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16.02.2010
Baumarkt 2010 – Erste Anzeichen der Erholung!
Baugenehmigungen im Wohnbau deutlich über Vorjahr
Im Jahr 2009 wurden weniger Wohnungen gebaut als je zuvor. Mit voraussichtlich nur noch rd. 165.000 Wohnungen lagen die Fertigstellungen meilenweit unter dem von namhaften Instituten prognostizierten Bedarf der nächsten Jahre. Ifo rechnet mit rund 250.000 fertig gestellten Wohnungen in den nächsten zehn Jahren. Das BBSR (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung) liegt in seiner oberen Variante noch leicht darüber, und das Eduard Pestel Institut rechnet gar mit einem Wohnungsbedarf von 400.000 Wohnungen, der erst nach 2015 etwas zurückgeht. Wenn wir die ifo-Prognose zugrunde legen, bedeutet dies, dass in den nächsten zehn Jahren im Durchschnitt rund 50% mehr Wohnungen gebaut werden müssten als 2009.
Wer das für reine Zukunftsmusik hält, kann sich die aktuellen Baugenehmigungen der letzten Monate anschauen. Diese sind bekanntlich ein guter Frühindikator, haben sie doch je nach Gewerk eine Vorlaufzeit von sechs bis zwölf Monaten. Seit Juli 2009 steigen die Wohnbaugenehmigung Monat für Monat mit zunehmendem Tempo an. Im November 2009 lagen die Wohnbaugenehmigungen um 20% über Vorjahr, im Fünf-Monats-Zeitraum Juli bis November waren es beachtliche 13%. Und diese Baugenehmigungen werden schon in den nächsten Monaten wirksam, sobald der Winter vorbei ist.
Nur ein Strohfeuer? Laut ifo (Architektenumfrage Oktober/November 2009) liegt das Geschäftsklima der Architekten auf einem 15-Jahres-Hoch! Deren Aufträge sind zuletzt gestiegen. Für den Bauherren sind die Rahmenbedingungen attraktiv: Baufinanzierungen waren noch nie so günstig wie heute; eine zehnjährige Hypothekenfinanzierung gibt es im Internet heute schon ab 3,61%. Für manche Bauherren ist die monatliche Belastung durch die Hypothek bei derart attraktiven Konditionen niedriger als die Kaltmiete! Es spricht also viel für einen längeren Aufschwung im Wohnbau ausgehend von sehr niedrigem Niveau.
Tiefbau hat Talsohle durchschritten, Nichtwohnbau bleibt kritisch
Der Tiefbau, der zu zwei Dritteln von öffentlichen Aufträgen abhängt, hat inzwischen ebenfalls den Tiefpunkt überwunden. Hier haben die Auftragseingänge seit August 2009 leicht angezogen. Eine wesentliche Ursache sind die Konjunkturprogramme der Bundesregierung von November 2008 und Januar 2009. Zwar haben sich die Erwartungen der Bauwirtschaft bisher noch nicht erfüllt, da der Vergabeprozess langwierig war und manche Gemeinden eigene ohnehin geplante Maßnahmen einfach durch geförderte Maßnahmen aus den Konjunkturprogrammen ersetzt haben. Aber die Entwicklung der Auftragseingänge in den letzten Monaten lässt erwarten, dass auch der Tiefbau 2010 etwas besser abschneidet als im letzten Jahr.
Kritisch wird in diesem Jahr der Nichtwohnbau bleiben. Auf der Basis der aktuellen Baugenehmigungen muss 2010 bei Fabrik- Werkstattgebäuden sowie bei Handels- und Lagergebäuden mit einem Rückgang von mindestens 20% gerechnet werden. Aber auch das Segment der Büro- und Verwaltungsgebäude ächzt unter den hohen Leerständen und schwierigen Rahmenbedingungen. Nur Landwirtschaftsgebäude und Öffentliche Gebäude liegen derzeit im Plus. Insgesamt ist im Nichtwohnbau ein zweistelliger Rückgang in diesem Jahr nicht zu vermeiden. Immerhin gibt es für 2011 einige Hoffnungszeichen. Im vierten Quartal 2009 ist die Kapazitätsauslastung der Deutschen Industrie nach dem scharfen Einbruch erstmals wieder gestiegen. Die Aufträge insbesondere aus dem Export legen seit Monaten wieder zu. Das ifo-Geschäftsklima erholt sich seit dem Tiefpunkt im Januar 2009 Monat für Monat.
Der Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten sehen die Unternehmen mit zunehmendem Optimismus entgegen. Der aktuelle Wert der Geschäftserwartungen ist nicht mehr weit von den Spitzenwerten in 2005 und 2006 entfernt. Daher spricht vieles dafür, dass der Nichtwohnbau 2011 wieder anzieht. Voraussetzung ist allerdings, dass sich dann die Kreditmärkte wieder normalisiert haben.
Mut macht auch der Blick auf die aktuellen Mega-Projekte. Nach wie vor wird am Flughafen Berlin-Schönefeld weitergebaut. Neu ist die Flughafenerweiterung in Frankfurt und die Autobahnstrecken A 1 zwischen Bremen und Hamburg sowie die A 5 zwischen Karlsruhe und Basel. Der Baubeginn des Riesenprojekts Stuttgart 21 steht unmittelbar bevor. Von diesen Projekten profitieren nicht nur die unmittelbar beteiligten Unternehmen. Aus vergleichbaren Projekten wissen wir, dass derartige Megaprojekte über Jahre hinaus eine Reihe von Folgebaumaßnahmen im Umfeld auslösen.
Fazit: Ausgezeichnete Perspektiven für Wohnbau und nachhaltiges Bauen
Alles in allem haben wir das Tal der Tränen inzwischen durchschritten. Der lange und harte Winter wird zweifellos den Aufschwung hinauszögern. Insofern ist in einigen Bereichen auch für das Jahr 2010 noch mit Rückgängen in der Bautätigkeit zu rechnen. Bauunternehmen mit Schwerpunkt Nichtwohnbau werden auch noch von den Nachwirkungen der Rezession betroffen. Dafür dürfen Bauunternehmen mit Schwerpunkt im Wohnbau Hoffnung schöpfen. Auch im Tiefbau dürfte unter dem Strich ein kleines Marktwachstum bleiben. Ausgezeichnete Perspektiven haben Unternehmen, die von dem Trend zu erneuerbaren Energien (Solardach, Geothermik, Windräder) und Energieeinsparung (Wärmedämmung, WDVS, Heiztechnik) profitieren. Viele Märkte befinden sich derzeit im Umbruch. Unter dem Stichwort „nachhaltiges Bauen“ gibt es eine Vielzahl von Initiativen. Hier sind neue Produkte ebenso wie neue Bautechniken gefragt. Dies eröffnet für Sie und für uns neue Perspektiven.
Kontakt:
bauwerk online: Dr. Helmut Littek, Mechthild May-Jakoby
Tel.: (0 21 02) 401-142 E-Mail:
bauwerk.de[dont like]@[spam]cemex.com
Quellen: Statistisches Bundesamt, ifo