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07.06.2010
Hohe Anforderungen an die Bauteiloberfläche Unstruttalbrücke

Die über 2600 m lange und bis zu 49,0 m hohe Unstruttalbrücke ist ein Teilabschnitt der neuen Bahntrasse Nürnberg-Erfurt-Leipzig/Halle-Berlin. (Foto: DB AG/Kniestedt)
Alpine-Bau verlässt sich auf Westaspan und Magnoplan
Jahrhundertalte Handelswege bildeten seinerzeit die Basis für das deutsche Eisenbahnnetz. So kreuzten sich im Großraum der Städte Leipzig und Halle bedeutende Verkehrswege, die die Handelsströme in Süd-Nord sowie in Ost-West-Richtung lenkten. Auf diesen Routen entsteht derzeit im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit (VDE) Nr. 8 die Aus- bzw. Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt-Leipzig/Halle-Berlin als wichtige neue Bahntrasse. Sie enthält 25 Tunnel mit 56 Kilometern Gesamtlänge und 35 große Talbrücken mit 26 Kilometern Gesamtlänge. Sie soll abschnittsweise 2015/2017 in Betrieb gehen. Zu diesem Projekt gehört auch der Bau der über 2600 m langen und bis zu 49,0 m hohen Unstruttalbrücke bei Karsdorf im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt). Sie wird nach aktuellstem Stand der Ingenieurbaukunst als semiintegrale Konstruktion errichtet und ist eines der größten Teilprojekte. Alpine-Bau Deutschland setzt bei der Errichtung der Pfeiler und Bögen auf Schalungsplatten der Westag & Getalit AG.
Auftraggeber der 51 Mio. Euro Maßnahme ist die DB Projektbau, eine Tochter der Deutsche Bahn AG. Für Ausführungsplanung und Statik der zweigleisigen Spannbetonhohlkasten-Talbrücke zeichneten die Nord-West Planungsgesellschaft Hannover und SMP Ingenieure im Bauwesen verantwortlich. Die Bauausführung liegt bei der Alpine-Bau Deutschland, Niederlassung Halle-Leipzig in Zöschen. Die Vorplanungen dauerten entsprechend lange, weil die Trassenführung auch über historisch wertvolle Siedlungsplätze und Kultanlagen führt. Neben dem Neubau der Talbrücke sind außerdem Ost und West-Dämme, mehrere Tosbecken, 4000 m Baustraßen, zwei Regenrückhaltebecken sowie landschafts-pflegerische Begleitmaßnahmen Bestandteil des Bauvorhabens.

Für die bis zu 50,00 m hohen Pfeiler wurde die Kletterschalung mit Westag Großflächenschalungsplatten in einem Raster von 5200 x 2000 x 21 mm belegt.
41 Pfeiler und vier Bögen
Das statische System der Brückenkonstruktion bilden vier fugen- und lagerlose Durchlaufträger mit je 58,0 m großen Feldern und einem Bogenscheitel in der Trägermitte. Insgesamt werden 41 Pfeiler im Raster 58,0 m sowie vier sprengwerkähnliche Bögen errichtet. Die Widerlager, Pfeiler und Bögen werden im tief anstehenden Bundsandstein gegründet. Viele Fundamente ruhen auf Großbohrpfählen, die bis zu 40 m tief reichen. Die Fahrbahnträger entstehen als Spannbetonüberbau abschnittsweise von den beiden Endpunkten. Vorschubgerüste arbeiten sich taktweise über das Tal und stützen sich dann
auf die vorauseilend errichteten Pfeiler und Bögen, die den fertigen Überbau abfangen.
Für die Sichtflächen der Über- und Unterbauten war Sichtbeton der Klasse SB 3 gefordert. Darüber hinaus waren weitere Kriterien zu erfüllen. So formulierte der Auftraggeber in der Ausschreibung, dass ein heller, möglichst gleichmäßiger Betonfarbton bei allen Ansichtsflächen zu erzielen sei. Ferner den Einsatz von nichtsaugenden Großflächen-Schalungsplatten aus Furniersperrholz mit beidseitiger Filmbeschichtung, z. B. Betoplan oder gleichwertig. Schalhautraster, Anker und Arbeitsfugen seien gleichmäßig zu gestalten, die einzelnen Schalhauttafeln maximal 10 x einzusetzen. Für Widerlager, Pfeiler und Bögen waren auf der Sichtbetonseite keine sichtbaren Nagel- und Schraubstellen zugelassen.
Drei bewehrte Erprobungsflächen
Zur Erprobung des Sichtbetonsystems waren unter baustellentypischen Bedingungen drei bewehrte Erprobungsflächen in der Größe 2,0 m x 2,0 m mit vertikalen Ansichtsflächen und horizontalen Untersichtsflächen, mit unterschiedlichen Betonen, Schalhäuten, Trennmittel, Abstandshaltern usw. anzufertigen.
