Spannungsreiche Blickbeziehungen

Wohnhaus in Kempten

Architekt

f64 Architekten, Kempten

Bauherr

privat

Projektbeteiligte

Hermann Rudolph Baustoffwerk GmbH, Weiler-Simmerberg (Betontechnik);<span class="textgrau"> Ingenieurbüro Lämmle, Wiggensbach (</span><span class="textgrau">Tragwerksplanung);</span><span class="textgrau"> Güttinger Ingenieure, Kempten (</span><span class="textgrau">HLS-Planung)</span>;<span class="textgrau"> Kettner und Baur, Memmingen (</span><span class="textgrau">Elektro-Planung)</span>

Ort

Kempten

Konstruktionsmerkmale

Massivhaus (kerngedämmte Betonwände als Halbfertigteilkonstruktion)

Besonderheiten

Betonkernaktivierung, Sole/Wasserwärmepumpe
mit Erdsonden

Beschreibung

Das westlich des Stadtzentrums liegende Baugrundstück ist geprägt von zwei grundlegend unterschiedlichen Baustrukturen. Östlich des Leichtlewegs hangabwärts erzeugt eine flächige Terrassensiedlung eine 1-geschossige geschlossene Raumkante. Westlich davon schließt sich ein seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewachsenes Quartier aus locker gesetzten Stadthäusern an, in dem ein letztes bebaubares Grundstück verblieben war. Die starke Durchgrünung, die ruhige Wohnlage und die Nähe zum Stadtzentrum kennzeichnen den hervorragenden Standort.

Das zu realisierende Raumprogramm war verbunden mit dem Wunsch, von möglichst vielen Aufenthaltsräumen aus einen direkten Zugang zum Garten zu erhalten. Unter Ausnutzung des um ein Geschoss ansteigenden Geländes wurde ein zweigeschossiges Gebäude entwickelt, das diese Qualität neben dem Hauptwohnraum auch allen Kinderzimmern, dem Gästebereich und der Lese- und Spielgalerie bietet. Der winkelförmig um eine alte Blutbuche gelegte monolithische Betonbaukörper ist in einen weich modellierten parkartigen Freiraum gebettet. Die glatte Gebäudehülle wird durch großformatige Fensteröffnungen und Volumenausschnitte für Eingangsbereich, Terrassenraum und Loggia gegliedert.

Der durch Heckenkörper gefasste Vorplatz wird durch eine „Filterschicht“ aus hochwachsenden Gras-Bändern gegliedert. Der überdeckte Hauszugang erschließt im Erdgeschoss den Gästebereich und die Nebenräume mit innerer Verbindung zur Garage. Über eine halbgeschossige Treppe gelangt man in den 3,80 Meter hohen zentralen Wohnraum - zusammen mit der überdachten Terrasse ein ca. 100 m2 großes Raumkontinuum auf zwei Ebenen. Durch die stützenfreie Spannweite von 10 Metern und die großflächigen Verglasungen fließt hier der Außenraum von Nord nach Süd nahezu vollständig durch das Gebäude. Die eingestellte Einbaumöblierung zoniert den Raum in den Koch-Ess- und Wohnbereich auf der unteren Ebene und eine Lese- und Spielgalerie auf der oberen Ebene. Von hier werden der Kinderbereich auf der Westseite bzw. der Elternbereich auf der Ostseite erschlossen. Die Entwicklung einer Raumabfolge mit einer Vielzahl von spannungsreichen Blickbeziehungen war ein zentrales Entwurfsthema.

Beton

Das Gebäude ist vollständig aus kerngedämmten Betonwänden als Halbfertigteilkonstruktion ausgeführt. Dabei bleiben äußere und innere Wand- und Deckenflächen weitgehend sichtbar. Während die anthrazitbeschichteten Fenster einen zurückhaltenden Kontrast zu den Betonflächen zeigen, signalisiert die Eingangs- und Garagentornische durch ihre Eichenholzoberfläche die besondere Funktion.  Die Innenwände wurden gemauert und glatt verputzt. Zusammen mit der durchgehend weißen Einbaumöblierung und den weißen Innentüren ergibt sich ein differenziertes Wechselspiel mit den Betonflächen.

Die Energie wird mit einer Sole/Wasserwärmepumpe mit Erdsonden (2x110m Länge) erzeugt. Die Wärmeübergabe erfolgt in angenehmer Strahlungswärme durch die thermische Aktivierung der sichtbaren Betondecken. Zur Optimierung wurden die Rohrregister bereits im Werk in die untere Lage der Halbfertigteilplatten eingelegt. Im Sommer kann dieses System auch zur Kühlung herangezogen werden. Eine hochwärmegedämmte Gebäudehülle sowie eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ergänzen das Energiekonzept. Die Anforderungen zum KfW-EH 70 werden deutlich unterschritten. Als innovative Konstruktion wurden zur Verbesserung der Raumakustik in der großen Halle Absorberstreifen in die vorgefertigten Deckenelemente integriert. Neben der Lüftungsanlage sorgt auch die zentrale Staubsaugeranlage für optimale Lufthygiene.

Bildnachweis: Rainer Retzlaff, Niedersonthofen

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