Ein Setzkasten aus Beton

Hauptsitz der Tessiner Elektrizitätsgesellschaft

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Büro- und Verwaltungsbau Konstruktion Nachhaltigkeit

Architekt

Arbeitsgemeinschaft Meyer Piattini und Fallavollita
Lukas Meyer, Ira Piattini, Lamone, Schweiz / Francesco Fallavollita, Como, Italien

Bauherr

Azienda elettrica ticinese (Tessiner Elektrizitätsgesellschaft), Monte Carasso, Schweiz

Projektbeteiligte

Bauleitung: Direzione Lavori sa, Lugano, Schweiz
Mitarbeiter: Barbara Corbella, Marcello Stabile
1. Phase
Bauingenieur: Studio di Ingegniera Reali e Guscetti, Airolo, Schweiz
Bauphysik / Haustechnik: Ifec SA, Rivera, Schweiz
Energie und Elektrotechnik: MORE engineering SA, Rivera, Schweiz
2. Phase
Bauingenieur: Tajana & Partner mit Spadea e Bondini sagl, Bellinzona, Schweiz
Haustechnik: Rigozzi Engineering SA, Giubiasco, Schweiz
Bauphysik / Haustechnik: Erisel SA, Bellinzona, Schweiz
Fassadenplaner: Patochi sagl, Cevio, Schweiz
Landschafts- und Umweltplaner: Dionea SA, Locarno, Schweiz
Lichtplaner: Consuline architetti associati, Mailand, Italien
Zertifizierung MINERGIA A: Ifec SA, Rivera, Schweiz
Kunst am Bau: Paolo Foletti, Lugaggia Schweiz

Jahr

2015

Ort

Monte Carasso, Schweiz

Konstruktionsmerkmale

tragendes Stahlbetonraster umhüllt Glasvolumen

Besonderheiten

Zertifizierungen MINERGIE_P_ECO- MINERGIE A

Beschreibung

Schweiz, Tessin, beinahe schon Italien – und schließlich unmittelbar angrenzend an die Kantonshauptstadt Bellinzona Monte Carasso: ein kleiner Ort mit rund 2.700 Einwohnern und einer beachtlichen Baugeschichte, die vom 14. Jahrhundert bis in die jüngste Gegenwart reicht. Hier haben bereits Mario Botta, Luigi Snozzi und Bruno Reichlin Spuren hinterlassen. 2015 kam mit dem Hauptsitz der Tessiner Elektrizitätswerke ein beeindruckender Baustein hinzu; die Architekten Lukas Meyer und Ira Piattini hatten zusammen mit ihrem Kollegen Francesco Fallavollita 2010 einen offenen zweiphasigen Wettbewerb gewonnen. Am neuen Standort sind nun alle zuvor verstreut untergebrachten Mitarbeiter des Konzerns vereint.

Die Ausgangslage war nicht einfach. Das Grundstück mit einem bereits von der Elektrizitätsgesellschaft genutzten Bestandsbau liegt eingeklemmt zwischen einem Fluss, einer Autobahn und einer weiteren Straße. Die Gegend ist industriell geprägt; wie so häufig in der Schweiz bilden aber die nahen Berge eine beeindruckende Kulisse und den direkten Bezug zur Natur. Ursprünglich sollten ein Flachbau und ein Hochhaus entstehen. Die Entscheidung fiel dann zugunsten eines langen Riegels, der beinahe im rechten Winkel zum bestehenden Gebäude, zur Autobahn und zum Fluss angeordnet ist und so eine kreuzende, spannungsvolle Achse durch das Areal legt. Außerdem bildet sich wie von selbst ein kleiner Vorplatz, der dem neuen Hauptsitz eine klare Zugangssituation und damit Adresse verleiht. Das Architektenteam entschied sich für einen strengen Bau: Durch die Aneinanderreihung gleicher Betonelemente entsteht eine offene Gitterstruktur. Dieses Gerüst umhüllt das eigentliche Gebäudevolumen, eine Kiste – überwiegend aus Glas. So ergibt sich ein reizvoller Wechsel aus offenen und geschlossenen Flächen. Statt klassischer Fensteröffnungen fällt der Blick durch Einschnitte, die im Gesamtbild einem gigantischen Setzkasten gleichen. Nur ausnahmsweise erlaubten sich die Architekten eine Unterbrechung der Strenge, indem sie organische Löcher in die Betonflächen schnitten. An den Kopfenden liegen offene Treppenhäuser, die bis auf das Dach und im Westen auf einen Balkon führen. Eine Brücke aus Sichtbeton verbindet den dreigeschossigen Neu- mit dem zweigeschossigen Bestandsbau.

Das Erdgeschoss hat öffentlichen Charakter, in den Geschossen darüber liegen die Büros. Durch den modulhaften Aufbau des Gebäudes sind sowohl abgeschlossene als auch Großraumarbeitsplätze möglich. Unabhängig davon sind alle Räume einfach und hell gehalten, wobei die Planer großen Wert auf die Farb- und Materialwahl legten.

Die Bepflanzung der Außenanlagen des Ensembles ist leicht zu pflegen und spiegelt nicht nur die Artenvielfalt der Region wieder, sondern soll sie noch erhöhen. Das Wasser ist für eine Elektrizitätsgesellschaft ein wichtiges Element; die Architekten fangen es in einem dreieckigen Wasserbecken auf; es bildet sich ein kleiner Teich im Westen des Grundstücks.

Beton

„Beton ist für uns ein unglaubliches schönes Material, das dem Gebäude zugleich Sensualität sowie Kraft und Strenge gibt“, fasst Ira Piattini die Entscheidung für dieses Baumaterial zusammen.

Die Gebäudestruktur und die Böden der Flure sind alle in Sichtbeton ausgeführt, (die Böden der Büros in geschliffenem Betonplatten mit Steineinschlüssen erzeugen einen „Terrazzo-Effekt“). Die Treppen – neben den außenliegenden auch die des Treppenhauses im Kern des Gebäudes –  behandeln die Architekten wie „vertikale skulpturale Elemente“ aus Sichtbeton. Um Kältebrücken um zwei Drittel (im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen) zu verringern, haben die Architekten die Berührungspunkte zwischen dem tragenden Gitter und dem inneren Gebäudevolumen minimiert und dafür beträchtlichen konstruktiven Aufwand nicht gescheut. Zusammen mit den Ingenieuren entwickelten sie die Idee, das Betongitter oberhalb des Dachs bügelartig weiterzuführen und dieses sowie alle weiteren Etagendecken dort mit Stahlstangen abzuhängen. Die Stangen nehmen den Rhythmus des äußeren Gitters auf, verlaufen aber abgekoppelt davon bis zur Erdgeschossdecke. Die Betonbalken auf dem Dach dienen gleichzeitig als Träger für die Solarpaneele, die mehr Strom erzeugen, als das Haus verbraucht. Hoch wärmegedämmter und luftdichter Beton, die isolierten Glasflächen, die Temperaturregelung des Hauses über Wärmepumpen, die Speicherkapazität der massiven Betondecken in Kombination mit dort installierten flächigen Elementen, in denen die Rohrschleifen verlaufen, die kontrollierte Be- und Entlüftung sowie die ständige Überprüfung des energetischen Systems, all diese Komponenten sorgen dafür, dass der Bau die höchsten Schweizer Energiestandards erfüllt und mit allen drei Zertifizierungen Minergie A, Pe und ECO ausgezeichnet wurde.

Quelle

Christina Gräwe für EINSATEAM

Bildnachweis: Paolo Roselli, Mailand, Italien / Stefano Mussio, S. Antonio, Schweiz

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