Warum ein Kanu aus Beton?

Das älteste bekannte Boot aus Beton stammt aus dem Jahr 1848 und steht im Heimatmuseum der Stadt Brignolais in Südfrankreich.

Es ist Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Franzose Joseph-Louis Lambot eine Idee hat, die wegweisend für den Baustoff Beton werden sollte. Durch die Verbindung von Stahl und Beton stellt er als Erster ein Wasserfahrzeug in Betonbauweise her.

Der Weg dahin war gekennzeichnet von unzähligen Versuchen. Auf dem Familiensitz im südfranzösischen Miraval beginnt Joseph-Louis Lambot zunächst damit, Fässer bzw. Behälter aus Beton mit Stahleinlagen herzustellen – Idee dabei ist es, stabile, wasserundurchlässige Behälter zu konstruieren. 1851 meldet der Agrarökonom sein erstes Patent auf den „Mix“ von Zement und Stahlarmierung an. In dieser Zeit hat der Erfinder längst eine weitere Eigenschaft der „Betonbehälter“ entdeckt – deren Schwimmfähigkeit. So experimentiert er auf einem kleinen Teich unweit seines Hauses in Miraval unbeirrt weiter. Um ein Geflecht aus Stahl bringt er abschnittsweise verschiedene Zementmörtel-Mischungen auf – die ersten armierten Betonboote entstehen. 1855 meldet Joseph-Louis Lambot ein Patent zur „Herstellung von Eisenbetongegenständen“ im Schiffbau an. Seine Erfindung – diese nennt er „Ferciment“ – sieht er als Möglichkeit, „das Holz im Schiffsbau und überall dort zu ersetzen, wo es feuchtigkeitsgefährdet ist“. Noch im gleichen Jahr wird das Lambot’sche „Eisenbetonboot“ auf der Weltausstellung in Paris vorgestellt.

Der Anfang war gemacht: Um 1860 wurden in den Niederlanden Schiffe für Kanalfahrten aus Beton gefertigt und auch in Italien begann man zur gleichen Zeit mit dem Bau kleinerer Schiffe aus Stahlbeton. Vorteile des Betonschiffbaus – so erkannte man damals – waren die im Vergleich zu komplett aus Stahl gebauten Schiffen kostengünstigere Bauweise und die lange Nutzungsdauer. Doch gerade bei größeren Schiffen erwies sich die Betonbauweise als weniger geeignet, da das vergleichsweise hohe Gewicht des Betons das Manövrieren erschwerte.

So blieben größere Schiffe aus Beton bis hin zum ersten Weltkrieg eher ein „Nischenprodukt“. Um 1916 entdeckte man vor allem in Deutschland die Bauweise wieder und setzte im von Kriegsverlusten gebeutelten Frachtschiffbau zeitweise auf Handelsschiffe aus Eisenbeton. Auch während des Zweiten Weltkrieges wurden wieder Betonschiffe gebaut. Ab 1940 gingen unterschiedliche Schiffstypen in Serie.

Der Bau des ersten modernen Betonkanus reicht in die Jahre 1968/69 zurück. Es kam in den USA als schwere Ferrocement-Konstruktion (Feinbeton mit Maschendrahtbewehrung) mit 180 kg Gewicht "zur Welt”

Eindrücke der 1. Deutschen Betonkanu-Regatta 1986 in Limburg an der Lahn.

Ende der siebziger Jahre griff der Bundesverband der Deutschen Zementindustrie e.V. die Idee der Betonkanus auf und realisierte sie schließlich erstmals 1986 bei der 1. Deutschen Betonkanu-Regatta. Die Initiatoren, zu denen auch der Deutsche Beton-Verein e.V. und das Institut für Massivbau der TU Darmstadt gehörten, hatten dabei die gleichen Beweggründe: Aus Universitäten, Fachhochschulen, Berufsfachschulen und Ausbildungszentren - also überall dort, wo Betontechnologie und -technik gelehrt wird - sollte zukünftigen Architekten, Ingenieuren und Baufachleuten eine Plattform geboten werden, sich im Wettbewerb mit Betonkonstruktionen und mit den Baustoffen zu befassen, bei der Ausführung handwerklich mit dem Baustoff zu arbeiten und schließlich die theoretischen Überlegungen sowie Konstruktion und Ausführung zu dokumentieren. Sie sollten dabei aber auch ihre Phantasie und ihre Ideen einsetzen und dabei Spaß haben: beim Entwurf und Bau der Betonkanus und später im sportlichen Wettkampf auf dem Wasser. Es ist eine komplexe Aufgabe zu lösen, nämlich die Festigkeit und Wasserdichtheit der Baustoffe so in der Kanukonstruktion zu nutzen, dass leichte und gleichzeitig robuste Kanus entstehen - und das bei nur wenige Millimeter dicken Bootswänden.

Ein zweiter wichtiger Aspekt kommt hinzu: Der Bau eines Betonkanus ist auf der fachlichen wie der organisatorischen Seite Teamarbeit, wie sie heute nicht nur in technischen Berufen gefordert wird. Die verantwortliche Übernahme von Teilaufgaben, ihre Koordination und Abstimmung und das Zusammenfügen aller Einzelergebnisse zum Gesamtwerk ist eine hocheinzuschätzende Erfahrung. Dieser positive Lerneffekt war bei allen Betonkanu-Wettbewerben seit 1986 zu spüren und mitzuerleben.

aus: Ein Betonkanu entsteht, Vorwort Prof. Dr.-Ing Bayer

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