Mosellum für „Architekturpreis Energie 2013“ nominiert

Vorbild für energieeffiziente und nachhaltige Gebäudekonzeption

Mosellum Koblenz, Blick auf SB4 Sichtbetonfassade und den Fischpass. Foto: Jan Michael Hosan

Das Besucher- und Informationszentrum Mosellum in Koblenz wurde für den „Architekturpreis Energie 2013“ der Architektenkammer Rheinland-Pfalz nominiert. Der vom Koblenzer Architekturbüro von Canal geplante Sichtbetonbau bildet die Ergänzung zur neuen Koblenzer Fischpassanlage, die als erste von insgesamt zehn geplanten Anlagen entlang des deutschen Abschnitts der Mosel neu gebaut wurde. Das unter der Trägerschaft des Landes Rheinland-Pfalz gebaute Besucherzentrum beherbergt eine umweltpädagogische Ausstellung über Fischwanderung, Gewässerökologie und Schifffahrt.

Mosellum Koblenz, Blick auf SB4 Sichtbetonfassade und den Fischpass. Foto: Jan Michael Hosan

Das Energiekonzept

Mit dem Architekturpreis Energie 2013 werden Beispiele energieeffizienter Architektur ausgezeichnet, die gestalterische und energetische Qualitäten vorbildlich vereinen. Das Mosellum erfüllt alle Ansprüche an ein Passivhaus und liegt mit seinem Jahres-Primärenergiebedarf mehr als 70 Prozent unter den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV). Eine in das Gebäude integrierte und von RWE betriebene Wasserkraftturbine erzeugt jährlich eine Millionen Kilowattstunden Strom und versorgt außer dem Mosellum noch 270 Nachbarhaushalte mit Energie.

Die Abwärme der Schaltschränke bei Betrieb der Dotierturbine wird über Wärmeaustauscher zum Heizen und Kühlen des Gebäudes genutzt. Ergänzt wird das System durch einen Wärmeaustauscher, der über einen Wasserkreislauf an das Moselwasser angeschlossen ist. Die zentrale Lüftungsanlage arbeitet ebenfalls mit Wärmerückgewinnung. Sommerlichen Wärmeschutz erreicht das Besucherzent-rum durch die geringe Wärmedurchlässigkeit der Beton-Massivbauweise mit 40 Zentimeter starken Fassaden sowie durch eine 80-prozentige Nordorientierung der Fensterflächen und das mehr als zwei Meter auskragende Dach.

Erlebniswelt Mosellum Koblenz, Ausstellungsraum mit Einblick in den Fischpass. Foto: Caparol, MartinDuckek

Außen- und Innenarchitektur

Das Objekt ist in WU-Beton (wasserundurchlässigem Beton) ausgeführt, da es sich direkt im Hochwassergebiet der Mosel befindet. Die Sichtbetonfassade ist in Sichtbeton der Klasse SB4, also als Betonfläche für hohe gestalterische Ansprüche, errichtet. Sie folgt den präzisen Angaben der Architekten zu Schalungsbild, der Schalungstechnik und den Schalungsankerpunkten. Entstanden ist eine glatte, samtweiche Betonoberfläche, ohne sichtbare Plattenstöße und mit hoher Ästhetik. In Anspielung auf den Hauptgegenstand des Mosellums sind Teile der Außenwand zusätzlich mit einer geschwungenen champagnerfarbenen „Fischhaut“ versehen, die aus einzelnen Edelstahlschuppen besteht. Das Dach des Gebäudes nimmt mit seinem leicht wellenförmigen Verlauf die Bewegung der nahe fließenden Mosel auf.

Erschlossen wird das Mosellum über einen barrierefreien Stahlsteg, wie das gesamte Gebäude überhaupt barrierefrei zugänglich ist und dafür bereits vom Land ausgezeichnet wurde. Mit Treppen und Balkonen aus Sichtbeton setzt sich das fließende, klare Gestaltungskonzept auch im Innenbereich fort. Die Nutzflächen sind als freie Raumstruktur mit verschobenen Nutzungsebenen (Splitlevel) entwickelt worden. So entsteht ein offenes Raumgefüge, das ein Überblicken der verschiedenen Ausstellungsbeiträge erlaubt. Die oberste Etage beherbergt einen Konferenzraum, der auch als außerschulisches Klassenzimmer genutzt wird. Ankerpunkt der Ausstellungspädagogik sind drei große Fensterscheiben im Untergeschoss, durch die die Fische im neuen Fischpass direkt beobachtet werden können.

Mosellum und Moselstaustufe, Ansicht von unten. Foto: Jan Michael Hosan

Fischtreppe am Gebäudesockel

Sechseinhalb Meter Höhenunterschied zwischen oberem und unterem Wasserspiegel überbrückt die Fischtreppe am Gebäudesockel. Lachse, Rotaugen, Forellen und Co müssen dabei, angelockt vom Wassersog der Turbine, 39 serpentinenartig aufsteigende Becken passieren. In einer Fang- und Zählanlage werden die Fische für wissenschaftliche Zwecke untersucht, ein Forschungsprojekt ist angegliedert. Die Neugestaltung der Staustufe Koblenz ist Teil eines landeseigenen Aktionsprogramms zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Gewässern für Wanderfische. Die Mosel und ihre Nebengewässer spielen dabei als Laich- und Jungfischhabitate eine besonders wichtige Rolle.

Das Mosellum wurde bereits in der Kategorie „öffentlich und sozial genutzte Immobilien“ mit dem „PROM des Jahres 2012“ ausgezeichnet. Die Initiative prämiert ökologisch vorbildhafte Lösungen bei Neu- und Umbauprojekten.

Bautafel
ProjektMosellum Erlebniswelt Fischpass Koblenz
Entwurf und Planung Von Canal Architekten & Ingenieure, Koblenz
ProjektleitungArchitekt Björn Gossa Dipl.-Ing.[FH] M.A. Architektur
M.Sc. Projektmanagement, zertifizierter Passivhausplaner
MitarbeitArchitektin Dipl.-Ing.[FH] Katrin Kettenhofen
Bauherr Land Rheinland-Pfalz, Ministerium für Umwelt, Landwirt schaft, Ernährung, Weinbau und Forsten vertreten durch die SGD Nord Koblenz
Tragwerksplanung Ingenieurbüro Kraus, Koblenz | Hochbau
Ingenierbüro Dr. Gebler, Walzbachtal | Tiefbau u. Fischtreppe
Prüfstatiker Ing. Büro Verheyen, Bad Kreuznach
RohbauFirma Sonntag, Boppard-Buchholz
SchalungstechnikFirma Sonntag, Boppard-Buchholz
FertigstellungSeptember 2011
BRIca. 3500 m³
NGF ca. 360 m²

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