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06.04.2010

Dynamik in Beton gegossen

PUMA Plaza Herzogenaurach


Mit seiner roten Fassade aus Aluminiumverbundplatten und der rechteckigen Form ist das Store- und Outletgebäude einem typischen PUMA Schuhkarton nachempfunden. (Alle Fotos: Steffen Fuchs)

Wer kennt ihn nicht, den springenden Puma – allseits bekanntes Logo des gleichnamigen Sportartikelherstellers. Beim Neubau ihres Firmensitzes in Herzogenaurach setzte die PUMA AG ihrem vierbeinigen Aushängeschild nun ein Denkmal: Sie ließ den südlichen Abschluss der Multimediahalle dem PUMA Formstripe nachbilden. Die gewagte, leicht gewölbte Auskragung wurde in Beton der Festigkeitsklassen C 50/60 und C 40/50 erstellt.

Statisch gesehen, trägt den 50 Meter langen Pumasprung die Decke über der Multimediahalle. Sie ist als Betonverbunddecke ausgebildet, die auf einem Stahlraumfachwerk aufliegt, und besitzt eine Spannweite von 40 Metern. Anders als bei Hallendächern in der Regel üblich, stellt sie keine reine Dachdecke dar, sondern nimmt stattdessen zusätzlich die Lasten des dritten Obergeschosses mit der Kantine und dem darüber liegenden Flugdach auf. Damit sie diesen hohen Beanspruchungen standhalten kann, goss man sowohl die Decke als auch den gesamten Pumasprung in Beton der Festigkeitsklassen C 50/60 und C 40/50. Erst nachdem die Decke ihre Endfestigkeit erreicht hatte, durfte die elegant geschwungene Auskragung ausgeschalt werden. Derartig hohe Betongüten setzte man innerhalb des Bauwerks sonst nur für statisch hochbelastete Stützen oder bei schlechter Witterung ein, um die Ausschalfristen zu verkürzen.

Markantes Architekturdetail aus hochfestem Beton: Die Auskragung unter der Tribüne der Multimediahalle zeichnet den PUMA Formstrip nach.

Die 1.500 Besucher fassende Multimediahalle ist Teil des viergeschossigen Brand Centers, das den östlichen Teil des u-förmigen Gebäudeensembles einnimmt und eine Nutzfläche von 10.000 Quadratmetern besitzt. Zusammen mit dem mehrgeschossigen Foyer und den fünf Showrooms eignet sich die Halle bestens für die Präsentation neuer Kollektionen sowie für firmeneigene Veranstaltungen. Das oberste Geschoss beherbergt die Mitarbeiterkantine und eine großzügige Dachterrasse, die sich bei Bedarf als Cateringbereich nutzen lassen. Von hier aus bietet sich ein herrlicher Blick auf die 4.500 Quadratmeter große Plaza, das Herzstück der Anlage, um die sich die insgesamt drei Gebäudeteile gruppieren und der das Ensemble seinen Namen verdankt. In den Plattenbelag eingelassene LED-Lichtlinien in Rot und Weiß sowie fünf beleuchtete Wasserfontänen illuminieren den offenen Platz. Umlaufende Sitzstufen sowie eine technische Vorrichtung zur Übertragung von sportlichen Großereignissen machen ihn zu einem Ort des Dialogs und der Kommunikation.

