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03.03.2010

Sichtbetonfassade für private Bauherren

Wo bis vor zwanzig Jahren die Berliner Mauer verlief, haben Zanderroth Architekten für elf private Bauherren ein beispielhaftes Wohnhaus mitten in der Hauptstadt gebaut. Dank der unmittelbaren Kooperation zwischen Baugemeinschaft und Architekten konnten die Eigentumswohnungen kostengünstig nach individuellen Vorstellungen realisiert werden. Mit dem Projekt Schönholzer Straße integrierten die Architekten einen modernen Wohnbau aus Beton in die ehemalige Stadtstruktur aus der Gründerzeit und erhielten dafür den Architekturpreis Zukunft Wohnen 2009.

 

Das Mehrfamilienhaus ist ein erster Bestandteil zur Bebauung des ehemaligen Mauerstreifens, unmittelbar an der Grenze zwischen den Bezirken Berlin-Mitte und Wedding. Zum Mauerbau 1961 wurden dort großflächig Häuserblocks abgerissen und es entstand eine Schneise, die bis heute als Wunde im Stadtgefüge zu spüren ist. Die Berliner Architekten, die sich auf das Bauen mit privaten Baugemeinschaften spezialisiert haben, konzipierten den Wohnungsbau als modernen Solitär in privilegierter Eck- und Südlage. Der prägnante Neubau liegt einem ebenfalls neu entstandenen Stadtplatz gegenüber, der gemeinsam mit einem weiteren Bauherrenprojekt ebenfalls von Zanderroth Architekten realisiert worden ist.

Kluge Konzeption

Ein durchgängiges Band aus Sichtbeton prägt die Ansicht des neuen Wohngebäudes. Mit ihm haben die Architekten das Haus mit dem Boden verbunden, die Struktur der Geschosse bestimmt und den Abschluss gebildet. Das Betonband springt vor und zurück und lässt auf diese Weise Freibereiche entstehen. So können in einigen Geschossen die Bewohner die Fassade in ganzer Raumbreite und -höhe öffnen und die Wohnräume in zimmergroße Loggien verwandeln. Alternierend sind die Fassaden zurückgesetzt und geben Raum für Terrassen, die durch das massive Fassadenband gefasst sind. Die auf diese Weise erreichte Plastizität gibt der Ecke Wirkung und schafft individuelle Außenräume für die Wohnungen, die, wie sich hier zeigt, nicht zwangsläufig Balkone sein müssen.

Städtische Sichtbetonfassade

Die Architekten bildeten die Fassade des monolithischen Stahlbetonbaus als massive Konstruktion aus Ortbeton aus. Die jeweils über sieben Meter langen Fassadenelemente pro Betonierabschnitt erhalten ihre besondere plastische Oberflächenstruktur durch ein Relief horizontal verlaufender Bambusrohre. Ihr Abbild ist Ergebnis eines Abdrucks von Strukturmatrizen, die während des Betoniervorgangs in die Schalung eingelegt worden sind. Damit eine exakte Fassadenansicht entstehen konnte, kam für die Sichtbetonflächen selbstverdichtender Beton zum Einsatz.
Sichtbeton erfordert bei Rezeptur und Anwendung Erfahrung im Umgang mit den besonderen Anforderungen an die gestaltete Fläche. Für das Projekt in Berlin-Mitte haben sich Zanderroth Architekten verschiedene Referenzflächen gießen lassen. Unerlässlich für das gute Sichtbetonergebnis waren die enge Zusammenarbeit mit einem Betonlabor und deren betontechnologische Beratung. Ein Sichtbetonteam kann sich im Vorfeld Gedanken über Konsistenzen, Fragen zu Ankerlösungen, der Textur und der Schalung machen. Gerade bei fein strukturierten Oberflächen wie den schmalen Bambusrohren ist wichtig genau zu erörtern, welcher Beton sich eignet, wie er sich in Form bringen, sich einschalen und ausschalen lässt, so dass Kanten und Erhebungen präzise ausgeformt werden.

Ausgezeichnetes Baugruppenprojekt

Das Architekturbüro Zanderroth realisiert seit mehreren Jahren Eigentumswohnungsprojekte für private Bauherren. Denn immer mehr junge Familien suchen in innerstädtischen Lagen adäquaten Wohnraum zum Kauf, abseits des klassischen Gründerzeitaltbaus. Projekte von Bauträgern sind für diese Zielgruppe in der Regel zu teuer. Das Beispiel Schönholzer Straße zeigt, wie sich gute Architektur in anspruchsvoller Lage auch zu bezahlbaren Preisen realisieren lässt. Bei dem Baugruppenkonzept smartHoming entfällt für die engagierten Bauherren die übliche Bauträgermarge, Mengenrabatte bei sämtlichen Bauleistungen werden von den Architekten realisiert, damit entspricht der Kaufpreis den tatsächlichen Erstellungskosten. Auch Eigenleistungen seitens der späteren Bewohner sind möglich. Die individuelle Gestaltung der einzelnen Wohnungen und das frühzeitige Kennenlernen der späteren Nachbarschaft sind weitere Vorteile von Baugruppen, die in der Regel auch gemeinsam Bauqualität und ökologische Standards festlegen. Zanderroth Architekten behalten sich nach wie vor die äußere Gestaltung der Gebäudeansicht und damit die städtebauliche Einbindung vor. Ein fester Rahmen für die Entscheidungsprozesse und die Projektabwicklung ist Bedingung für eine ökonomischen Planungs- und Bauprozess.
Mit ihrem neuen Projekt in Berlin ist es den Architekten gelungen, dem Anspruch der Bewohner nach Individualisierung zu entsprechen, ohne dies in den Vordergrund zu stellen. „Das Haus bleibt vornehm anonym und betont damit seinen städtischen Charakter“ heißt es in der Jurybegründung zum Architekturpreis Zukunft Wohnen 2009. Die Jury lobte die Schönholzer Straße 11 als zukunftsweisenden Beitrag für das Weiterbauen im dichten urbanen Kontext, und zeichnete es als klares Bekenntnis für hochwertigen und anspruchsvollen Wohnungsbau aus.

Pressetext und Druckdaten dazu in unserem Pressebereich.


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