Roca-London-Gallery in London

Der spanische Badausstatter Roca genießt internationale Anerkennung, die er unter anderem seiner intensiven Kooperation mit namhaften Architekten verdankt. In diesem Zusammenhang erteilte das Unternehmen im Jahr 2009 der Architektin Zaha Hadid den Auftrag zur Planung und Realisierung der Roca-London-Gallery im bekannten Hafenbezirk Chelsea. Ihre Aufgabe war es, für Roca das Erdgeschoss eines bestehenden Gebäudes zu einem angemessenen Ort für Produktpräsentationen, Schulungen und Meetings umzubauen.

Ausgehend von den Sanitärprodukten des Auftraggebers entschieden sich Zaha Hadid und ihre Mitarbeiter für das Designthema Wasser. Sie entwarfen eine Ausstellung, die den Eindruck erweckt, allein durch dessen Kraft entstanden zu sein. Alle Räume gehen fließend ineinander über, scharfe Kanten und rechte Winkel wurden bei dem 1100 m² großen Objekt weitestgehend vermieden. Um die Exponate optimal zu präsentieren, bedienten sich die Planer modernster Technik und gut durchdachter Beleuchtungselemente. Diese wurden optimal in die organische Architektur integriert und fügen sich hervorragend in das futuristisch anmutende Erscheinungsbild ein.

Bei der Frage, aus welchem Baustoff das Objekt realisiert werden soll, fiel die Wahl der Planer auf Beton. Die Anforderungen aus der Bauaufgabe und den optischen Ansprüchen der Architekten erwiesen sich als extrem hoch: Die Sichtbetonelemente waren in mehreren Achsen gekrümmt, was im Betonbau immer eine große Herausforderung darstellt. Zudem hatten sie eine absolut ebenmäßige und fehlerfreie Oberfläche aufzuweisen. Das im Design festgelegte Fugenbild war akkurat einzuhalten. Die insgesamt 1040 Ankerstellen, die mit Edelstahlkonen geschlossen wurden (bis zu 40 Öffnungen pro Wandelement), mussten mit perfekten Kanten hergestellt werden. Darüber hinaus sollten die Wandelemente möglichst leicht sein, um die Statik des Bestandsgebäudes nicht zu überfordern. 

Beton

Bevor mit der Fertigung der Bauteile begonnen werden konnte, waren mehr als zweieinhalb Jahre intensiver Vorarbeit nötig. Das Ergebnis war die Entwicklung eines textilbewehrten Faserverbundbauteils auf Betonbasis, die im Kern aus einer Aluminium-Wabe bestehen. Betonelemente mit einer Stärke von nur 60 mm und einem Gewicht von lediglich 50 kg/m² waren nun möglich.

Für die Bauteile musste zunächst eine Betonrezeptur formuliert werden, die gewährleistet, dass der Frischbeton gut am Aluminium haftet und bei hoher Druckfestigkeit (> 45 N/mm²) einen sehr guten Biegezugwert (10 N/mm²) aufweist. Anhand der Anforderungen, die zur Fertigung der Elemente gefordert waren, stellten die Verantwortlichen eine maßgeschneiderte Polymermischung zusammen. Hierbei erwies es sich als besonders vorteilhaft, dass die Polymere die plastische Verformbarkeit (Duktilität) des Betons erhöhten und somit einer Rissbildung der dünnwandigen Betonelemente beim Transport und Einbau vorbeugten. Zudem musste eine gute Abriebbeständigkeit der Betonoberflächen gewährleisten werden.

Für den Bau der Ausstellungselemente wurde der Beton in Kombination mit anspruchsvollen Sonderschalungen sowie einem geeigneten Trennmittel verwendet. So war es möglich, die Pläne des Büros Zaha Hadid Architects zu realisieren. Diese sahen neben den geschwungenen Formen auch ein Wechselspiel weißer und grauer Bauteile vor. Neben grauem Zement kam daher auch ein weißer Zement zum Einsatz, der auf Grund seiner strahlenden Farbe eine hervorragende Grundlage für eingefärbten Beton ist. Der Weißzement dient daher als Basis.
Um beim Bau der Roca-London-Gallery die Farbwünsche der Architekten exakt umzusetzen, wurden zahlreiche Musterstücke gefertigt und bewertet, bis der gewünschte Farbton definiert und letztendlich freigegeben war.

Nach zwölf Monaten Bauzeit wurde die Roca-London-Gallery im Rahmen einer feierlichen Zeremonie eröffnet. Dabei erläuterte die Architektin Zaha Hadid die Gestaltungsideen des Objekts und erklärte, dass bei dieser „Arbeit … die Architektur von der Komplexität und Schönheit natürlicher Formen“ durchdrungen wird, wobei „eine Reihe von Räumen entstanden, die ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Architektur und Natur“ widerspiegeln. Möglich gemacht wurde dies nur durch die disziplinierte Planung und den unerschütterlichen Mut, eine revolutionäre Vision umzusetzen, sowie die optimale Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das Ergebnis ist ein einmaliges Bauwerk, das die Grenzen des Machbaren nachhaltig erweitert.

Quelle: Claudia El Ahwan, round-about-you
Bildnachweis: round-about-you, Horb a. N.

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