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19.08.2010

Verdrehte Geschosse, lichte Architektur und Hähnchen

Die Fast-Food-Kette Mr. Chicken lässt zurzeit im Ruhrgebiet, die Heimat unterschiedlichster Restaurationen, vom Gourmettempel bis zur Pommesbude, ein repräsentativen Neubau entstehen – nicht nur als Restaurant und Drive-In, sondern auch als Firmenzentrale. 

 

Moderne Dienstleistungsunternehmungen, die auf Laufkundschaft angewiesen sind, brauchen zwingend drei Voraussetzungen für den Erfolg: Lage, Lage und Lage. Die Unternehmensgruppe Baz entschied sich daher, ihr Restaurant und Drive-In mit bester Verkehrsanbindung, in Gelsenkirchen zu errichten, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Zudem soll hier zusätzlich die neue Firmenzentrale entstehen. Die Architekten von ArchiFactory.de (Gelsenkirchen) entwickelten ein markantes, solitär stehendes Gebäude. Es hat einen asymmetrischen sechseckigen Grundriss auf 30 x 25 Meter. Jedes der insgesamt fünf Stockwerke ist unregelmäßig gegen die anderen versetzt und hat eine raumhohe Glasglanzfassade. 

Schalung und Beton

Im Oktober 2009 begannen die Rohbauarbeiten. Auf einem Schotterbett ruht die 80 cm dicke, 530 m² große Fundamentplatte aus 380 m³ Beton mit rund 80 Tonnen Bewehrungsstahl. Unterzüge als Deckentragelemente waren nicht gewünscht, so dass nun hauptsächlich Stahlbetonsäulen die Lasten abtragen. 
Um ein übermäßiges Aufheizen des Gebäudes durch die großen Glasfassadenelemente zu verhindern, entschieden sich die Planer für eine thermische Bauteilaktivierung. Diese dient gleichermaßen als Heizung wie Kühlung. 
Kern des Gebäudes ist das aus Ortbeton gegossene, unverwechselbare Treppenhaus. Es reflektiert die rotierten Etagen, wobei jeder einzelne Treppenumlauf eine andere Form hat. Die sich gegeneinander verdrehenden Stockwerke, bilden für jedes Geschoss ebenfalls eine eigene Form. Schon vor Arbeitsbeginn wurden daher alle Arbeiten mit dem Lieferanten von Schalung und Schalplänen abgesprochen und ein letztlich sehr erfolgreiches Konzept entwickelt. 
Sämtliche Wände wurden mit einer Systemschalung erstellt, die komplizierteren und kleinteiligeren Bereiche mit einer Universalschalung, beide vom Schalungshersteller PASCHAL (Steinach). Baustützen, H20-Trägern und Schalplatten bildeten die Deckenschalung, während die Betonpfeiler mit Rundstützen-Pappschalung erstellt wurden. 
Je Decke wurden 500 m² Deckenschalung eingesetzt. Verbaut wurden 650 m³ C30/37-Beton für die Decken, 250 m³ für die Wände sowie 240 Tonnen Bewehrungsstahl,

 

 

Städtebauliche und architektonische Konzeption

Das 3.700 m² große Grundstück liegt an der vierspurigen Südeinfahrt von Gelsenkirchen. Das Umfeld wird bestimmt von fragmentierten Ausläufern der Blockrandstruktur von Gelsenkirchen-Ückendorf, dem heterogenen Rand eines Großmarktareals sowie eines kleinen Parks. Das Stadtbild ist geprägt von Rückfassaden, Anbauten und Reihenhäusern. Die plastische Struktur der neuen Firmenzentrale hebt sich hiervon deutlich ab. Die südliche Stadtgrenze wird charakteristisch mitgestaltet.

Architekt Matthias Herrmann: „Der polygonale Grundriss und die gegeneinander versetzten Geschossebenen bestimmen den Entwurf. Seine Symmetrielosigkeit nähert sich der Kreisform an, einen auf sich konzentrierten Ort, der dennoch kollektive Assoziationen weckt. Zugleich zeichnen die versetzten Ebenen in gewisser Weise die alten Kohleschichten der Region nach. Der Bau wird zum symbolischen Gefäß für die verlorene Geschichte der Stadt.“

Quelle, Bilder und weitere Informationen:


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