur Stütze der größeren Bausparten - Konjunkturpaket II sei Dank. Was wird aber, wenn der Eurostrom versiegt ist? In diesem Artikel finden Sie Prognosen für die nahe Zukunft am Bau - und einen Ausblick auf die mögliche Entwicklung der nächsten 10 Jahre.
Laut Gemeinschaftgutachten der Institute sinken die Bauinvestitionen im Jahr 2009 um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Demgegenüber wird für 2010 wieder ein leichter Anstieg von 1,9 Prozent erwartet. Eine über die nächsten zwei Jahre hinausreichende Belebung wird es aber kaum geben: Zu groß ist der derzeitige Nachfrageschwund im Wohnungsbau, vor allem aber im gewerblichen Bau. Die jüngste Bauvorausschätzung des ifo-Instituts geht aus diesem Grund sogar von einem leichten Rückgang des gesamten Bauvolumens im Jahr 2009 aus. Erst 2010 wird die Wirkung der Konjunkturpakete der Bundesregierung einsetzen. Im Schnitt der Jahre 2008 bis 2018 wird in der gesamten Branche ein moderater Zuwachs von 0,5 Prozent pro Jahr erwartet.
Keine Impulse vom Wohnungsneubau, Modernisierung gedeiht auch im Krisenklima
Die Investitionen im Wohnungsbau haben sich trotz der Neubaumisere vor allem dank der Modernisierung des Wohnungsbestandes auf einem stabilen Niveau eingependelt, der durch die Förderung im C0²-Gebäudesanierungsprogramm zusätzliche Impulse erhalten hat. Durch die Krise sollen sie jedoch laut Frühjahrsgutachten im Jahr 2009 um 3 Prozent vom Vorjahresniveau abfallen: Die Situation auf dem Arbeitsmarkt spitzt sich derzeit wieder zu: Die für Investitionen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte werden voraussichtlich stagnieren. Darüber hinaus dürfte die zu erwartende Erhöhung des Arbeitslosigkeitsrisikos dafür sorgen, dass die Banken zunehmend restriktivere Bedingungen an die Vergabe von Baukrediten an private Bauherrn und Gebäudemodernisierer knüpfen werden. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) rechnet für 2009 bereits mit einem Umsatzminus im Bauhauptgewerbe von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Im Jahr 2010 kann man dagegen wieder mit einer leichten Erholung des Sektors rechnen: Gegenüber dem Niveau von 2009 könnten die Wohnungsbauinvestitionen im Jahr 2009 wieder um 1,4 Prozent ansteigen. Damit wäre das Investitionsniveau 2010 im Bereich von 139 Milliarden Euro (zu Preisen von 2008) angekommen. Voraussetzung dafür ist, dass die im Rahmen des Konjunkturpakets I nochmals ausgeweiteten Förderungsmaßnahmen bei energetischen Sanierungen von Wohngebäuden Erfolge zeigen.
Aufgrund weiterhin hoher Modernisierungsaufwendungen wird sich der Wohnungsbau deshalb auch langfristig gesehen etwas besser entwickeln als die beiden anderen Bausparten. Das Wohnungsbauvolumen wird sich nach den ifo-Schätzungen in den nächsten zehn Jahren im Durchschnitt um rund 0,7 Prozent pro Jahr in 2018 erhöhen.
Stabilisiert sich der Wohnungsneubau langfristig?
Dermaßen moderat trotz Sanierungsboom bleibt das Wachstum im Wohnungsbau vor allem wegen des weiterhin niedrigen Neubauniveaus: Denn der Staat ist aus der Wohnneubauförderung großen Stils nahezu ausgestiegen: Im Vergleich zur Eigenheimzulage wirken Wohn-Riester, Bausparprämien und Co marginal. Die Förderabstinenz rächt sich: Im Jahr 2007 wurden etwa 180.300 neue Wohnungen fertiggestellt. Für das Jahr 2008 wird nach vorläufigen Schätzungen ein weiterer Rückgang um 7 Prozent im Vergleich zu 2007 angenommen, also circa 173.000 neu fertiggestellte Wohnungen. Auch die Entwicklung der Baugenehmigungen deutet auf Rückgang hin: In der jüngsten Prognose der Münchner BauMarktforschung wird ein Rückgang der Baugenehmigungen auf145.000 Wohnungen erwartet Gegenüber den Genehmigungszahlen von 2009 würde das einen Rückgang zwischen 4 und 5 Prozent bedeuten.
Dennoch sehen die langfristigen Chancen nach moderater Erholung aus: Im Jahr 2018 werden laut ifo-Prognose knapp 160.000 neue Wohnungen in Ein- und Zweifamiliengebäuden und rund 115.000 Wohnungen in Mehrfamiliengebäuden fertig gestellt, insgesamt also über 100.000 mehr Wohnungen als 2008.
