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05.01.2012

Museum Biedermann in Donaueschingen

Klassizistische Schönheit: Das 1841 erbaute Museum ist nach der jahrzehntelangen Nutzung als Kino heute als Museum Biedermann wieder ganz ein Ort der Kunst. Foto: gäbele&raufer.architekten.BDA

Vor Kurzem wurde in Donaueschingen das klassizistische Museumsgebäude an der Brigach renoviert und um einen modernen, monolithischen Anbau aus schwarz eingefärbtem Liapor-Leichtbeton in spezieller Sichtbetonoptik erweitert. Optisch und bauphysikalisch kontrastiert und harmoniert der Neubau dabei auf ganz eigene Weise mit dem weißen Bestandsgebäude – durch die verwendete Form und Materialität, aber auch durch die Ausführung in monolithischer Bauweise.

1841 im Auftrag der Donaueschinger Museumsgesellschaft gebaut, erfuhr das direkt an der Brigach und dem weitläufigen Park gelegene, im Stil des Klassizismus erbaute Museumsgebäude schon kurz nach seiner Fertigstellung eine wechselvolle Geschichte. So zerstörte bereits wenige Jahre nach der Eröffnung ein Feuer den Bau, der jedoch anschließend wiederhergestellt wurde und bis zum Ersten Weltkrieg als Ausstellungsgebäude fungierte. Zwischen 1937 und 2006 wurde das Haus als Kino genutzt. Nach dem Ende des Kinobetriebs erwarben Margit und Lutz Biedermann, ein Unternehmerehepaar aus Schwenningen, das Objekt. Das Ziel: die Wandlung vom baufälligen Altbau zum modernen, stilvollen Museum für die eigene Kunstsammlung.

Rückkehr zur ursprünglichen Identität

Die Sanierung und Neugestaltung des zweigeschossigen Museumsgebäudes übernahm das Architektenteam Tanja Raufer und Lukas Gäbele von gäbele&raufer.architekten.BDA aus Donaueschingen. Eine große Herausforderung, mussten doch verschiedenste Aspekte in ein stimmiges Gesamtkonzept integriert werden: "Es galt, einem alten, historischen Gebäude, das durch Ein-, Um- und Anbauten einige Veränderungen erfahren hatte, seine ursprüngliche Identität und architektonische Integrität zurückzugeben", erklärt Lukas Gäbele. "Gleichzeitig sollte die klassizistische Architektur auf dezente Weise mit zeitgemäßer Ausstellungstechnik ausgestattet und dabei eine stimmige Verbindung mit neuen, modernen Gebäudeteilen hergestellt werden." Während die beiden neuen Anbauten auf der Gebäuderückseite zusätzliche Ausstellungsflächen, Verwaltungsräume und den Lastenaufzug beherbergen, dient der Altbau als reine Ausstellungsfläche für die Exponate der Kunstsammlung Biedermann.


Das alte Bestandsgebäude wurde saniert und rückseitig um einen neuen Anbau aus schwarz eingefärbtem Liapor-Leichtbeton in Sichtbetonoptik ergänzt. Foto: gäbele&raufer.architekten.BDA 

Behutsame Bestandssanierung

Bei der Sanierung des bestehenden Museumsgebäudes wurde die historische Bausubstanz hinsichtlich Tragfähigkeit und Standsicherheit ertüchtigt, gleichzeitig wurden die Haus- und Sanitärtechnik, der Brandschutz sowie die Lüftungs- und Klimaanlagen behutsam in das bestehende Objekt installiert. So wurden die historischen Holzbalken der Decken mit neu im Balkenzwischenraum eingebrachtem Beton zu einem gemeinsamen, sicheren Tragsystem kombiniert. Um so viel wie möglich der alten Substanz zu bewahren, wurden für die Leitungsführung der Haustechnik bereits bestehende Öffnungen und Nischen genutzt. Auch die bestehenden Bruchsteinmauern mit rund 130 Zentimetern Mächtigkeit blieben erhalten. Sie erzeugen durch ihre physikalische Trägheit eine Pufferwirkung, die Klimaschwankungen entgegenwirkt – ideal gerade für museale Ausstellungsräume. Aufgrund der hohen Dämmwirkung des Mauerwerks mussten zur Beheizung auch keine störenden Heizkörper installiert, sondern nur praktisch unsichtbare Heizleitungen in die Wände eingelegt werden. Die alten Fenster konnten ebenfalls belassen werden, da die inwändig eingesetzten neuen Rahmen alle modernen Funktionen erfüllen.

Mit seiner Form und Materialität, aber auch durch die monolithische Bauweise steht der Neubau im Wechselspiel zum klassizistischen Altbau. Foto: gäbele&raufer.architekten.BDA 

Neubau im Spannungsfeld

Während das klassizistische Museumsgebäude in hellem Weiß erstrahlt, erscheinen die beiden über ein Flachdach verbundenen, kubusförmigen Anbauten an der Rückseite in schwarz eingefärbtem Leichtbeton in Sichtbetonoptik. Damit bilden sie einen spannungsvollen Kontrast zum Hauptgebäude, knüpfen mit ihrer Kubusform und ihrem Grundriss aber auch an die axialsymmetrische Grundkonzeption des bestehenden Gebäudes an. Gleichzeitig übersetzt der Neubau die Massivität der Bruchsteinmauern, aber auch deren gute bauphysikalische Eigenschaften in eine zeitgemäße Form.

Neubau im Spannungsfeld

Beim Anbau des Museums kam ein Liapor Leichtbeton LC12/13 mit einer Rohdichte von 1.200 kg/m3 zum Einsatz. Entwickelt wurde die Rezeptur in enger Abstimmung mit den Beton-Experten von Liapor und der J. Wintermantel Verwaltungs-GmbH & Co. KG mit Sitz in Donaueschingen, den Einbau der rund 800 Kubikmeter Leichtbeton übernahm die Gebr. Stumpp Bauunternehmung GmbH & Co. KG in Rottweil.
Besondere Aufmerksamkeit wurde bei der Gebäudeerrichtung der Ausgestaltung der Liapor-Sichtbetonflächen gewidmet. So wurden auf die Betonschalung Textilvliese aufgebracht, die durch ihre saugende Wirkung nicht nur die gewünschte Oberflächenqualität mit geschlossenen Poren sicherstellen. Vielmehr erzeugen die Vliesmatten innen wie außen eine textile, fast weiche Struktur und Haptik. Sie steht in reizvollem Kontrast zur strengen Materialität und Gebäudeausformung, knüpft aber gleichzeitig auch an die Putzstruktur der angrenzenden Bruchsteinmauerwerk-Wände an. Die speziellen Sichtbetonoberflächen verstärken einmal mehr die markante Solidität und Präsenz des Anbaus und bilden mit dem klassizistischen Gebäudeteil eine ebenso spannungsreiche wie harmonische Gesamtkomposition. Damit vereint das Museum nicht nur Neubau und Sanierung auf beeindruckende Weise, sondern bildet auch den idealen Rahmen für die Kunst.

Quelle: Liapor GmbH & Co. KG - mk publishing GmbH 


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