Betonkonstruktion mit Sichtbetonfertigteilen und Glasbändern

Verwaltungsgebäude O10 in Karlsruhe

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Betonkernaktivierung, Büro- und Verwaltungsbau, Oberfläche, Ortbeton, Zement

Architekt

Slope Development / Antje M. Abel, Karlruhe

Bauherr

Projekt O 10 Gbr, Karlsruhe

Projektbeteiligte

Weisenburger Bau, Raststatt (Generalunternehmer); Notheis, Bruchsal (Elektroinstallation); Görig, Ettlingen (Leuchtenausstattung und Elektroarbeiten); Habich, Bühl (Einrichtung); USM Haller, Münsingen (Möbelsysteme); Feederle, Karlsruhe (Trennwandsysteme); Harsch Betonwerk, Gondelsheim (Betonfertigteile); Holcim, Hamburg (Zement); Meva, Haiterbach (Schaltafeln); Halfen, Langenfeld (Befestigungsanker)

Ort

Karlsruhe, Ohiostraße 10

Beschreibung

Im Norden des historischen Zentrums von Karlsruhe erstreckt sich das weitläufige Areal des Hardtwaldes. In dessen unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das O10 genannte Büro- und Verwaltungsgebäude auf einem Eckgrundstück an der Ohiostraße 10. Es entstand nach Plänen des Karlsruher Architekturbüros Slope Development gemeinsam mit der ebenfalls in Karlsruhe ansässigen Architektin Antje M. Abel und dient einer Steuerberatungsgesellschaft, einer Rechtsanwaltskanzlei sowie eine Unternehmensberatung als Firmensitz. Im Vorfeld hatten die Architekten mit den Bauherren ein Raumprogramm entwickelt, das auf die Bedürfnisse und Vorgaben der Nutzer abgestimmt wurde. Eine weitere Vorgabe betraf die Gestaltung des Neubaus. Er sollte mit einem bereits vorhandenen Gebäude, dessen Entwurf ebenfalls von den Architekten stammt, ein Ensemble mit einheitlicher Außenanlage bilden.

So entstand ein Gebäude, das zwar geometrische Elemente des Nachbarhauses aufnimmt, aber dennoch eine unverkennbare Formensprache besitzt. Es besteht aus zwei unterschiedlich hohen und großen Riegeln aus Beton, die sich jeweils in ihrer Mitte durchstoßen und so im Grundriss eine Kreuz bilden. Der dreigeschossige Längsbau, welcher sich von Nord nach Süd erstreckt, ist 44 Meter lang und hat eine Gebäudetiefe von 12,50 Metern. Der Mittelteil mit Ost-West-Ausrichtung ist viergeschossig, 21,50 Meter lang und 22,50 Meter tief und durchstößt damit die Bauflucht des Längsriegels um jeweils 4,50 Meter. Dessen geschlossene Schmalseiten stehen ein wenig hervor und bilden zusammen mit dem auskragenden Dach einen das Gebäude einfassenden Rahmen aus.

Auf dem waldseitigen, östlich gelegenen Teil des Grundstückes befindet sich ein Parkplatz. Von hier aus gelangen die Mitarbeiter über einen Zugang direkt ins Treppenhaus und über einen Aufzug in das gewünschte Geschoss. Die Besucher dagegen erschließen das Gebäude über einen zweiten Zugang auf der Westseite. Hinter dem Eingang werden sie von einem großzügigen Foyer mit Wartebereich empfangen, der im Mittelteil des Gebäudes endet.

Im Erdgeschoss des langen Riegels befinden sich Konferenz- und Tagungsräume, darüber die Chefetage, im zweiten und dritten Geschoss beider Häuser die Büros der Mitarbeiter. Sie werden über einen zentral gelegenen, breiten Gang erschlossen, der über ein raumhohes Fensterelement am jeweiligen Kopfende belichtet wird und weite Blicke in die umgebende Natur erlaubt. Durch ein raumhohes Trennwandsystem mit integrierten Schränken und Regalen werden die einzelnen Büroeinheiten voneinander getrennt. Eine Ausnahme bildet das dritte Obergeschoss im Mittelbau, das als offene Büroetage ausgebildet und zudem mit einer großzügigen Dachterrasse verbunden ist. Während die Sanitärbereiche, Archive und Lager im Zentrum des Mittelteils angeordnet sind, liegen alle anderen Räume an den Außenseiten des Hauses. Sie erhalten viel Tageslicht durch raumhohe, bandartige Fensterelemente, die das gesamte Gebäude umlaufen und es horizontal gliedern.

Beton

Das komplett unterkellerte Gebäude wurde in Ortbetonbauweise ausgeführt. Die quadratischen Stützen haben eine Kantenlänge von 25 cm. Die tragenden Außen- und Aussteifungswände im Kern des Bürogebäudes sind ebenfalls 25 cm stark. Die Ortbeton-Flachdecken wurden, außer in den Nebenräumen, in Sichtbeton umgesetzt und sind gleichfalls 25 cm dick. In ihnen ist das mit Wasser gefüllte Rohrsystem der Bauteilaktivierung integriert, mit denen die Büroeinheiten im Winter beheizt und im Sommer gekühlt werden. Sämtliche Lampen- und Deckenauslässe sowie die Kabelkanäle in der Deckenebene wurden in der Planungsphase festgelegt und in den Rohbau eingelegt. Um möglichst plane Deckenoberflächen zu erzielen, kamen sehr glatte Schaltafeln mit einer Höhe von 2,70 m zum Einsatz.

Die Stirnseiten und langen Seitenwände des Gebäudes sind aus Fertigteilen errichtet. Verwendet wurde ein leicht zu verarbeiteter Beton (LVB) der Festigkeitsklasse 35/45, Konsistenzbereich F6 mit einem Wasserzementwert w/z < 0,5 sowie einem Zementgehalt von 390 kg/m³. Zum Einsatz kamen rund 200 kg Portlandkalksteinzement (CEM II/A-LL 52,5 N) mit den Hauptkomponenten Portlandzementklinker und ausgewähltem, hochwertigen Kalksteinen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt und gemeinsam vermahlen wurden. Die feinen Kalksteinkörner dienen als eine Art Schmiermittel, das sowohl die Verarbeitbarkeit als auch das Pumpen des Betons verbessert. Darüber hinaus sorgt diese Gesteinskörnung für eine und gleichmäßige Betonoberfläche. Mit Fassadenplattenankern und Brüstungsankern wurden die Fertigteile der Fassaden- und Brüstungselemente an der Ortbetondecke fixiert.

Für andere Bereiche des Gebäudes wurde190 kg Portlandzement (CEM I 52,5 N) verwendet, der aufgrund seiner vielfältigen und günstigen Eigenschaften für nahezu jede Anwendung geeignet ist. So ist sein schneller Erhärtungsverlauf für das Betonieren bei kalter Witterung oder sehr kurzen Ausschalfristen vorteilhaft. Durch seine hohe Endfestigkeit eignet er sich besonders für vorgefertigte Betonbauteile. Als Betonzusatzstoff kam helles Kalksteinmehl im Mengenverhältnis 90 kg/m³ zum Einsatz. Die Gesteinskörnung besteht aus Rheinkies und Rheinsand mit dem Größtkorn von 16 mm. Sämtliche Sichtbetonfertigteile wurden auf Stahlschalungen hergestellt.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Antje M. Abel, Karlsruhe

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