Aus für das starke Wachstum im gewerblichen Nichtwohnungsbau
Der gewerbliche Nichtwohnungsbau wurde in den letzten drei Jahren vom gesamtwirtschaftlichen Aufschwung kräftig mitgezogen. Doch bei den Unternehmen gehen derzeit alle Investitionen - ob Ausrüstungs- oder Bauinvestitionen - radikal zurück: Wenn ab Jahresmitte 2009 die laufenden Auftragsbestände abgearbeitet sind, wird es vorerst wohl nicht mehr viele neue Bauaufträge geben Die Bauinvestitionen im gewerblichen Nichtwohnungsbau werden laut Prognose der Institute im Jahr 2009 um 10 Prozent gegenüber dem hohen Niveau von 2008 zurückfallen und im Jahr 2010 noch einmal um 3 Prozent unter dem Ergebnis von 2009 liegen: Im Jahr 2010 wären damit die gewerblichen Investitionen auf einem Niveau zwischen 52 und 53 Milliarden Euro (zu Preisen von 2008) angelangt. Erst gegen Ende 2010 könnte der Wirtschaftsbau wieder etwas mehr in die Gänge kommen, falls die konjunkturelle Lage sich bis dahin etwas erholt haben sollte.
Bis dahin liegen viele Investitionen der Unternehmen aber auf Eis: Abgesehen davon, dass geplante Projekte aufgrund der riskanten konjunkturellen Lage zurückgestellt werden und die Finanzierungsbedingungen denkbar ungünstig sind, wird nach Ansicht der Institute vor allem das starke Misstrauen zwischen den Banken noch lange dämpfend wirken: Die Finanzierung von Großprojekten, die häufig eine Zusammenarbeit mehrerer Banken erfordert, wird dadurch zusätzlich erschwert.Im gesamten Wirtschaftsbau erwartet der ZDB im jahr 2009 einen Umsatzrückgang um 8,6 Prozent.
Auch langfristig fällt der gewerbliche Nichtwohnungsbau als Impulsgeber weg. Die Bauvorausschätzung für den Wirtschaftsbau geht davon aus, dass das gewerbliche Nichtwohnungsbauvolumen im Jahr 2018 bei 77,5 Milliarden Euro (in Preisen des Jahres 2000) liegen wird, also um weniger als eine Milliarde über dem für 2008 angenommenen Bauvolumen (circa 76,5 Milliarden). Der Grund für diese geringfügige Wachstumsannahme: Ohnehin war schon Mitte 2008 nach drei Jahren anhaltender Bautätigkeit der Unternehmen langfristig mit einer Konsolidierung zu rechnen. Diese Phase hat durch die Krise nur schon vorzeitig eingesetzt. Viele Industriefirmen werden deshalb wohl auch nach dem Abklingen der Krise weiterhin eher auf Kapazitätsauslastung als auf Investitionen setzen.
Daher wird sich die Bautätigkeit der Unternehmen eher auf die Aufrechterhaltung und Sanierung ihrer Bestände konzentrieren als auf den Neubau. Die Folge: Der Nichtwohnungsneubau wird sich rückgängig entwickeln, die Bestandsmaßnahmen weiten sich dagegen aus und stützen das Bauvolumen des Sektors notdürftig.
Der öffentliche Bau kann sich nur kurze Zeit austoben
Wenn die Wirtschaft unter der Rezession leidet, muss der Staat mit antizyklischen Maßnahmen reagieren. Daraufhin zielen die meisten bauwirtschaftlichen Vorgaben in den Konjunkturpaketen I und II der Bundesregierung. Der öffentliche Bau, der kleinste Bausektor, wird also am meisten zulegen, doch wenn die Mittel aufgebraucht sind, wird der Schub wohl wieder verebben. Bis 2018 wird das öffentliche Bauvolumen laut ifo den Stand des Jahres 2008 ungefähr halten können, also bei ungefähr 37,5 Milliarden Euro liegen.
Immerhin: Im öffentlichen Hochbau werden die Konjunkturpakete der Bundesregierung nach Einschätzung der Institute ab dem zweiten Halbjahr 2009 kräftig Wirkung zeigen: Insgesamt wird im Jahr 2009 ein Anstieg der öffentlichen Bauinvestitionen im Nichtwohnungsbau um 8,1 Prozent gegenüber 2008 erwartet. Im Jahr 2010 dürfen die Bauinvestitionen von Bund, Ländern und Kommunen demgegenüber sogar nochmals um 15,7 Prozent ansteigen. Damit lägen die öffentlichen Bauinvestitionen bei bis zu 14 Milliarden Euro.
Vor allem die Fördermittel für infrastrukturelle Modernisierungsmaßnahmen und die Sanierung von Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen im Rahmen des Konjunkturpakets II werden das öffentliche Investitionsvolumen anschwellen lassen. Da sich diese Maßnahmen vor allem auf Branchen im Ausbaugewerbe konzentrieren, rechnen die Institute allerdings mit Preissteigerungen in einigen Bereichen, die die realen Auswirkungen der Investitionsprogramme mindern. Im Tief- und Straßenbau sind die Möglichkeiten der Kommunen, Mittel des Konjunkturpakets zu verplanen, ungleich eingeschränkter. Zumindest die Straßenbaumaßnahmen des Bundes mit Milliardenetats aus dem Konjunkturpaket I sind dem Tiefbausektor schon so gut wie sicher. Im gesamten öffentlichen Bau erwartet der ZDB im jahr 2009 8,6 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr.
Anfang bis Mitte 2010 wird der öffentliche Baumotor am stärksten brummen. Spätestens ab Mitte 2010, wenn die Fördermittel aufgebraucht sind, dürfte die angespannte Finanzlage der Kommunen den öffentlichen Investitionsspielraum wieder wesentlich einengen: Die rezessionsbedingten Steuerausfälle der Gemeinden und die Senkung der Einkommenssteuer drücken dann wieder auf die die öffentlichen Kassen.
Quelle:
BauInfoConsult GmbH