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30.04.2008
Bauindustrie zum Zustand der Leitungsinfrastruktur
DIFU-Zahlen nur Spitze des Eisbergs – eigentliche Probleme im nicht-öffentlichen Leitungsnetz
„Der geschätzte Investitionsbedarf von 87,3 Milliarden Euro für Ausbau und Erhalt der kommunalen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sind nur die Spitze des Eisbergs. Die eigentlichen Probleme liegen in den nicht-öffentlichen Leitungsnetzen. “ Mit diesen Worten kommentierte heute in Berlin Ewald Weber, Vorsitzender des bauindustriellen Fachverbandes BFA Leitungsbau, die vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIFU) veröffentlichte Schätzung des kommunalen Investitionsbedarfs 2006 bis 2020 für den Bereich Leitungsinfrastruktur. 450.000 Kilometer öffentlicher Kanäle sind danach in weiten Teilen sanierungsbedürftig. Allein hierfür setzt das DIFU in seiner Studie 21,9 Milliarden Euro Investitionsbedarf an.
Der kritische Zustand der privaten Kanäle und Hausanschlussleitungen sei seit Jahren bekannt, erklärte Weber. Die privaten Kanäle in Deutschland umfassten die zwei- bis dreifache Länge des öffentlichen Kanalnetzes; davon seien je nach Schätzung zwischen 40 und 70 % defekt. Weber: „Wir schätzen, dass die vom DIFU nicht erfassten Sanierungskosten bei privaten Kanälen bei etwa 49 Milliarden Euro liegen.“
„Doch nicht nur die Kanäle, auch der Zustand der deutschen Energieversorgungsnetze wirft Fragen auf,“ ergänzt Weber. So habe sich die Bundesnetzagentur im März 2008 besorgt über den Zustand der Strom-Überlandleitungen in Deutschland geäußert. Der Ausbau und die Erneuerung der Netze seien überfällig, mittelfristig Engpässe nicht auszuschließen. Allein der Netzausbaubedarf bis zum Jahr 2020 wird vom Energiewirtschaftsverband BDEW mit 40 Milliarden Euro beziffert.
Sorgen bereitet laut Weber auch die Instandhaltung des 1,6 Millionen Kilometer langen Stromnetzes sowie der 320.000 Kilometer Gasnetz. Immerhin 52 % der Gesamtinvestitionen bei der Energieversorgung entfielen auf die Netze. Die in Deutschland über die Bundesnetzagentur gesteuerte Regulierung der Energieversorgung habe 2007 zu einem Einbruch der Investitionen in diese Leitungsnetze geführt. Ein Ende der Abwärtsspi¬rale sei nicht abzusehen, denn die Deckelung und schrittweise Absenkung der Gebühren erzwinge mittelbar Einschnitte in den Investitionsetats für die Energieversorgungsnetze. Weber: „Wir unterstützen faire Energiepreise, jedoch nicht eine Kaputtregulierung der deutschen Leitungsnetze“.
Der bauindustrielle Fachverband BFA Leitungsbau ist Organ des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie mit Sitz in Berlin. Er vertritt dort die Interessen der deutschen Bauindustrieunternehmen mit Tätigkeitsschwerpunkt Leitungsbau.
Quelle:
Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.