Den Schalungsbau für Widerlager und Pfeiler übernahm die Bilfinger & Berger Schalungsbau (BBS) Roxheim. Zum Bau der Widerlager mit Abmessungen von 12,90 m x 12,00 m x 9,18 m wurde eine Peri-Rahmenschalung eingesetzt, auf die als Schalhaut Westaspan 450 SP zum Einsatz kam. Die großformatigen Schalungsplatten wurden an der Baustelle von hinten auf die Rahmenschalung befestigt.
Für die Widerlager wurden insgesamt ca. 500 m³ Transportbeton der Güte.C 30 / 37 eingebaut. Westaspan 450 SP eignet sich für alle glatten, fugenarmen Betonoberflächen. Diese preisgünstigste Großflächen-Schalungsplatte aus einem Phenol-Holzwerkstoffträger und einer Filmbeschichtung 450 g/m² mit Faservlies ist wasserabweisend kantenversiegelt.
Uwe Gassmann, Produktmanager Sperrholz/Schalung der Westag & Getalit AG betreute die Baustelle seit Anbeginn: „Für die einzelnen Bauteile gab es unterschiedliche Schalungseinsätze. Widerlager Luftseite / Bogenunterseite je einen Einsatz und Bogenseitenschalung / Pfeilerschalung bis zehn Einsätze. Aus diesem Grund haben wir unser breites Plattenspektrum ausgenutzt und für jedes Bauteil die ideale Schalungsplatte je nach Einsatzzahl und Wirtschaftlichkeit ausgewählt. Die Entscheidung fiel auf die Westaspan 450 SP für einen Einsatz und auf die Magnoplan universal 550 für bis zu zehn Einsätze“.
Die bis zu 50,00 m hohen Pfeiler wurden mittels Peri Kletterschalung errichtet. Ab einer Höhe von 15,00 m kam die Peri Selbstklettertechnik zum Einsatz. Die Grundmontage der Trägerroste mit der Sparschalung erfolgte werksseitig in Roxheim. Die rückwärtige Verschraubung wurde auf der Baustelle durchgeführt. Die Regelschalungshöhe betrug dabei 5,00 m - ideal für die Westag Großflächenschalung mit einem Raster von 5200 x 2000 x 21mm.
Bei den Bögen kam eine Doka - Trägerschalung zum Einsatz. Die Bögen wurden in einzelnen Betonierabschnitten hergestellt. Dabei wurden die Bogenunterseiten komplett mit einem Traggerüst unterstellt und erst nach dem Bogenschluss mit Überbau wieder ausgeschalt. Als Bodenschalung für den Bogen wurde die Westaspan 450 SP (ein Einsatz ) und als Seitenschalung die Magnoplan universal 550 (bis zehn Einsätze ) eingesetzt. Als Deckelschalung (Bogenoberseite) wurde aufgrund der Neigung Zemdrain verwendet.
Beste Resultate auch mit Magnoplan
Jens Herrmann, Bauleitung Alpine Bau: „Nach Begutachtung der Erprobungsflächen verständigten wir uns mit dem Auftraggeber, die Magnoplan 550 für die Pfeiler und Bogenseiten einzusetzen. Sie zeigte die besten Eigenschaften hinsichtlich der Verarbeitung auf der Baustelle und bei ihrer idealen Plattengröße von 5200 mm x 2000 mm gab es nur wenig Verschnitt. Dank ihres Holz-Kunststoff-Verbundes aus Stäbchenmittellagen und der mit einem Faservlies verstärkten Filmbeschichtung von 550g/m² je Seite, lieferte sie optimale Ergebnisse hinsichtlich Planebenheit und Einsatzhäufigkeit“.
Magnoplan universal, so der Hersteller, eignet sich für alle glatten, fugenarmen Betonoberflächen mit erhöhten Anforderungen. Dabei werden matte, besonders planebene Betonflächen bei erhöhter Einsatzhäufigkeit auf der Baustelle aber auch in Beton-fertigteilwerken erzielt. Belastbar ist sie in Längsund Querrichtung, was sich bei dieser Baustelle bezahlt machte.
Uwe Gassmann: „Insgesamt 6000 m² Magnoplan 550 für Bogenseiten und Pfeiler und ca. 4000 m² Westaspan für Bogenunterseite und Widerlager waren erforderlich und kamen bzw. werden just in time auf die Baustelle kommen. Es hat sich mal wieder gezeigt, dass man jedes Sichtbetonobjekt separat betrachten muss. Jede Schalungsplatte hat Vor- und Nachteile und sollte ganz individuell nach den Anforderungen der Baustelle ausgewählt werden. Wir verfügen über ein breites Sortiment an Schalungsplatten und können für jedes Sichtbetonobjekt die passende Schalungsplatte anbieten“.
Quelle und weitere Informationen:
www.westag-getalit.de
