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02.09.2010
Ein Sichtbetonhaus für zwei in Esslingen
Warm, sinnlich und anregend
Fotos: BetonBild/Dirk Vogel
Viele Bauherren stehen Sichtbeton noch immer etwas skeptisch gegenüber, wenn es um ihre privaten Wohnräume geht. Beton für Lagerhallen oder Produktionsräume? Klar! Auch zum Bau von repräsentativen Gebäuden wie Museen oder Kirchen wird Beton akzeptiert. Aber Beton in den eigenen vier Wänden? Wirkt das nicht kalt und trist?
Bräuning Architekten aus Ostfildern bei Stuttgart bauten für ein junges Paar ein Wohnhaus aus Sichtbeton, das Betonskeptikern den Wind aus den Segeln nimmt. Sie kombinierten Materialien, spielten mit Farben und Licht und nutzten die konstruktiven Eigenschaften des Betons, um ein eindrucksvolles Raumkonzept zu verwirklichen: Das Haus erstreckt sich über 200 Quadratmeter Wohnfläche auf sechs Ebenen, besteht aber nur aus einem Raum. Das Bauherrenpaar zog es ins baden-württembergische Esslingen am Neckar, südöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart. In einem Wohngebiet auf dem städtischen Hügel „Eisberg“ fanden sie ein leicht abschüssiges Grundstück mit einer fantastischen Aussicht auf die Stadt und auf die sanften Höhen des Neckartals.

Die Vorgaben für Bräuning Architekten wurden exakt definiert. Das Paar wünschte sich ein Haus, das gerade so groß sein sollte, um bequem zu zweit darin zu leben. Mit biederen Vorstellungen eines Einfamilienhauses durfte es aber nichts zu tun haben. Offenheit sollte das bestimmende Raumkonzept sein, da sich die Bauherren nicht auf viele kleine Räumchen begrenzen lassen wollten. Auch von den Freiräumen außerhalb des Hauses hatten sie klare Vorstellungen. Auf Ziergehölz und Gartenzaun legten sie keinen Wert, das Grundstück sollte so naturbelassen und offen wie möglich bleiben. Der alte Walnussbaum und die weitläufige Wiese mussten geschützt und in das Gebäudekonzept einbezogen werden.
Um die Kosten niedrig zu halten, entschied man sich bei den Außenwänden für sogenannte Thermo-Hohlwände aus Beton. Diese im Werk vorgefertigten Wände bestehen aus zwei Betonwandschalen, die durch Gitterträger verbunden sind. Auf einer der beiden Schalen wird eine Dämmschicht befestigt. Die einzelnen Wandelemente werden auf der Baustelle montiert, bevor Beton in den Hohlraum zwischen die Schalen gegossen wird. Ist der Beton ausgehärtet, entsteht eine massive Wandkonstruktion. Diese Fertigteilwände haben nicht nur den Vorteil, dass sie günstig und schnell errichtet werden können. Sie können auch nach dem Wunsch des Architekten geformt werden. So entschieden sich Bräuning Architekten unter anderem für kleinteiligere Betonelemente an den Seitenwänden, die puzzleartig zusammengesetzt wurden. Im Inneren wurde Ortbeton statt Betonfertigteile verwendet. Vor Ort wurden Treppen, die Duschwand und ein großer Pflanztrog geschalt und in Beton gegossen. Auch die Geschossdecken wurden aus Stahlbeton hergestellt. Das war zeitaufwändig, ist aber wichtiger Bestandteil des gestalterischen Innenraumkonzeptes. Denn hier soll man sehen, dass alle Materialien eine eigene Handschrift tragen und die Identität des Hauses prägen.
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