Auf der anderen Seite der Plaza befindet sich mit dem Retailgebäude eine weitere Reminiszenz an das Corporate Design des Sportartikelherstellers: Mit seiner klaren rechteckigen Form und der roten Fassade aus Aluminiumverbundplatten soll es einen PUMA Schuhkarton symbolisieren. Auf einer Fläche von 2.700 Quadratmetern und drei Ebenen sind hier ein PUMA Concept Store sowie das Factory Outlet Center untergebracht. Den kundenfreundlich organisierten Einkaufsbereich komplettiert ein angegliedertes kleines Restaurant. Zwischen dem Retailgebäude und dem Brand Center erstreckt sich – sozusagen als Rückgrat der gesamten Anlage – ein sechsgeschossiger, beidseitig verglaster Verwaltungsbau, der auf einer Bruttogrundfläche von 39.000 Quadratmetern Platz für rund 700 Mitarbeiter bietet. Er schottet die Plaza und die übrigen Gebäudeteile von der viel befahrenen Straße ab – der neue Hauptsitz der PUMA AG liegt direkt an der Nordumgehung von Herzogenaurach. Um dem 130 Meter langen und 25 Meter hohen Bürogebäude die Wucht zu nehmen, entwarf Architekt Klaus Krex aus Nürnberg das dritte Obergeschoss als zurückgesetzte, reine Pfosten-Riegel-Konstruktion, so dass die beiden obersten Etagen beinahe über dem Rest zu schweben scheinen. Der großzügig gestaltete Empfangsbereich lädt zum Verweilen und Kommunizieren ein, bietet aber auch Raum für kleinere Produktpräsentationen. Ins Auge fällt hier vor allem die Aufzugsanlage aus glattem Sichtbeton, der sich auch in den oberen Geschossen im Erschließungsbereich fortsetzt. Der eigentliche Verwaltungstrakt ist als zweihüftige Anlage konzipiert, bei der sich um eine Binnenzone mit Nasszellen, Technik- und Lagerräumen, Teeküchen und Lounge Areas Licht durchflutete Büros gruppieren.

Zwischen den Produktpräsentationen ermöglicht das mehrgeschossige Foyer des Brand Centers entspannte Kommunikation in angenehmer Atmosphäre.

Doch das Unternehmen setzte nicht nur auf eine moderne Formensprache und hochwertige Baustoffe, sondern legte auch besonderen Wert auf den Einsatz von erneuerbaren Energien. So befindet sich auf dem Dach des Retailgebäudes eine 1.000 Quadratmeter große Photovoltaikanlage, die jährlich 70.000 Kilowattstunden Strom erzeugt und damit den Energiebedarf von 20 Drei- bis Vier-Personen-Haushalten deckt. Zusammen mit 140 Quadratmetern an Solarmodulen, die in die Fassade des Stores integriert sind, ergibt sich eine CO2-Einsparung von 35 Tonnen pro Jahr. Die Warmwassererzeugung erfolgt zum Teil durch Solarkollektoren, die auf dem Dach des Verwaltungsbaus installiert sind, eine unterirdische Zisterne ermöglicht die Verwendung von Regenwasser in den Waschräumen. Die Dächer des Brandcenters und Besucherrestaurants sind auf einer Fläche von etwa 1.500 Quadratmetern extensiv begrünt und bieten damit einen natürlichen Klimapuffer. Mithilfe von moderner Betonkerntemperierung lassen sich die Gebäude umweltverträglich über Wärmepumpen grunderwärmen und -kühlen. Fernwärmeleitungen versorgen die Unternehmenszentrale mit Biogas. Eine derart vorbildliche haustechnische Ausstattung braucht sich wahrlich nicht zu verstecken: Architekt Krex ließ daher die Technikzentrale im Osten der Anlage mit Profilbauglas verkleiden. Mit LED’s rot hinterleuchtet, setzt sie schon von weitem sichtbar ein Zeichen.

Objeksteckbrief
Bauherr: PUMA AG Herzogenaurach
Entwurfsplanung: da capo al fine architekten, Dipl.-Ing. Architekt Klaus Krex, Nürnberg
Ausführungsplanung: Johann Böhm Architekten und Ingenieure, Nürnberg
Rohbau: Völkel + Heidingsfelder GmbH, Nürnberg, in Zusammenarbeit mit MAUSS BAU ERLANGEN GmbH & Co. KG
Betonlieferant: TBG Transportbeton Franken GmbH & Co. KG, Fürth, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH
Produkte: Betone der Festigkeitsklassen C 30/37, C 30/37 WU, C 35/45, C 40/50, C 50/60
Bauzeit: November 2007 bis November 2009

Quelle: HeidelbergCement in Deutschland


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