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30.07.2010

ICE-Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt (Schalungstechnik)

Die 614 m lange Talbrücke Weißenbrunn schiebt sich mit ihrem einzelligen Hohlkasten im Radius von 3.570 m östlich an der Gemeinde Untersiemau vorbei.

Selbstkletterschalung für V-Stützen mit 21° Überhang

Im Zuge der Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt überquert im bayrischen Landkreis Coburg die zweispurige ICE-Trasse das etwa 40 m tiefe Tal des Weißenbrunner Baches. Die umfassende Entwurfsplanung unter Berücksichtigung der Nähe zur Gemeinde Untersiemau und der topografischen Verhältnisse führte zu einer ansprechenden architektonischen Lösung.

Die 614 m lange Talbrücke Weißenbrunn fügt sich mit ihrem 176 m langen, dreifeldrigen Rahmenbauwerk mit V-Stützen harmonisch in das Landschaftsbild ein und betont die Lage des Bachlaufes.

Die beiden V-Stützen der Talbrücke Weißenbrunn sind im unteren Aufstandsbereich als Betongelenke ausgebildet.

Brückenbau mit Tradition

Ausgeführt wird dieses Projekt von der GERDUM u. BREUER Bauunternehmen GmbH, Fuldabrück. Die Mannschaft des mittelständischen Unternehmens kennt sich im Taktschieben und im Umsetzen von komplexen Vorfahrgerüsten ebenso gut aus wie im Freivorbau. Beste Voraussetzungen für diese anspruchsvolle Talbrücke, die ihren einzelligen Hohlkasten mit einem Radius von 3.570 m östlich an Untersiemau vorbeischiebt. Auf dem 107 km langen Neubauabschnitt des Transeuropäischen Verkehrsnetzes sind zurzeit zahlreiche Brücken und Tunnel im Bau bzw. in Planung. GERDUM u. BREUER führt im Zuge dieser Trasse mit dem Bau der 1.104 m langen Grümpentalbrücke ein weiteres Großprojekt aus.

Technische Besonderheit

Seit Ende 2008 graben sich die Bagger in den Boden, um die Gründungsarbeiten der beiden Widerlager, 10 Regelpfeiler und 2 V-Stützen der Talbrücke Weißenbrunn vorzubereiten. Besonderheit der Brücke: Betongelenke im unteren Aufstandsbereich der beiden V-Stützen. Versuche an der TU Dresden führten zu dieser nicht alltäglichen Lösung. Sie ist im Brückenbau zwar nicht neu, kommt hier aber erstmalig in dieser Größenordnung zum Einsatz. Ein Betongelenk ist eine deutliche Einschnürung des Betonquerschnittes. Sie lässt eine begrenzte Verdrehung zu. Betongelenke sind im Vergleich zu üblichen Linienkipplagern wartungsarm, für geringe Unterhaltskosten.

21° Überhang selbstgeklettert


Auch die Schalungstechnik für die beiden V-Stützen ist ungewöhnlich: Ihre Schrägstellung von 21° verhindert im äußeren Überhang den Einsatz einer krangeführten Kletterschalung. Die dort verwendete Doka-Selbstkletterschalung SKE 50 funktioniert auch im Überhang. An den verbleibenden Außenseiten ist die kranversetzbare Kletterschalung MF 240 im Einsatz.

Alle Kletterbühnen sind mit um bis zu 0,75 m rückfahrbaren Elementen der Trägerschalung Top 50 bestückt. Für ein tadelloses Betonbild sorgt die Belegung mit Doka-Dreischichtplatten 3-SO. Die imposanten V-Stützen sind Hohlpfeiler mit einer Fußabmessung von 2,80 m x 5,28 m bei einer umlaufenden Wandstärke von 0,40 m. In Brückenquerrichtung sind sie konisch, mit einem Verhältnis von 1:70. Spezielle Ecklaschen machen alle Außenelemente über den sich ständig verjüngenden Querschnitt einsetzbar – ohne aufwändige Umbauarbeiten und bei voller Rückfahrbarkeit. Mit Regel-Betonierabschnitten von 2,90 m Höhe erreichen die V-Stützen nach 9 Einsätzen im Wochentakt zuverlässig ihre Gesamthöhe von ca. 31 m, inkl. Anfänger und Pfeilerkopf.

Die Arbeiten an der Innenschalung erfolgen ebenfalls von einer sicheren Bühne aus. Sie ermöglicht die einfache Bedienung der Trägerschalung Top 50. Um die Vertikallasten aus dem Überhang aufzunehmen verbindet ein integriertes Fachwerk aus Spindelstreben die gegenüberstehenden Elemente. Speziell entwickelte Konsolen leiten über bauaufsichtlich zugelassene Universal-Kletterkonen alle Lasten in den vorhergehenden Betonierabschnitt kraftschlüssig ein. Den Ausschalvorgang beschleunigen Framax-Ausschalecken I. In den Schachtecken eingesetzt, lassen sie sich durch Übergangslaschen mit der Trägerschalung Top 50 kombinieren. Dadurch ist die gesamte Innenschalung umlaufend um 6 cm zusammenspindelbar, für einen einfacheren Ausschal- und Umsetzvorgang.

Eine spezielle Arbeitsanweisung für das Umsetzen der V-Stützen-Schalung gibt in verständlichen Schritten die Reihenfolge der Handgriffe genau vor und ergänzt die umfangreichen Anwenderinformationen von Doka. So wird diese nicht alltägliche Schalungslösung in Wort und Bild mühelos nachvollziehbar. „Dieses Konzept ist einfach klasse und bringt von Beginn an 100 % Leistung“, freut sich Bauleiter Andreas Jäger.

Die imposanten V-Stützen sind als Hohlpfeiler auszuführen, mit einer Fußabmessung von 2,80 m x 5,28 m und einer umlaufenden Wandstärke von 0,40 m. Foto: Doka


Bauwerksdaten:
Projekt:    Talbrücke Weißenbrunn
Bauwerkslänge:    614,00 m
Bauwerksbreite:    14,30 m
Pfeiler:    10 Regelpfeiler, 2 V-Stützen
Pfeilerhöhen:    16,00 m – 23,00 m
Höhe der V-Stützen:    31,00 m
Überbau:    Spannbeton-Hohlkasten, Einfeldträger-Kette
Radius:    3.570 m
Querneigung:    0,00 %
Längsgefälle:    0,59 %
Stützweiten:    43,00 m – 76,00 m
Konstruktionshöhe:    4,00 m
Betonbedarf:    17.700 m³
Stahlbedarf:    2.100 t
Schalfläche Pfeiler:    7.000 m²
Schalfläche Überbau:    21.000 m²
Bauzeit:    2007 – 2011

Bauherr:    DB Netz AG
Bauausführung:    GERDUM u. BREUER Bauunternehmen GmbH, Fuldabrück
Schalungsberatung:    Doka NL Hannover


Quelle: Deutsche Doka Schalungstechnik GmbH


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