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09.02.2010

Neubau B. Braun Medical in Melsungen

Sichtbeton wohin man schaut: Bei der multifunktionalen Erweiterung der Produktionsstätte des Medizintechnik- und Pharmaunternehmens B.Braun Melsungen AG am Stammsitz im nordhessischen Melsungen muss die bauausführende Ed. Züblin AG, Bereich Stuttgart, erstklassige Betonoberflächen mit spezieller Fugenführung herstellen. Die benötigten Sonderschallösungen werden Wand für Wand von der Harsco Infrastructure (vormals Hünnebeck) Projektentwicklung in Ratingen erarbeitet, vom Architekten freigegeben und anschließend exakt nach Vorgabe hergestellt.

Raffinierte Sonderlösung: Die runden Brüstungen werden mit einsatzbereit vorgefertigten Großflächenelementen aus H 20-Trägern, Kranzbohlen und Spanten hergestellt. Die Elemente werden auf ID 15-Türme gestellt und fungieren zunächst als Deckenrandschalung. Im zweiten Betonierabschnitt wird dann die Sichtbetonbrüstung hergestellt. (Foto: Harsco Infrastructure)


In kurzen 16 Monaten Rohbauzeit soll die neue Fabrik für Infusionspumpen und Dialysemaschinen entstehen – ein Gebäudekomplex in Mischbauweise (Ortbeton, Halbfertigteil-Decken und Stahlbau) mit Produktionshalle, Werkstätten, Reinräumen, Laboren, sowie einem Bürokomplex, einer Kantine und einem mehrgeschossigen Parkhaus. Die auf ihre spätere Nutzung abgestimmten ein- bis viergeschossigen Gebäudeteile besitzen teilweise ein Untergeschoss, teils sind sie ebenerdig gegründet. Sechs durchgehende Treppenhäuser und diverse Aufzugschächte schaffen Zugang zu allen Bereichen.

Rund 23.400 m3 Ortbeton wird die Baustelle bis zu ihrer geplanten Fertigstellung im September 2010 verschlingen. Viel Arbeit für die Rohbauer, die knapp 60.000 qm Wand- und Deckenfläche einschalen müssen: 3.700 qm Schalfläche entfallen auf Fundamte, knapp 12.000 qm auf Decken, hinzu kommen 6.600 qm Unterstützung für Filigrandecken, 1.000 qm Stützenschalung und 3.500 qm Schalung für Unter- und Überzüge sowie Brüstungen. Komplexe Schalaufgaben, bei deren Lösung sich Züblin auf Planungsleistungen und Material von Harsco Infrastructure verlässt. 

Das Gros der benötigen Schalung entfällt mit 32.300 qm auf Wandflächen – und die haben es aus schalungstechnischer Sicht in sich. Ob Parkhausspindeln, Treppenhäuser oder Außenwände der aufgehenden Bauteile: Überall ist Sichtbeton der Klasse 3 gefordert, also Betonflächen mit hohen gestalterischen Anforderungen. Neben einer besonders hochwertigen Oberfläche hat vor allem ein zwingend vorgegebenes Fugen- und Ankerbild die Auswahl der Schalungslösungen bestimmt. Zum Einsatz kommen Sonderlösungen aus Großflächenelementen (auf Basis von H 20 Holzträgern), die Harsco Infrastructure vorgefertigt und einsatzbereit auf die Baustelle hat liefern lassen. Für jede einzelne Wandfläche haben die Ratiner Projektentwickler die exakte Ausbildung der benötigten Schalelemente erarbeitet, Ansichten gezeichnet und dem Architekten das Anker- und Fugenbild zur Freigabe vorgelegt. Das Ergebnis dieser aufwändigen Schalungsplanung: rund 150 Ansichts-, Montage- und Stellpläne in DIN-A0. Sie sorgen dafür, dass sämtliche Betonoberflächen exakt nach Wunsch hergestellt werden. Dank sorgfältiger Arbeitsvorbereitung aller Beteiligten erzielen die Rohbauer unter Anleitung von Züblin-Oberpolier Rainer Knödler die verlangte hohe Qualität und erfüllen zudem die eng gesteckten Zeitvorgaben.

Schalelemente für Sichtbetonklasse 3

Zentrale Forderung bei den geraden Wandflächen (Fassade und Treppenhaus) ist die Herstellung einer durchlaufenden Fuge über sämtliche Gebäudeteile (Oberkante auf 2,77 m) Höhe). Das lässt sich allerdings nur durch den Einsatz ganz unterschiedlicher Elementhöhen erreichen, die von 2,50 m bis 6,00 m Höhe variieren. Weil keine Passstreifen erlaubt sind, mussten zudem Schalelemente mit Sonderbreiten gebaut werden. Belegt sind die Schalelemente mit einer Kunststoffschalhaut – bevorzugtes Plattenmaß: 1,50 m x 3,00 m. Bei der Herstellung der Außenwände gibt es noch eine weitere Besonderheit: Sie werden als Lochfassade ausgeführt. Die zur Betonage nötigen Fensteraussparungen hat ebenfalls Harsco Infrastructure passgenau herstellen lassen. Sie werden vor Ort auf die Sichtbetonwandschalung montiert, dann kann betoniert werden. 

Schalungstechnisch höchst anspruchsvoll gestaltet sich auch die Herstellung der Parkhausspindeln (Innenzylinder-Ø: 10 m) mit ihren nebeneinander liegenden Auf- und Abfahrten. Ebenfalls ein Einsatzfall für Sonderelemente der Großflächenschalung. Diesmal allerdings in runder Ausführung aus H 20-Trägern und Kranzbohlen. Die 3,50 m hohe Schalung steht auf einem Klappgerüst und klettert in drei Abschnitten nach oben. Die auskragenden 3,80 m breiten Fahrbahnplatten werden mit der Holzträgerdeckenschalung Topflex hergestellt und versetzt parallel nachgezogen. 

Schalungstechnisch höchst anspruchsvoll: Die Herstellung der Parkhausspindeln (Innenzylinder-Ø: 10 m) mit ihren nebeneinander liegenden Auf- und Abfahrten. (Foto: Harsco Infrastructure)


Für die Fahrbahnuntersicht wie auch die komplette Spindel ist Sichtbeton der Klasse 3 gefordert. Beispielsweise verläuft der Deckenspiegel strahlenförmig. Der Sonderschalungsbau von Harsco Infrastructure lieferte hierfür eine passgenau zugeschnittene Deckenschalhaut. Die umlaufende runde Brüstung nimmt den strahlenförmigen Verlauf der Deckenuntersicht auf und führt ihn weiter, was eine weitere Sonderschalung verlangte. Insgesamt hat Harsco Infrastructure für die runden Sichtbetonbauteile 110 Sonderschalelemente (600 qm) in 30 unterschiedlichen Varianten geliefert.

Nachdem mittlerweile gut 75 Prozent der Ortbetonbauteile termingerecht fertiggestellt sind, kann Züblin-Bauleiter Stefan Sigler durchatmen und ein positives Fazit ziehen: „Das gemeinsam mit den Schalungsplanern von Harsco Infrastructure erarbeitete Gesamtkonzept geht auf. Der Baufortschritt stimmt und die Qualität auch.“


Quelle: Harsco Infrastructure Deutschland GmbH


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