betonprisma 98: Investition

„Monohaus“

Monolithische Fassade aus Dämmbeton in Berlin

Das „Monohaus“ von zanderroth architekten füllt als monolithischer Baukörper eine einstige Baulücke in Berlin-Mitte. Das Gebäude ist mit einer Fassade aus Dämmbeton effizient und nachhaltig gedämmt. Fotos: Edgar Zippel

Berlin entwickelt sich zu einem Experimentierfeld für Dämmbeton. Eben erweiterten David Chipperfield Architects ihre Dependance, da beweisen die Berliner Zanderroth Architekten, dass auch sie etwas von monolithischer Bauweise verstehen. Ihr „Monohaus“ in der Christinenstraße ist mehr als ein Lückenfüller. Es zeigt, dass sich Investitionen in Forschung und Experimentiergeist langfristig auch beim Energiesparen auszahlen.
von Oliver Herwig

Manchmal sind es glückliche Zufälle, die ein besonderes Haus erst möglich machen. Vor Jahren hatten Sascha Zander und Christian Roth ein Projekt am Helmholtzplatz realisiert, damals arbeiteten sie noch bei Nägeli Architekten. Da kommt ein Mieter mit ihnen ins Gespräch, sie verstehen sich, und plötzlich ergibt sich daraus ein neuer Auftrag. Und weil kein anonymer Bauträger nach Rendite und maximalem Wohnraum verlangte, sondern ein privater Bauherr mit viel Sinn für Gestaltung für seine Familie bauen wollte, wurde einiges möglich, was sonst auf der Strecke bleibt: durchgängige, klare Gestaltung an der Grenze zur Radikalität.

Unverputzt und unverkleidet steht der Monoblock nun da. Sieben Geschosse Dämmbeton. Monolithisch. Ein Investment in Baukultur, nicht etwa draußen vor der Stadt, auf preiswertem Grund und Boden, sondern an der Grenze von Mitte und Prenzlauer Berg. Noch dazu ein Mietshaus. 660 Quadratmeter Wohnfläche. Über einem Maisonetteappartement mit Gartenanteil und drei Etagenwohnungen zu rund 110 m2, jeweils mit Balkon zum Innenhof, thront das 167 m2 große zweigeschossige Penthouse samt Dachgarten und Blick über Berlin, reserviert für die Bauherren Angela Knewitz und Stefan Karl.

Natürlich, intelligent und energiesparend

Das monolithische Haus füllt die einstige Baulücke in der Christinenstraße selbstbewusst. Am auffälligsten sind die markanten Absätze, mit denen sich die Stockwerke voneinander absetzen. Das hat gestalterische wie pragmatische Gründe. Die Vorsprünge bilden deutliche Schattenfugen, differenzieren also die Fassade, die damit den Bruch zu den umliegenden gemauerten Bauten der Jahrhundertwende schließt – oder zumindest als Referenz gelesen werden kann. Ganz nebenbei sorgt der gestalterische Kniff dafür, dass Ungleichheiten beim Betonieren unter der starken Handschrift verschwinden. Der besondere Farbeinschlag entstand durch Leichtsand vulkanischen Ursprungs und Flugasche. Für die notwendige Dämmung sorgt Blähton.

Stefan Karl jedenfalls wollte es so. Gegenüber der Zeitschrift „monocle“ sinniert der Bauherr über den besonderen Werkstoff: „Was wäre wohl die reinste Form für ein Haus?“ Das Ehepaar wollte einen konzentrierten Ort, ohne Ornament. Karl folgert: „Beton war das logische Material.“ Dazu kommt Sibirische Lärche für die Panoramafenster, deren Patina mit der Zeit immer mehr die Farbe des Steins annehmen wird. Fast hätte der Bauherr das Haus Zendo genannt. Seine Klarheit erinnerte den ehemaligen Judoka an den Meditationsraum eines japanischen Dōjō. Dennoch blieb es bei der Bezeichnung „Monohaus“, die es sehr gut trifft. Die dazugehörige Website bietet ein bezeichnendes Gedicht: „Es ist Mitte und Prenzlauer Berg / Es ist monolithisch / Es ist natürlich / Es ist intelligent / Es ist Energie sparend / Es ist voller Licht / Es ist weiß“. Mehr Identifikation mit einem Haus ist kaum mehr möglich.

Der kraftvolle Bau passt perfekt ins Portfolio von Zanderroth Architekten: Sascha Zander, 1968 in Düsseldorf geboren, und Christian Roth, 1970 in Wiesbaden geboren, haben sich mit derartigen Projekten einen Namen gemacht weit über Berlin hinaus. Das „Monohaus“ in Dämmbeton wurde möglich, weil es sehr kompakt geplant wurde und sich durch große Fensterflächen nicht nur mit Licht, sondern vor allem mit Wärme vollpumpt. Zusätzliche Energie liefert ein Kraft-Wärme-Aggregat im Keller. 55 Zentimeter starke Wände sind es schließlich geworden. Energie ist wohl auch der Schlüssel für das Gebäude insgesamt. Kraftvoll steht es da, als wohltuende Ergänzung der Straßenzeile.


Oliver Herwig ist Journalist, Autor und Moderator. Er lebt und arbeitet in München.

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