News


Bestellen Sie den
Beton-Newsletter hier, um automatisch und regelmäßig über aktuelle Beton-News informiert zu werden.
20.12.2011
Aufgeräumter Bahnhofsvorplatz bietet Freiraum
Der Bahnhofsvorplatz in Mülheim an der Ruhr erhielt mit Pflastersteinen eine neue Identität und Orientierung. In Anthrazit bildet das Pflaster einen spannenden Kontrast zu der neuen hellen Fassade des 1913 errichteten Gebäudes. Besondere Lichteffekte setzen den neuen Freiraum und das umgestaltete Bahnhofsgebäude in Szene und betonen die damit gewonnene Attraktivität. Die Platzfläche wurde vom Parkverkehr befreit, von Stadtmobiliar und Schildern entrümpelt und präsentiert sich jetzt mit klarer reduzierter Gestaltung.
Der nach einem Mülheimer Oberbürgermeister benannte „Dieter-aus-dem-Siepen-Platz“ hatte eine Schönheitskorrektur bitter nötig. „Es war ein Ort der zwei Gesichter“, sagte Landschaftsarchitekt Christian Jürgensmann vom Duisburger Büro Jürgensmann Landers GbR (plan b - alternativen). Die zwei Gesichter – damit meint er die Architektur am Rand des Platzes – hier der Gründerzeit-Bahnhof, dort das Ärztehaus im Design der späten 80er-Jahre. Hier der graue, dem Auto geopferte Bahnhofsvorplatz, dort „das etwas schüttere Grün”. Sein Ziel: Mit der Umgestaltung beides zu einem Gesamtbild zusammenzufügen und den Platz als Stadtraum wieder wahrnehmbar und für den Menschen nutzbar zu machen. Dabei soll der Platz als multifunktionale Bewegungsfläche alle Nutzungen und Laufbeziehungen zulassen, so zum Beispiel auch - wenn es sich entwickeln sollte - eine Außengastronomie ermöglichen.
Urbane Bühne
Thematisch ist der Platz von Übergängen geprägt: Abfahren, Ankommen, Verabschieden, Wiedersehen, Warten oder Wechseln der Verkehrsmittel – all dies macht den Ort zu einem transitorischen Raum, der nach seiner Neugestaltung dennoch auch mit Aufenthaltsqualität zum Verweilen einlädt. Im Austausch mit dem Gestaltungsbeirat der Stadt hat sich der Landschaftsarchitekt dazu eine Art „urbane Bühne“ einfallen lassen. Entrümpelt von Parkflächen, bis auf ein Kurzzeitparken am Rande (Kiss & Ride), bleibt die eigentliche Platzfläche frei als „Bühnenraum“. Lediglich ein Thema aus Bänken und Lichtstelen bespielt das großzügige Entree in den Bahnhof, das dadurch auch wieder seiner Bedeutung als Tor zur Stadt gerecht wird. Sechs neu gepflanzte Säulen – Hainbuchen verstärken an den Platzkanten die räumliche Fassung des Platzes; sie setzen sich später nach Westen fort und schaffen ein grünes Refugium am Brunnenplatz vor dem Ärztehaus. Ansonsten wird die „aufgeräumte“ Fläche geprägt von dem anthrazitgrauen Pflasterstein „Terra Stazione“ von Metten Stein+Design: quadratische in der Mitte, rechteckige am Rand, dazwischen weiße Führungssteine samt „Aufmerksamkeitsfeldern“, die Sehbehinderte leiten sollen. Sie sind, wie in den Boden eingelassene Lichter, die das Bahnhofsgebäude inszenieren, Bestandteil des neu und barrierefrei modellierten Areals.
Nachhaltige Freiraumgestaltung
Rund 1.000 Quadratmeter Fläche sind mit dem Pflaster gestaltet. Die natürliche Anmutung der Oberfläche und ein leichtes Changieren der Farbe verleihen diesem Betonstein-Pflaster ein lebendiges Bild wie man es von Pflasterflächen aus mediterranen Gegenden kennt. „Der Platz hat enorm gewonnen, ist zu einem Ort geworden, an dem man gerne ankommt, sich willkommen fühlt und verweilt – ein würdevolles Vorfeld für einen städtischen Bahnhof“, sagt der Landschaftsarchitekt. Für Christian Jürgensmann wäre jeder Standard-Pflasterstein dafür unzureichend gewesen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen bei der Stadt Mülheim suchte er nach einem hochwertigen, modernen Pflasterbelag, der gestalterisch wie funktional den Nutzungsarten und Anforderungen des neu konzipierten Bahnhofsvorplatzes gerecht wird. Für das edle Anthrazitgrau entschieden sie sich schließlich wegen der sichtbar anderen Ausstrahlung gegenüber herkömmlichen Materialien. Das Pflaster ist zudem äußerst strapazierfähig und mit der neuen „BlueAir“ Technology ausgerüstet und funktioniert nach dem Vorbild der Photokatalyse von Pflanzen: Sie baut vorhandene Stickstoffoxide in der Luft aktiv ab – indem Betonsteine photokatalytisch aktiviert werden. Mit Hilfe des Katalysators Titandioxid werden unter Tageslichteinwirkung schädliche Stickstoffoxide (NOX) aus der Luft in geringste Mengen wasserlösliches Nitrat (NO3) umgewandelt. Dieser für Mensch und Umwelt ungefährliche Stoff mineralisiert an der Betonsteinoberfläche und fließt mit dem nächsten Regen kontrolliert in die Kanalisation ab. Der Photokatalysator Titandioxid selbst bleibt bei diesem Prozess in unveränderter Menge erhalten, die Reaktion ist somit beliebig oft wiederholbar. Die Wirkung dieser innovativen Technologie hält infolgedessen über die gesamte Lebenszeit des Betonwerksteins an. Der Prozess wird immer wieder aktiviert, wenn das Titandioxid mit Tageslicht in Berührung kommt.
Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten war dies für das Mülheimer Fachamt ein weiterer wesentlicher Aspekt bei der Produktentscheidung. Die Stadt leistet damit einen innovativen Beitrag zur Verbesserung der städtischen Luftqualität.
Eine weitere Besonderheit ist das eingesetzte Blindenleitsystem. Die Bodenindikatoren heben sich mit einem hohen taktilen, akustischen und optischen Kontrast – als weiße Rippenplatten - von dem angrenzenden dunklen Bodenbelag ab. Sie als weißer Rahmen ein ganz selbstverständlicher Bestandteil des Gestaltungskonzepts und nicht nur „aufgesetzte Funktion“.
Bautafel:
Objekt: Bahnhofsvorplatz in Mülheim an der Ruhr
Planer/Architekt: Landschaftsarchitekt bdla Christian Jürgensmann, Büro Jürgensmann Landers GbR (plan b alternativen), Duisburg
Verlegte Fläche: 1.000 m²
Verlegtes Pflaster: Terra Stazione anthrazit mit BlueAir Technology
Besonderheit: REC-Blindenleitsystem
Verleger: Firma Anton Schön GmbH & Co. KG, 45472 Heißen
Baubeginn: Herbst 2010
Fertigstellung: Frühjahr 2011
Quelle, Bild und weitere Informationen:
METTEN Stein+Design GmbH & Co. KG

