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18.08.2010
Objektbericht: Erweiterung Staatstheater Darmstadt
Das Staatstheater Darmstadt ist einer der größten Theaterbauten der Nachkriegszeit in Deutschland. Zwischen 2003 und 2007 erfolgte eine umfassende Sanierung des in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Rudolf Prange entworfenen Theatergebäudes am Georg-Büchner-Platz. Mit einem strahlend weißen Eingangsgebäude sowie einem großen Balkon zur Stadt hin wurde es völlig „neu inszeniert“. Nach Abschluss dieser Arbeiten war die anschließende Sanierung der Tiefgarage ein konsequenter Schritt, um einen Besuch des Hauses noch attraktiver zu gestalten. Jetzt werden die Besucher nicht nur mit mehr Parkkomfort, sondern auch einer repräsentativ gestalteten Georg-Büchner-Anlage empfangen.
Das Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei nutzte die Sanierung der Tiefgarage als Chance, den Theater-Vorplatz einladender zu gestalten und aus seiner Isolierung in einer Grünanlage zu befreien. (Foto: Dyckerhoff Weiss)
Das Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei, das bereits das Theater saniert hatte und dem das repräsentative Eingangsbauwerk zu verdanken ist, nutzte auch die Sanierung der in die Jahre gekommen Tiefgarage als eine Chance, die Spielstätte noch einladender zu gestalten. Zudem sollte das Theater aus seiner Isolierung in einer Grünanlage befreit und so schon von außen weithin sichtbar werden, dass Darmstadt eine Theaterstadt von Bedeutung ist.

Als zentrale und markante Gestaltungselemente der Georg-Büchner-Anlage platzierte das Stuttgarter Architektenteam über der Tiefgarage pilzförmige Schirme. (Foto: Dyckerhoff Weiss)
Dreigeteilte Platzebene
Die Georg-Büchner-Anlage war aus Sicherheitsgründen so zu gestalten, dass eine Übersichtlichkeit in alle Bereiche jederzeit gegeben ist. Aus der räumlichen Situation und der Wegführung ergab sich zwangsläufig eine Dreiteilung der Platzebene. Diese drei Bereiche werden dabei durch die Zugänge zur Tiefgarage definiert; denn sie liegen jeweils an den gegenüberliegenden Straßenseiten sowie im mittleren Platzteil. Durch das Freihalten der Mitte wird das Eingangsbauwerk des Staatstheaters in den weiten Stadtraum einbezogen. Der mittlere Platzbereich bietet zudem verschiedene Möglichkeiten der temporären Nutzung, etwa als Zuschauerbereich bei Darbietungen im Eingangsportal oder als Aufstellfläche für Feststände. Die beiden seitlichen Platzbereiche sind als Flächen mit Grünanteil und großkronigen Bäumen in regelmäßigen Reihen angelegt. Sie schließen an den mittleren Platzbereich über geschwungene Stützwände aus weißem Sichtbeton an, die die verschiedenen Niveauaufführungen aufnehmen und teilweise als Sitzgelegenheiten genutzt werden können. An dieser Stelle hat auch eine Plastik des italienischen Bildhauers Amaldo Pomodoro ihren Platz gefunden.
Die aus weißem Beton gestalteten Pilze dienen dem Witterungsschutz der Ausgänge und dem Lichteintrag in die Tiefgaragenebene. (Fotos: Dyckerhoff Weiss)
Weißer Beton als prägendes Material
Als zentrales und markantes Gestaltungselement der Georg-Büchner-Anlage platzierte das Stuttgarter Architektenteam über der Tiefgarage pilzförmige Schirme. Sie dienen dem Witterungsschutz der Ausgänge und dem Lichteintrag in die Tiefgaragenebene. Ihre Konstruktion ist so geformt, dass sie am Abend auch die Führung für die Ausleuchtung großer Platzflächen mit künstlichem Licht übernimmt. Die Schirme, wie auch die übrigen prägenden Gestaltungselemente sind aus weißem Sichtbeton gefertigt. Mit der Materialauswahl nahmen die Planer Bezug auf das zuvor gebaute, neue weiße Portal. Auf diese Weise entstand ein homogenes Erscheinungsbild. Künftig werden die Besucher beim Verlassen der Tiefgarage bereits von den weißen Betonkonstruktionen empfangen, die sie rein optisch schon hin zum Eingangsportal führen. Gleichzeitig griffen die Architekten - wie schon beim Eingangsbauwerk - mit dem Werkstoff Beton das Hauptbaumaterial des ursprünglichen Theaterbaus auf. Als Zement kam Dyckerhoff Weiss, der Ästhet unter den Zementen zum Einsatz. Ausgeführt wurde das Objekt von der Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, Frankfurt, der Schalungsbau erfolgte bei Wayss & Freytag in Stuttgart.
Beim Verlassen der Tiefgarage werden die Besucher von den weißen Betonkonstruktionen empfangen, die sie schon rein optisch hin zum Eingangsportal führen. (Fotos: Dyckerhoff Weiss)
Um die Erschließung der Tiefgarage möglichst übersichtlich zu gestalten, wurden in zwei Reihen mit regelmäßigen Abständen neun neue Treppenhäuser als Flucht- und Rettungswege eingebaut. Weiterhin wurden Lichtschächte aus mit Glasbausteinen gestalteten Wänden hergestellt. Dadurch gelangt Tageslicht in die Tiefgarage und sorgt für Orientierung und Sicherheit. Auf der nordöstlichen, zur Innenstadt hin gelegenen Seite wurde ein großzügiger „Cityaufgang“ geschaffen, der den stadtnahen Treppenaufgang darstellt. Er wird ergänzt durch eine Aufzugsanlage, damit die Parkebene auch behindertengerecht erreicht werden kann. Großzügige Öffnungen sorgen auch hier für Belichtung von oben.
Mit dem Weiss Zement nahmen die Planer Bezug auf das neue weiße Portal, so entstand ein homogenes Erscheinungsbild. (Fotos: Dyckerhoff Weiss)
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten verfügt die Tiefgarage über den Charakter einer City-Garage, die nicht nur Theaterbesuchern zur Verfügung steht. Mit 357 Stellenplätzen und einem behindertengerechten Zugang wird sie hohen und komfortablen Ansprüchen gerecht. Tageslicht von oben und transparent gestaltete Wände sorgen für gute Orientierung und Sicherheit. Die Neugestaltung der Georg-Büchner-Anlage - als letzter Bauabschnitt im Frühjahr 2010 fertiggestellt - war eine weitere konsequente Maßnahme, das Staatstheater noch attraktiver und im Stadtraum wieder präsent zu machen.
Quelle: Dyckerhoff // wero press