betonprisma 95: Demokratie

Eine Schulsporthalle in Dresden

Es müssen nicht immer Parlamente sein

Achim Kosch plante die neue Dreifeldsporthalle der 101. Mittelschule in Dresden im konstruktiven Dialog mit dem öffentlichen Auftraggeber. Foto: Privat
Foto: Kim Oliver Gottschalk
Foto: Kim Oliver Gottschalk
In der Schule findet der Neubau große Zustimmung. Foto: Kim Oliver Gottschalk

Wer die Arbeit des Dresdner Architekturbüros Pussert Kosch sieht, erkennt die Bedeutung der kleinen Dinge, des ganz normalen Baugeschehens, das mit äußerster Präzision und viel Sinn für den Ort und eine klare Architektursprache umgesetzt wird. Wie bei der neuen Dreifeldsporthalle der 101. Mittelschule in Dresden, die zwischen 2008 und 2011 entstand: großzügig, klar und sehr elegant.

Herr Kosch, denken Sie in der Kategorie „demokratische Bauten“ – auch wenn Sie eine Schulsporthalle entwerfen?
Beim Entwurf einer Schulsporthalle denke ich nicht unbedingt in dieser Kategorie, wohl aber in der der öffentlichen – also bei uns demokratisch gewählten – Auftraggeber. Natürlich ist im weiteren Sinne auch eine Sporthalle ein demokratischer Bau. Als Architekten bauen wir in erster Linie für die Menschen. Und es ist schön, wenn diese ein demokratisches Selbstverständnis haben.

Wer hat mitgesprochen bei der Planung der Dreifeldsporthalle in Dresden?
Die neue Dreifeldsporthalle in Dresden ist ein öffentlicher Bau – dennoch aber gab es gar nicht so viele Bürger und Instanzen, die da mitgesprochen haben. Der Bauherr, das Schulverwaltungsamt, hatte den Bedarf ermittelt und den Auftrag an das Hochbauamt der Stadt Dresden übergeben. Das Hochbauamt hat dann direkt an uns vergeben.

Das heißt, Sie waren eher mit Fachleuten beschäftigt als mit dem Stadtrat ...
Das ist richtig: Das Projekt ging nach der Festlegung des Bedarfs durch das Schulverwaltungsamt in den Stadtrat, der wiederum die Baumaßnahme genehmigte. Eine öffentliche Diskussion oder gar Bürgerbeteiligung gab es in diesem Falle nicht. Ich denke, so etwas wäre auch eine größere Ausnahme, ist doch eine Sporthalle ein einfacher Zweckbau, in diesem Falle sogar lediglich ein Erweiterungsbau der bestehenden Schule.

Für einen Zweckbau sieht die Halle ziemlich elegant aus. Auf den Gedanken, dass sich hier eine Turnhalle verbirgt, kommt man nicht sofort. Es könnte auch ein größeres öffentliches Gebäude sein.
Danke für das Kompliment. Es ist eben unser Ziel, auch einen solchen Bau gut zu gestalten.

Wie haben die Lehrer, die Eltern und die Schüler auf das neue Gebäude reagiert?
In der Schule kommt der Neubau sehr gut an und findet eine hohe Zustimmung. Zumal die Schülerspeisung, die zuvor im Keller des Altbaus untergebracht war, in das Foyer der neuen Sporthalle Sporthalle integriert wurde. Direkte Rückmeldungen von Bürgerseite haben wir nur bedingt erhalten – was sicherlich auch daran liegt, dass bei solchen städtischen Bauaufgaben die Namen der Planer nicht genannt werden. Bei den durch die Bundesländer vergebenen Bauaufgaben ist das anders.

Wie hat sich Ihr Büro beim öffentlichen Auftraggeber, also der Stadt, vorgestellt?
Wir hatten uns bei der Stadt mit einem Portfolio beworben, darunter war eine Fertigteilhalle der Justizvollzugsanstalt in Leipzig, bei der wir die Bauleitung hatten. Die Halle gefiel, und wir erhielten den Direktauftrag, weil die Bausumme unter dem Schwellenwert einer Ausschreibung lag. Bei der Ausschreibung der Sporthalle ging es zunächst um einen Bau ohne Speisesaal. Erst im Entwurfsprozess, den wir intensiv mit dem Hochbauamtsleiter betrieben hatten, wurde die Schülerspeisung in die Halle verlegt. Dieser Dialog mit dem Hochbauamt – also dem öffentlichen Auftraggeber – war sehr konstruktiv und fruchtbar.

Also keine Vorbehalte gegen Beton, sondern im Gegenteil: Beton war das Entrée?
Der Hochbauamtsleiter war schließlich selbst Architekt, und wie viele seiner Kollegen aus den neuen Bundesländern hatte er mit Beton keine Berührungsängste. Man kann ja durchaus Schönes aus Beton machen.

Können Sie ein Beispiel geben?
Unsere Feuerwache in Radebeul wurde erst skeptisch begutachtet, aber wir blieben mit unserem Entwurf konsequent und ließen uns nicht abbringen. Heute lieben sie die Menschen, der Bürgermeister ist ein regelrechter Fan geworden und hat uns aufgefordert, uns für Preise zu bewerben. Das Haus hat eine gewisse Bekanntheit in Feuerwehrkreisen erlangt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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